Nach zwei harten Jahren meldete sich Daniel Ricciardo zurück. Eine halbjährliche Pause und ein paar Rennen bei AlphaTauri reichten, um den Hunger, die Zuversicht und das Grinsen wieder aufleben zu lassen. Faenza nur ein Zwischenstopp auf dem Weg zurück nach Milton Keynes. Schon beim Reifentest soll er auf Red-Bull-Niveau und besser als Perez gewesen sein.

Ricciardo: Massive Drucksituation beim Reifentest

"Ich wusste, dass meine Zukunft von diesem Test abhängt", erinnert sich Daniel Ricciardo an den sagen-umwobenen Reifentest in Silverstone. Startschwierigkeiten mit zwei Drehern in langsamen Kurven brachten ihn nicht aus der Fassung. "Schon die erste schnelle Runde war gut genug, um in der ersten Startreihe zu stehen. Ich war nur ein paar Hundertstel hinter der Pole-Zeit von Max."

Daniel Ricciardo, Sergio Perez und Max Verstappen in Texas
Kampf ums Red-Bull-Cockpit und den Platz an der Seite von Max Verstappen, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Die Legende besagt, dass die "starke Leistung" des Australiers schon in der elften Runde ausreichte, damit Dr. Helmut Marko zum Hörer griff, Nyck de Vries Formel-1-Karriere beendete und Ricciardos reaktivierte. "Als ich die Ziellinie überquerte und meine Zeit sah, war ich einfach erleichtert. Es war doch lange her", so Ricciardo im 'Beyond the Grid' Podcast.

Daniel Ricciardo statt Sergio Perez 2025 im Red-Bull-Cockpit?

Nyck de Vries raus, Daniel Ricciardo rein. Knapp zwei Wochen später in Budapest waren bereits alle Spuren von de Vries in der AlphaTauri-Garage beseitigt. "Die Lage war klar. Warum warten? Wenn wir etwas unternehmen, dann sollten wir es gleich erledigen", meinte Christian Horner damals. AlphaTauri ist aber nicht das Ziel: Mehrmals betonte Ricciardo, dass eine Rückkehr bei Red Bull auf dem Plan steht.

Sergio Perez patzt erneut! Muss Red Bull ihn 2024 ersetzen?: (17:51 Min.)

Mit Ende des nächsten Jahres würde der Platz neben seinem Freund Max Verstappen frei werden - Sergio Perez' Vertrag endet 2024. Eine Deadline für eine Rückkehr bei Red Bull hat sich Daniel Ricciardo nicht gesetzt. Wichtig ist nur das, nicht wann. "Das wäre der Traum. Meine Karriere als Red-Bull-Fahrer zu beenden, wäre perfekt." Nicht, dass er eine baldige Formel-1-Pensionierung in Betracht ziehen würde.

Aber falls er es zurück zu den Weltmeistern schafft, hat er nicht mehr vor, wegzugehen. Sein Kreuzweg beginnend bei Renault, und dem vorzeitigen Aus bei McLaren hat gereicht. Danach hatte er die Pause bitter notwendig. "Das wurde mir erst so wirklich bewusst, als ich sie dann genommen habe", erzählt er.

Ricciardo zitterte vor Rückkehr beim alten Team

Langsam, aber sicher hat er sich sein Mojo zurückgeholt und die Liebe zur Formel 1 wiederbelebt. Christian Horner war immer offen und ehrlich. Aber bei seiner Rückkehr zum 2018 verschmähten Rennstall war sich Ricciardo aber nicht sicher, wie die anderen Red-Bull-Mitarbeiter reagieren würden, die er damals für Renault sitzen ließ.

AlphaTauri-Fahrer Daniel Ricciardo
In Mexiko qualifizierte sich Daniel Ricciardo auf P4, und vor Sergio Perez, Foto: LAT Images

"Ich kam nach einer ziemlich schlechten Saison zu einem Team, das gerade die Meisterschaft gewonnen hat", erinnert sich der achtmalige GP-Sieger und hatte Bedenken. "Fragen sich die Leute: Wer ist dieses gescheiterte Kind? Oder werden sie sich freuen, dass ich zurück bin und versuchen, mich wieder aufzupäppeln?"

Super Bowl für Ricciardos Comeback wichtiger als Australien-GP

Dabei hilfreich: Nicht sein Heimrennen in Australien, sondern American Football. "Der Super Bowl war ein entscheidendes Wochenende. Alles dort war auf höchstem Niveau", so Ricciardo. "Es war toll als Fan, aber ich dachte mir: Mann, diese Leute haben solches Glück, dass sie das machen können!" Damit war das Feuer endgültig wieder entfacht.

"Ich sehe es als zweite Chance", will Daniel Ricciardo den zweiten Stint seiner Formel-1-Karriere unbedingt nutzen. "Dieses Mal wird alles anders, ich konzentriere meine ganze Energie darauf, All in zu gehen." Das Ziel bleibt weiterhin, Weltmeister zu werden. Das sei immer noch schaffbar. Trotzdem setzt sich der 34-Jährige in seinem zweiten Frühling selbst weniger unter Druck.

Daniel Ricciardo beim Test in Abu Dhabi 2023
Daniel Ricciardo war bei den Testfahrten in Abu Dhabi immer noch voll motiviert, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Daniel Ricciardo klagt: Winterpause zu lang!

Anders teamintern: AlphaTauri erwartete, dass Ricciardo aufgrund seiner Erfahrung gleich gutes Feedback gab und half, das Auto zu verbessern. "Sie haben mir viele Fragen gestellt und mich gepusht. Aber so habe ich mich gleich zu Hause gefühlt!" Es wurden gleich Nägel mit Köpfen gemacht und seine Setup- und Entwicklungsvorschläge in die Tat umgesetzt.

Jetzt steht erst einmal die Winterpause an, die einzig für Daniel Ricciardo ungelegen kommt: "Das ist die erste Offseason, bei der ich hoffe, dass sie nicht zu lange dauert. Ich wäre gern weiter Rennen gefahren", freut er sich schon auf die Wintertests im Februar. Nachsatz und Kampfansage: "Ich werde jetzt dieses bisschen Extra-Energie nutzen und mir einen kleinen Startvorteil bei der Saisonvorbereitung erarbeiten."