Die Formel-1-Sommerpause mag zwar vier Wochen gedauert haben, aber im Endeffekt scheint sie wenig verändert zu haben. Etwa in Bezug auf zwei Teams: McLaren, die den Trainings-Eindrücken zufolge in Zandvoort genau so überlegen sind wie noch in Ungarn. Und Red Bull, die den Trainingstag mit ähnlichen langen Minen beenden, mit denen sie schon aus Budapest abgereist sind.

Der Hungaroring und der Kurs an der Nordsee sind sich in jenem Punkt ähnlich, dass sie beide viel Downforce verlangen. Kein gutes Rezept für den Red Bull RB21, der häufig Balance-Probleme bekommt, wenn mehr Abtrieb aufs Auto gepackt wird. Wenig verwunderlich ist deshalb, dass Max Verstappen nach FP2 erneut keine gute Bilanz zieht. "Wir haben viele Dinge mit dem Auto probiert, aber es scheint nichts an den zugrundeliegenden Problemen zu ändern", zeigte er sich genervt.

Ungarn-Problem gelöst? Red Bull findet trotzdem keine Balance

Allerdings unterscheiden sich die Probleme von jenen des letzten Grand-Prix-Wochenendes. Am Hungaroring fand Verstappen einfach keinen Grip. "Wie auf Eis" lautete damals sein Fazit. In Zandvoort ist das anders, wie Motorsportberater Dr. Helmut Marko feststellte: "Das Problem [aus Ungarn] ist gelöst."

Dafür trat ein anderes zutage. "Untersteuern, das ist das Hauptproblem", stellte Verstappen fest. Das wird vor allem in einem Streckenabschnitt spürbar. "Im Mittelsektor mit den vielen schnellen Kurven", so der Niederländer. Zwischen Turn 7 und Turn 10 büßte er im zweiten Training etwa drei Zehntelsekunden auf den McLaren von Lando Norris ein. "Es ist das Untersteuer-Problem, das zu Übersteuern wird. Wir haben die ganze Saison Probleme damit, die richtige Balance zu treffen", analysierte Marko.

Max Verstappens Stimmung getrübt: Was findet Red Bull bis zum Qualifying?

Kurve 1 und Kurve 13 sind zwei weitere notorische Stellen, an denen die Lücke weiter aufgeht, wobei die erste Kurve kein Red-Bull-Spezifikum darstellt. Dort sind die Papayas allen anderen klar überlegen. Überrascht ist von der Schwäche des RB21 niemand so wirklich, denn die Strecke ist keine für das Auto des amtierenden Weltmeisters. Darin sind sich Marko und Verstappen einig. Entsprechend düster ist die Prognose des Lokalmatadors für das restliche Wochenende: "Ich hoffe, dass wir über Nacht etwas finden können, aber ich erwarte keinen großen Umschwung."

Aus der Sicht von Marko ist das Glas halbvoll: "In Ungarn hätten wir uns über eine fünfte Position gefreut." Dort schaffte es Verstappen in den Trainings kaum in die Top-10. Im Qualifying kam er nicht über P8 hinaus und im Rennen wurde er gar nur Neunter. Pacemäßig war es eines der schlechtesten Wochenenden des vierfachen Weltmeisters in der Ground-Effect-Ära.

Ganz so schlimm sieht es in Zandvoort nicht aus. Zumal es bei Red Bull nicht das erste Mal in der Formel-1-Saison 2025 wäre, dass sie ein schwächelndes Freitags-Paket für den Samstag wieder in Schuss bekommen. Darauf baut auch Marko: "Normalerweise dauert es bis Samstag, bis unser Setup funktioniert. Deshalb lasst uns optimistisch bleiben."

Im Vergleich zu Ungarn könnte noch ein weiterer Aspekt die Probleme der Bullen mildern. "Je härter die Mischung, desto besser sind wir", glaubt Marko. Auf dem Hungaroring waren der C3 bis zum C5-Reifen zum Einsatz gekommen. In Zandvoort reicht das Sortiment von C2 bis C4 - im Vorjahr war es sogar noch eine Stufe härter gewesen.

Positiv nahm man bei Red Bull zur Kenntnis, dass Yuki Tsunoda einen für seine Verhältnisse guten Freitag erwischt hatte. Platz 7 in FP2 ist für den Japaner, der seit sieben Rennwochenenden ohne Punkte dasteht, ein positives Signal. Doch Marko will dem nicht zu viel Bedeutung beimessen. "Warten wir einmal lieber bis zum Qualifying", mahnte er. Tsunoda selbst stellte fest, dass sich im ersten Training bei ihm der Longrun gut angefühlt hatte und dafür der Shortrun schlecht. In FP2 war es genau andersherum: Der Qualifying-Trimm funktionierte gut, dafür aber der Longrun nicht mehr. "Wir müssen einen Mittelweg finden", forderte er.

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