Formel 1

Force India tönt: Bestes Formel-1-Team im härtesten Jahr

Force India beweist sich 2017 erneut als vierte Kraft der Formel 1. Dabei sei diese F1-Saison wegen der neuen Regeln die härteste der Teamgeschichte ...
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Force India ist ein Phänomen. Das lange Zeit klare Mittelfeldteam der Formel 1 wusste zwar schon immer mit einzelnen Highlights zu glänzen - etwa dem zweiten Platz Giancarlo Fisichellas beim Belgien GP 2009, nur knapp hinter Ferraris Kimi Räikkönen - doch spätestens mit Beginn der Hybrid-Ära 2014 mausert sich der kleine Rennstall zunehmend zu einem Dinosaurier der Formel 1. Und das nicht nur wegen gewisser Stegosaurus-Flaps auf der Finne.

Sammelte Force India im letzten V8-Jahr noch 77 WM-Punkte war es seitdem in jeder Saison ein dreistelliger Wert. So verbesserte sich der Rennstall von Konstrukteursrang sechs in den Jahren 2013 und 2014 auf P5 in der Saison 2015, 2016 sprang sogar der vierte Rang heraus. Nur die drei Top-Teams Mercedes, Red Bull und Ferrari waren noch besser, Traditionsrennställe wie McLaren und Williams souverän geschlagen.

Force India: Die Team-Bilanz in der Formel 1

Saison WM-Rang WM-Punkte
2008 10 0
2009 9 13
2010 7 68
2011 6 69
2012 7 109
2013 6 77
2014 6 155
2015 5 136
2016 4 173
2017* 4 147

*Stand Japan GP (16/20 Rennen)

Force India 2017 der große Punkt-Hamster der Formel 1

Auch in der Formel-1-Saison 2017 setzt sich dieses britisch-indische Märchen fort. Vier Rennen vor dem Saisonende rangiert Force India erneut auf Rang vier - einem diesmal noch weitaus weniger gefährdeten Rang vier als noch im Vorjahr. Mehr als doppelt so viele Punkte wie der erste Verfolger Williams haben Force Indias Sergio Perez und Esteban Ocon bereits eingefahren. Besonders aus einem Grund: Konstanz.

Bis auf Monaco sammelte Force India in jedem Rennen Punkte, für Ocon sogar der einzige Grand Prix ohne Zähler. "Wir hatten gehofft, dass er so einschlagen kann. Und ein wenig haben wir das auch erwartet, denn sonst hätten wir ihn nicht geholt. Aber er hat unsere Erwartungen übertroffen", lobt Geschäftsführer Otmar Szafnauer.

Für Perez dagegen setzte es zwei weitere Nuller. In Baku und Spa - und das nur, weil er jeweils ausgerechnet Unfällen mit seinem Teamkollegen zum Opfer gefallen war. Ohne diese beiden Zwischenfälle, die Force India inzwischen zu klarer Teamorder verleitet haben, würde der Rennstall sogar noch besser dastehen. In Baku hätte sich sogar eine Siegchance eröffnet.

Force Indias offenes Geheimnis: Effizienz

"Unsere Philosophie ist, das Potential des Teams komplett auszunutzen. Wenn sie aber anfangen, mehrfach ineinander zu crashen, nutzt man das Potential nicht. Daher mussten wir etwas anders machen", erklärt Szafnauer die Teamorder-Regeln. Bald könne man diese jedoch wohl wieder aufgeben. "Beide sind kluge Jungs, die Lektion sollte schnell gelernt werden", meint er. "Wenn sie uns weiter beweisen, dass sie ordentlich gegeneinander kämpfen können, werden wir das berücksichtigen", verspricht Szafnauer.

Bei Hülkenberg und Perez habe es auch nie Probleme gegeben. "Wenn wir dieses Szenario wieder erreichen, gibt es keinen Grund mehr für weitere Teamorder." In Anbetracht der guten Gesamtlage des Rennstalls erscheint das Teamorder-Thema ohnehin nur als Randnotiz. Aber noch immer als Störfaktor in der genannten Philosophie. Denn: Force India ist das wohl effizienteste Team der Formel 1, sieht sich zumindest selbst als eben jenes.

Force-India-Geschäftsführer tönt: Sind das beste Team

"Ich denke, wir sind das viertschnellste Team und das zweitbeste, vielleicht das Beste. Das kommt darauf an, wie man "bestes" definiert. Also viertschnellstes, aber das Beste", meint Szafnauer. Eine gewagte These? Vielleicht. Szafnauers Erklärung erscheint jedoch durchaus plausibel. "Wir sind das effizienteste Team, wir machen aus wenig mehr als alle anderen. Und genau das lässt dich bei den Besten landen und das bedeutet, dass du das beste Team bist", schildert Szafnauer.

Ansagen, die man von Force India so bereits kennt - jedoch nicht unbedingt so deutlich. Warum also jetzt? Ganz einfach: Das Team ist in der Formel-1-Saison 2017 fast schon überrascht von sich selbst. "Es geht ja nicht nur darum, alles zusammenzubringen, sondern man benötigt auch das richtige Werkzeug und diese Werkzeuge kosten Geld. Wir müssen auch infrastrukturell den nächsten Schritt gehen, was finanzielles Kapital erfordert, das macht es nicht leichter", sagt Szafnauer. "Aber wir werden nicht aufgeben."

Formel 1 Japan 2017: Feuer unterm Dach bei Ferrari und Mercedes: (14:31 Min.)

Force India mit gleichen Mitteln WM-Anwärter?

Seit jeher kämpft Force India mit den Finanzen, zählte in der Vergangenheit etwa zu jenen Teams, die einen Finanz-Vorschuss bei Bernie Ecclestone erbeten haben. Doch ausgerechnet 2017, in einer Saison, in der nur noch 27 Punkte fehlen, um das bisher beste Ergebnis der Teamgeschichte zu übertreffen, soll Force India die härteste Zeit denn je erleben.

"Es wird härter. Dieses Jahr war für ein Team wie uns - mit limitierten Möglichkeiten - das härteste Jahr überhaupt. Die Regeln haben sich signifikant verändert, wir mussten immer weiterentwickeln", erklärt Szafnauer wie sehr die Regel-Revolution zur F1-Saison 2017 Force India belastet. "Ich denke, wir haben dahingehend bis jetzt einen tollen Job gemacht. Wenn die Top-3 mit ihren riesigen finanziellen Mitteln nicht wären, die sie zum Großteil auch von den kommerziellen Rechteinhabern bekommen, würden wir die Meisterschaft gewinnen."

Genau deshalb pocht Force India bereits seit Jahren auf eine gerechtete Verteilung der Einnahmen. Eine Budgetgrenze wäre ebenso willkommen, allerdings ist diese vor 2021 wegen des laufenden Concorde Agreements unrealistisch. "Das würde uns bei der Performance näher bringen. Aber mit etwas mehr Geld könnten wir auch unsere Infrastruktur verbessern, was uns ebenfalls besser machen würde."


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