Formel 1

Formel 1, Mexiko 2017: Ricciardo-Rekord bei Dreher-Training

Daniel Ricciardo hat im 2. Training der Formel 1 in Mexiko mit neuem Rundenrekord die Bestzeit erzielt. Lewis Hamilton und Sebastian Vettel in Problemen.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Der drittletzte Lauf der Formel-1-Saison 2017 ist voll in Gang: Die ersten beiden Trainings zum Mexiko GP im Autodromo Hermanos Rodriguez sind gefahren - und boten bereits jede Menge Action und aufschlussreiche Lehren für den WM-Kampf.

Im Rennen am Sonntag (live im TV um 20:00 Uhr bei RTL, Sky Sport HD und im ORF sowie im Motorsport-Magazin.com Live-Ticker) kann Lewis Hamilton ja bereits Weltmeister werden, muss dazu lediglich Fünfter werden - unabhängig davon, wo Sebastian Vettel ins Ziel kommt.

Daniel Ricciardo stiehlt Vettel & Hamilton die Show

Im zweiten Training allerdings waren es weder Ferrari noch Mercedes, die die Oberhand hatten. Stattdessen stahl Red Bulls Daniel Ricciardo den WM-Gladiatoren die Show. Letztere steckten bei einem Dreher-Festival indessen gleich beide in höchst unterschiedlichen Problemen. Auch Max Verstappen kam nicht sorgenfrei davon (siehe Abschnitte Technik/Zwischenfälle).

Die Platzierungen: Mit einer 1:17.801 Minuten erzielte Daniel Ricciardo im zweiten Freien Training zum Mexiko GP nicht nur die Bestzeit, sondern unterbot damit auch den gerade erst im ersten Training neu aufgestellten Streckenrekord von Valtteri Bottas um 0,023 Sekunden. Zweiter im FP2 mit 0,131 Sekunden Rückstand auf den Australier wurde Lewis Hamilton vor dem zweiten Red Bull von Max Verstappen auf P3 (+0,163 Sek.).

Valtteri Bottas reihte sich nach seiner Bestzeit im ersten Training erst hinter den beiden Ferrari (P4 Sebastian Vettel, +0,250 Sek.; P5 Kimi Räikkönen, +0,341 Sek.) auf P6 ein. Dem Finnen fehlte fast exakt eine halbe Sekunde auf die Bestzeit. Insgesamt also ein extrem enges Bild zwischen den drei Top-Teams.

Nur zwei Zehntel hinter Bottas klassiert sich ein extrem starker McLaren von Fernando Alonso. Local Hero Sergio Perez, Nico Hülkenberg und Esteban Ocon komplettierten die Top-10. Pascal Wehrlein war als 16. für Sauber verhältnismäßig weit vorne platziert, lag damit knapp vor Teamkollege Marcus Ericsson.

Romain Grosjean fliegt in Mexiko kurios ab

Die Zwischenfälle: Immer wieder Romain Grosjean: Auch diesen Freitag überstand der Haas-Pilot nicht ohne Abflug. Ausgang der letzten Kurve drehte sich der Franzose drei Minuten nach Trainingsbeginn höchst mysteriös weg. "Ich habe hinten Links einen Reifenschaden", funkte Grosjean wenig später fluchend. Der Reifendruck sei allerdings noch da, meldete Haas. Immerhin weiterfahren konnte Grosjean, verteilte dabei jedoch derart viele Trümmerteile auf der Strecke, dass das Training für elf Minuten unterbrochen werden musste. Schon im FP1 hatte es rote Flaggen gegeben.

Kurz nach Re-Start der Session sofort der nächste Vorfall: Stoffel Vandoorne blieb Ausgang der Boxengasse stehen, sein McLaren ziehe seltsam zur Seite, meldete der Belgier. Das Team musste den Boliden zurück in die Garage schieben. Diagnose: Reifen nicht korrekt angezogen.

Lewis Hamilton nach Dreher mit Supersoft-Problem?

Nur Wimpernschläge später sorgte Lewis Hamilon mit einem Dreher im zweiten Streckenabschnitt für Action, in Kurve elf war ihm das Mercedes-Heck heftig ausgebrochen. Die superweiche Reifen-Satz dürften ruiniert gewesen sein. Bitter daran: Hamilton hat für den Mexiko GP insgesamt nur drei Satz dieser Mischung ausgewählt. Hier könnte ein Engpass drohen.

Munter ging es weiter mit Drehern. Als nächste erwischte es fast zeitgleich Carlos Sainz in Kurve drei und Lance Stroll in Kurve fünf. Sebastian Vettel leistete sich zur Mitte des Trainings wie zuvor Hamilton einen 'Moment' in den Esses, behielt den Ferrari allerdings gerade noch unter Kontrolle. 20 Minuten vor Schluss lieferte auch Teamkollege Kimi Räikkönen ein Musterbeispiel an Fahrzeugbeherrschung. Schlechter machte es Toro Rossos Rookie Brendon Hartley, der sich in Kurve sechs drehte.

All diese Zwischenfälle lassen sich leicht erklären: Die Luft in Mexiko ist bei 2.200 Metern über dem Meeresspiegel extrem dünn, entsprechend fehlt selbst mit High-Downforce-Paketen noch richtig guter Abtrieb.

Vettel, Verstappen, Hamilton alle mit Technik-Problemen

Die Technik: Mal wieder Aufregung bei Ferrari. Sebastian Vettel meldete nach gut 20 Trainingsminuten, im Auto sei etwas geplatzt, jetzt fließe ihm eine vielleicht ätzende Flüssigkeit in den Sitz. Schnell pilotierte Vettel den Ferrari zurück in die Garage, stieg aus. Offenbar handelte es sich um Schaum aus dem Feuerlöscher, Vettels Overall war am Gesäß weiß.

Doch auch bei der Konkurrenz lief es technisch nicht reibungslos. Hamilton meldete zunächst eigenenartige Motorenprobleme am Mercedes. Das Team teilte ihm mit, der Turbo überhitze unter gewissen Umständen, erteilte Hamilton entsprechende Anweisungen. In Mexiko sind die Turbolader besonders gefordert, da sie ein durch die dünne Höhenluft bedingstes Leistungsmanko des Verbrennungsmotors auffangen müssen. Gegen Sessionende bestätigte schließlich auch noch Red Bull ein Problem am Renault-Motor - Verstappen fuhr danach nicht mehr raus.

Das Wetter: Gegenüber dem ersten Training am Vormittag war es im FP2 am Nachmittag schon deutlich wärmer. Für Mexiko-Verhältnisse blieb es allerdings bei noch bescheidenen 23 Grad Celsius Außentemperatur. Durch die direkte Sonneneinstrahlung erwärmte sich der Asphalt jedoch auf gut 47 Grad Celsius.

Die Analyse: Red Bull scheint in Mexiko voll bei der Musik dabei. Ein reiner Zweikampf zwischen Mercedes und Ferrari wird es in Mexiko offenbar nicht. Das sind gute Nachrichten für Sebastian Vettel: Mit etwas Glück könnte es so zumindest in der Theorie auch ohne große Zwischenfälle zu einer Vertagung der WM-Entscheidung bis Brasilien reichen - nämlich dann, wenn er gewinnen, Hamilton nur Sechster und damit schlechtester Top-Fahrer werden sollte. Doch wäre es für Mercedes hier sicher auch wieder ein Leichtes, Valtteri Bottas hinter den Briten zu bringen. Ein Konstrukteurs-WM können die Silberpfeile seit Austin ja nicht mehr gefährden ...


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