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Formel 1

Formel 1, Alonso verliert erstes Duell seit 2017: Liegt an mir

Fernando Alonso hat im Qualifying der Formel 1 in Imola nach 27 Teamduell-Siegen in Folge gegen Esteban Ocon verloren. Alpine-Ass: Bin nicht schnell genug.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Schon im zweiten Qualifying der Formel-1-Saison 2021 ist es passiert: Fernando Alonso hat im Zeittraining für den Emilia Romagna Grand Prix in Imola tatsächlich wieder ein Teamduell verloren. Das geschah dem Spanier vor seinem F1-Comeback in dieser Saison zuletzt 2017 in Sepang. 27 Qualifying-Duelle hatte Alonso seitdem in Folge gewonnen.

Nun ist also doch wieder geschehen, wogegen bereits Wetten liefen: In Imola unterlag Alonso seinem Teamkollegen bei Alpine, Esteban Ocon, sogar deutlich. Als 15. und damit Letzter des zweiten Segments schied der Spanier mit 0,637 Sekunden Rückstand auf den Franzosen aus, während Ocon mit seiner Zeit das Q3 erreichte und sich dort den neunten Startplatz für das morgige Rennen sicherte.

Fernando Alonso in Imola: Ich war nicht schnell

Noch in Bahrain hatte Alonso im Qualifying die Nase vorn gehabt. Dort erreichte der Spanier Q3, Ocon schied bereits im ersten Abschnitt aus. Was war nur drei Wochen später los? Ganz einfach, geht es nach Alonso. „Es war nicht gut. Es ist enttäuschend, nicht in den Top-10 zu sein. Ich war nicht schnell“, sagt der Asturier mit einer in der Vergangenheit immer seltenen, aber auch selten notwendigen, Selbstkritik.

Strotzend vor Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten, so kennt die Formel 1 Alonso. In Imola allerdings schiebt der Spanier nicht im Ansatz etwas vor. „Das Auto fühlte sich gut an, die Balance war gut, ich war zufrieden damit“, sagt Alonso. „Ich war aber definitiv selbst zu langsam, um weiter vorne in der Klassifikation zu landen.“ Jetzt gelte es, das dringend zu analysieren, um schon beim dritten Rennwochenende besser abzuschneiden.

Alonso lobt Alpine-Upgrade: Habe es nicht genutzt

Der A521 sei jedenfalls ganz klar sogar besser gewesen als in Bahrain. Die Upgrades hätten Wirkung gezeigt. „Das war im Training positiv“, berichtet Alonso. „Wir hatten mehr Downforce und die Balance war auch deutlich besser als in Bahrain. Wir hatten mehr Grip auf der Hinterachse, es war insgesamt ein Schritt nach vorne. Leider habe ich diesen Grip heute nicht genutzt und nicht das Maximum aus dem gemacht, was mir gegeben war.“

Eine falsche Richtung mit dem Setup habe Alpine nach dem dritten Training auch nicht eingeschlagen. „Das würde ich verstehen, wenn sich das Auto im Qualifying anders anfühlt als im P3, aber das Auto fühlte sich genauso gut an“, sagt Alonso. „Es liegt also mehr an mir.“ Woran genau, wisse er noch nicht. „Da kannst du nicht nur Schwarz und Weiß sehen“, sagt Alonso.

Alonso sucht noch Limit des Autos

Einen Verdacht äußert Alonso allerdings. „Ich muss besser darin werden, zu verstehen, wo das Limit des Autos liegt. Du brauchst einen Mindestlevel an Vertrauen, gerade auf solchen Strecken wie hier, wenn es dann ans Qualifying geht. Und auf diesem Level bin ich noch nicht“, sagt Alonso. „Vielleicht gab es mehr Grip, als ich gespürt habe. Ich muss das Limit besser fühlen und mich so schnell es geht daran anpassen. Nur so kann ich besser werden.“

Überrascht zeigt sich Alonso von den Startschwierigkeiten nach zwei Jahren Formel-1-Pause nicht. „Noch beim Test habe ich gesagt, dass ich mich erst nach vier oder sechs Rennen wohler fühlen werde. Das gilt auch nicht nur für mich, sondern alle, die das Team gewechselt haben. Das haben wir hier auch gesehen, als Carlos [Sainz] zu Renault kam. Der hatte zunächst Probleme. Auch Daniel [Ricciardo] hatte erst Probleme mit Nico [Hülkenberg], als er hierherkam.“ Eine Entschuldigung könne das allerdings nicht sein. „Ich war heute einfach nicht schnell“, betont Alonso.

Fernando Alonso erwartet kniffliges Rennen

Im Rennen erwartet der Spanier nun eine schwierige Aufgabe. Von so weit hinten in der Startaufstellung rechnet sich Alonso in Imola nicht mehr viel aus. „Imola ist nicht berühmt für gute Überholmöglichkeiten“, sagt der Spanier. „Wir werden im Rennen wohl da hinten kämpfen müssen und können nur auf einen glücklichen Sonntag hoffen. In Bahrain war es ein glücklicher Samstag und ein unglücklicher Sonntag. Hoffentlich ist es hier andersherum!“

Hoffen lässt den Spanier einzig die herausfordernde Strecke. „In einem normalen Rennen, gewinnst du hier nur schwer Position. Da müssen schon ein paar Dinge in unsere Richtung laufen. Gestern im Training ist schon viel passiert, viele rote Flaggen und mechanische Fehler. Auch da ist dieser Kurs mit den Kerbs sehr beanspruchend“, sagt Alonso. Dennoch: In erster Linie sei die Pace zu verbessern. „Das hat oberste Priorität. Wenn wir morgen nicht schneller sind, ist es so oder sehr schwierig, Positionen zu gewinnen.“

Esteban Ocon übernimmt Alonso-Job: Maximum ausgereizt

Eher verteidigen müssen wird sich hingegen Esteban Ocon. Dem Franzosen gelang im Qualifying das genaue Gegenteil der Vorstellung Alonsos. „Wir haben heute das Maximum aus unserem Potential gemacht. P9 war heute das Limit. Alle, die noch vor uns waren, waren schneller und lagen außer Reichweite“, sagt Ocon. Die Neuerungen hätten zwar einen kleinen Fortschritt gebracht, auch einen größeren als bei der Konkurrenz, glaubt der Franzose. „Aber die Jungs vor uns sind schon noch immer um einiges schneller als wir“, sagt Ocon.

Deshalb gelte es nun, die neuen Teile noch besser zu verstehen, weiter zu optimieren und - trotz Doppelentwicklung für 2022 und Budgetgrenze - weiter Upgrades zu bringen. „Wir brauchen noch mehr solcher Verbesserungen“, fordert Ocon.

Das bereits im zweiten Qualifying abgewendete „Zu Null“ gegen Alonso, freut den Franzosen naturgemäß. „Fernando war einer von jenen Top-Leuten, zu denen ich schon in meiner Kindheit aufgeschaut habe“, sagt Ocon. „Es ist angenehm, mit ihm zu arbeiten. […] Keine Ahnung, was heute mit ihm passiert ist. Aber er hatte das gesamte Wochenende über viel Pace. Er wird im Rennen stark sein. […] Es wird das ganze Jahr über eng. Dass er noch viel Pace hat, hat er schon in Bahrain gezeigt.“

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