Dieses Ende des ersten Qualifying-Segments bei der Formel 1 in Baku dürfte die Geduld von Alpine-Boss Flavio Briatore ziemlich strapaziert haben. Innerhalb von Sekunden rutschten erst Pierre Gasly und dann Franco Colapinto in der gleichen Kurve ins Aus. Colapinto zerstörte dabei auch noch sein Auto. Und findet den Unfall gar nicht einmal so schlecht.
Die Erwartungen waren bei Alpine in Baku ohnehin sehr mäßig gewesen. Der schwache Renault-Motor hilft sicher nicht, und trotz des kurvigen Mittelsektors montierte das Team so viel Flügel wie möglich ab, um den Verlust auf der langen Geraden in Grenzen zu halten. Damit schaffte der A525 respektable Topspeeds rund um die 340 km/h, war aber in den Kurven sehr schwierig.
"Wir wissen, das ist für uns der beste Kompromiss, aber ich bin wirklich nie in ein gutes Fenster mit dem Auto gekommen", ärgert sich Gasly. Zwar machte man das Verhalten in langsamen Kurven seit Freitag besser, aber nie wirklich gut. "Die Bodenwellen, die Bedingungen, die Reifen, nichts hat Klick gemacht. Eine schwierige Strecke für uns." Dass der Wind für das Qualifying mit Böen von bis zu 60 km/h auffrischte half nicht.
Alpines Doppel-Abflug: Gasly macht es vor und lenkt Colapinto gleich ab
"Unsere Prognose war P18, da braucht es immer ein bisschen was extra und perfekte Runden", ergänzt Colapinto. Auf der Suche danach war es erst Gasly, der auf P19 liegend auf seiner letzten Q1-Runde schon am Ausgang von Kurve 3 einen Quersteher hatte. Dann verschätzte er sich hin zu Kurve 4, wo das ganze Qualifying unberechenbarer Rückenwind das Anbremsen erschwerte, komplett: "Ich habe gar nicht so viel Risiko genommen. Letztendlich mein Fehler."
"Ich habe ein kleines bisschen später gebremst und wollte einlenken, und sofort ist mir das Heck weg, dann musste ich geradeaus", beschreibt Gasly. Er bog ab in den Notausgang, um einen Einschlag zu verhindern. Nun rangierte er da draußen, bei blinkenden Lichtern und Flaggensymbolen, als Teamkollege Colapinto angerauscht kam.
Colapinto kam ein paar Meter weiter, ehe ihm ebenfalls das Heck ausbrach. Diese paar Meter ritten ihn ins Verderben: "Das Heck ist einfach komplett weg. Ähnlich ist es Pierre vor mir passiert. Aber er ist in den Notausgang, also konnte ich da gar nicht mehr hin, um einen Unfall zu vermeiden." Wäre sich aber sowieso an seinem Punkt des Kontrollverlustes wohl kaum ausgegangen. Colapinto driftete in TecPro und Betonwand und zerbröselte große Teile seines A525.
Franco Colapinto mäßig einsichtig: Lieber Unfall als langsam
Beide Fahrer hatten damit ihr Q1-Aus besiegelt. Gasly ohne Schaden auf P19, der in der Startaufstellung dank einer Disqualifikation vor ihm zu P18 werden wird. Colapinto mit doch signifikantem Schrott auf P16 - aber andererseits nur eine knappe Zentel vom rettenden Q2-Ufer entfernt. Das hatte er kurz vor seinem Abflug schon geglaubt zu erreichen: "Ich war nach drei Kurven schon drei Zehntel schneller."

Während Gasly also auf das letzte Stückchen Risiko verzichtete, scheint der um seine F1-Zukunft fahrende Colapinto anders an die Sache heranzugehen. "Mir ist lieber, ich habe einen kleinen Unfall und bin schnell, anstatt einfach langsam zu sein", verteidigt sich der 22-Jährige, der sich im Vorjahr bei seinen Rennen mit Williams schon einen Ruf als Crash-Pilot erworben hatte.
"Wenn es so endet ist es natürlich nicht gut, aber sicher wird es besser", glaubt Colapinto weiter an eine steigende Formkurve. Näher kam er Gasly in den letzten Wochen tatsächlich. "Generell habe ich mich besser qualifiziert, bin konstanter, zufriedener. Ich muss mich einfach weiter fokussieren." Alpine und Flavio Briatore peilen dem Vernehmen nach eine Fahrer-Entscheidung im November an. Und wollen dafür von Colapinto Leistung sehen.



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