Formel 1

Formel 1, Gasly spürt Druck: Red Bull kalt und ohne Emotionen

Hohe Erwartungen im Top-Team und Max Verstappen als Messlatte: Pierre Gasly steht bei Red Bull vor der ultimativen Challenge. Der Neuling spürt den Druck.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Pierre Gasly steht 2019 vor seiner ultimativen Herausforderung in der Formel 1. Bei Red Bull muss der Franzose gegen Wunderkind Max Verstappen sein Revier in der Königsklasse markieren. Zudem erwartet das Top-Team von ihm absolute Top-Resultate im Kampf gegen Mercedes und Ferrari. Der Toro-Rosso-Aufsteiger spürt bereits den Druck in Red Bulls erster Mannschaft.

"Ja, aber das ist Teil des Spiels", erklärt Gasly im Interview mit der spanischen Marca. Die Beförderung kam für den GP2-Champion des Jahres 2016 gleichermaßen früh sowie unerwartet. Nach nur einer vollen Saison in der Ausbildung wurde er einberufen, um den zu Renault abgewanderten Erfolgsgaranten Daniel Ricciardo bei Red Bull zu ersetzen.

Dass dort ein anderer Wind weht, spürte er sofort. "Bei Red Bull arbeiten viel mehr Leute, das sieht man in der Fabrik... am Eingang stehen auch mehr Pokale. Toro Rosso ist etwas italienischer, emotionaler. Bei Red Bull sind sie kälter, da ist weniger Platz für Emotionen", zieht der 23-Jährige den Vergleich zwischen Ausbildungsbetrieb und erster Garde.

Gasly's früher Red-Bull-Vertrag ein Risiko?

Der Druck ist höher, die Atmosphäre strenger. An seinem eigentlichen Auftrag ändert all das für ihn nichts. "Im Prinzip ist mein Job immer noch derselbe: beschleunigen und bremsen, so gut wie möglich. Darauf muss ich mich konzentrieren, mich gut vorbereiten, trainieren, Zeit in der Fabrik verbringen und Informationen mit den Ingenieuren austauschen", sagt er.

Sein Einstand beim neuen Arbeitgeber lief allerdings nicht optimal. Zweimal versenkte Gasly den RB15 bei den Testfahrten in der Mauer, was bei Verstappen wenig Begeisterung auslöste und sowohl dem Niederländer als auch dem Team wichtige Streckenzeit kostete. Lehrgeld für die erst 26 Rennen F1-Erfahrung, mit denen Gasly im Normalfall eher noch nicht von Red Bull befördert worden wäre.

Verstappen wurde 2016 nach 23 Rennen umgetopft, weil Daniil Kvyat nach zwei schwachen Rennen abgesägt wurde. Der Russe hatte selbst nach nur einer Saison den Sprung zu Red Bull gemacht und war in den Augen seiner Förderer gescheitert. Der frühe Aufstieg kann sich also schnell als zu früh herausstellen. Der Druck ist dadurch für Gasly aber nicht höher, als er es sowieso schon ist.

Formel 1 2019: Wer gewinnt die Teamduelle?: (33:38 Min.)

Gasly selbstbewusst: Ich weiß, was ich in diesem Sport erreichen will

"Ich glaube nicht. Ich bin da ganz objektiv. Es ist mein zweites Jahr, und in diesem Sport wächst du mit jedem Jahr, mit der Erfahrung. Das ist, was dich stärker macht", so Gasly. "Natürlich ist auch der pure Speed wichtig, der vom Talent bestimmt wird. Aber auch das Arbeiten und das Verstehen des Autos, deinen Fahrstil wenn nötig anzupassen und mit den Ingenieuren zu arbeiten. Ich werde versuchen, das so schnell wie möglich zu lernen."

Die Abflüge bei den Testfahrten haben nicht an ihm gekratzt. "Ich relaxe nie, denn ich versuche immer zu lernen. Ich weiß, was ich in diesem Sport erreichen will, denn ich bin ehrgeizig. Wenn ich etwas gut mache, weiß ich, dass es okay ist, und wenn ich etwas falsch mache, weiß ich, dass ich einen Fehler gemacht habe. Es ist wichtig zu wissen, wo du dich verbessern kannst. Du hast in jedem elitären Sport sehr viel Druck."

Während Verstappen auf den WM-Titel angesetzt ist, soll sich Gasly bei Red Bull zunächst einfinden. Überambitionierte Zielsetzungen gibt es weder vom Team noch von ihm selbst zu hören. "Ich will als Pilot wachsen und ich bin dafür in der bestmöglichen Position. Ein Weltmeister-Team und Max an meiner Seite, der in der F1 eine echte Macht und einer der talentiertesten Fahrer ist", sagt Gasly.

Gasly steht bei Red Bull mit Verstappen einem der schnellsten Fahrer im Grid gegenüber - Foto: Red Bull

Gasly über Verstappen: Max und ich kommen gut aus

Verstappen und er kennen sich bereits aus Go-Kart-Tagen. "Max und ich kommen gut aus. Wir kennen uns seit 2010 und hatten im Go-Kart schöne Kämpfe. Wir haben damals voneinander gelernt und uns respektiert und somit eine gute Beziehung. Es ist ein Vorteil für das Team, wir können gut zusammenarbeiten", erklärt Gasly.

Obwohl der Niederländer anderthalb Jahre jünger ist, ist er mit 81 Rennen auf dem Buckel klar der Teamleader: Gerade wenn es ernst wird, erhofft sich Gasly, vom fünfmaligen GP-Sieger zu profitieren. "Wenn die Saison losgeht, kann ich mir anschauen, wie er seine Wochenenden in Angriff nimmt und auch das Rennen."

In seiner Zeit als Red-Bull-Junior durfte er außerdem auch zwei der erfolgreichsten Red-Bull-Pilot über die Schulter schauen. "Als ich Reservepilot war, habe ich auch Vettel und Ricciardo kennengelernt. Für mich war es eine wichtige Erfahrung, ihre Stärken zu sehen", so Gasly, der schon bald in ihre Fußstapfen treten will.

Der erste Sieg soll nach dem Wechsel zu Red Bull nur noch Formsache sein. "Wenn das Auto schnell genug ist, sollte es möglich sein", so der Mann aus Rouen. "Hoffentlich wird es schon bald sein, denn das ist es, wofür wir arbeiten."


Weitere Inhalte:
Wir suchen Mitarbeiter
Mitarbeiter Motorsport Designer Journalismus Programmierer Video