Vor einer Woche noch waren McLaren und besonders Lando Norris völlig unschlagbar, doch das Kräfteverhältnis der Formel 1 kann sich schnell ändern. Nach dem 2. Training von Silverstone sind die WM-Führenden von wiedererstarkten Ferraris alarmiert. Trotz Bestzeit glaubt Norris nicht, dass es aktuell reichen würde. Obwohl McLaren in Silverstone ein größeres Update gebracht hat.

"Es war ein bisschen eine Überraschung, ja", gesteht auch Oscar Piastri im Hinblick auf Ferrari. Der WM-Führende musste sich mit 0,470 Sekunden sogar hinter Charles Leclerc und Lewis Hamilton auf einem blassen vierten Platz einsortieren. 0,169 Sekunden fehlten ihm auf den drittplatzierten Hamilton. "Die sahen gut aus. Sowohl im Qualifying-Trimm als auch in den Longruns. Die sind dänke ich mit drin im Fight." Ähnliches bestätigt die Trainings-Analyse:

"Ich meine, auf dem Soft war das eine starke Runde", beurteilt Norris indessen seine Bestzeit. "Generell sind die Ferraris sehr schnell. Und das werden sie auch morgen sein. Da haben wir etwas Arbeit vor uns, das sah heute ein bisschen zu gut aus. Ferrari holt bis zum 3. Training stets auf, wie letztes Wochenende."

McLaren nicht stark genug: Kommt noch was vom Silverstone-Update?

"Mit heute bin ich zufrieden, aber das ist nichts, auf das wir zu stolz sein können", mahnt Norris. "Es ist noch immer etwas schwierig da draußen. Es war nicht so flüssig, wie ich es gerne hätte. Für FP2 war das eine starke Runde, aber aktuell ist das nicht stark genug."

Nun stellt sich die Frage nach dem Faktor Unterboden. Während Ferrari ihrerseits schon vor einer Woche hier ein Update brachten, hatte McLaren in Silverstone einen im Gepäck. Das muss sich nicht sofort schon am ersten Freitag damit in Performance umschlagen. Zuerst einmal muss das Team jetzt Daten sammeln, die Zahlen aus dem Windkanal prüfen, und herausfinden, ob die neuen Teile nach Änderungen am Basis-Setup verlangen.

"Wir konnten wichtige Daten quer über unsere Test-Teile sammeln und trotz der schwierigen Bedingungen eine vernünftige Basis in Sachen Performance festsetzen", bestätigt Teamchef Andrea Stella. In Silverstone macht besonders der Wind die Einschätzung schwierig. Er ist böig und unberechenbar. Wer ihn einmal gut erwischt, dem kann dadurch zu einer richtig guten Runde verholfen werden. Oder zu einer richtig schlechten, wenn man Pech hat.

Oscar Piastri braucht Hilfe, Norris hofft auf seine Tribüne

Das macht es auch schwieriger, ein Update nach dem ersten Tag zu bewerten. Bei McLaren wird man jetzt also erst einmal die Nacht damit verbringen, die Daten auszuwerten. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass das Team entweder morgen oder im Laufe der verbleibenden zwei Rennen vor der Sommerpause in Spa und Budapest erst mit Verzögerung einen Update-bedingten Sprung macht.

Unabhängig davon braucht Oscar Piastri nach einem weiteren schwachen Freitag dringend Pace. Mit fast fünf Zehnteln ist die Lücke zu Norris viel zu groß. "Die Pace ist da, wenn ich ein paar Dinge auf die Reihe bekomme können wir sehr wettbewerbsfähig sein", beruhigt Piastri. Auf eine Runde scheint sein Auto zu stark zu untersteuern: "FP2 war ein bisschen chaotisch, aber das Potenzial ist da. Die Longruns sahen auch solide aus."

FIA-Machtkampf eskaliert: Ein Versagen der Führung! (09:40 Min.)

Norris muss währenddessen an diesem Abend noch ein bisschen über seine eigene Tribüne nachdenken. Erstmals gibt es 2025 in Silverstone nämlich die "Landostand", die Norris-Thementribüne. Mit dem charakteristischen Norris-Neongelb ist sie kaum zu übersehen: "Jede Runde fühle ich mich gezwungen, hinzuschauen! Aber es ist auch toll, das zu sehen. Wenn es mich ablenkt, dann lenkt es auch die anderen ab!"

Die McLaren-Konkurrenz von Red Bull ist in Silverstone auch nicht zu unterschätzen - tut sich aber bisweilen schwerer, auch als Ferrari. Warum? Das könnt ihr hier nachlesen: