Formel 1

Formel 1 Spa, Force India rastet aus: Quali-Wunder nach Rettung

Force India zitterte, überhaupt beim Belgien GP anzutreten. Dann gelingt im Regen-Qualifying ein Wunder. Esteban Ocon und Sergio Perez in Startreihe 2!
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Die besten Geschichten schreibt einfach die Formel 1. Zum Belgien GP reiste Force India noch mit einem dicken Fragezeichen: Würde man überhaupt am F1-Rennwochenende in Spa teilnehmen dürfen? Erst spät am Donnerstagabend das große Aufatmen: Dank neuer Startlizenz geht es für das Team unter dem neuen Namen Racing Point Force India nahtlos weiter in der Königsklasse.

Was folgte: ein starker Trainingsfreitag für den neue formierten Rennstall. Wenig überraschend für das Team, führte man das auf eine gewisse Spa-DNA zurück. Auf Strecken wie dem Circuit Spa Francorchamps funktionieren die VJM-Boliden eben besonders gut, ähnlich wie in Aserbaidschan. Dort hatte Sergio Perez erst früher in dieser Formel-1-Saison sogar mal wieder ein Podium erzielt.

Regen in Spa: Ocon & Perez im Qualifying bärenstark

Genau das erscheint jetzt auch in Belgien nicht ausgeschlossen. Unglaublich, aber wahr: Auf den schon sensationellen Freitag als klarer Best of the Rest hinter den drei Top-Teams Mercedes, Ferrari und Red Bull folgte ein noch besseres Qualifying. Als im Q3 der Regen einsetzte schlug die große Stunde für Force India. Ocon und Perez schossen auf feuchter Strecke doch tatsächlich in Startreihe zwei! Geschlagen nur durch Lewis Hamilton und Sebastian Vettel.

"Es ist fantastisch nach einer so schwierigen Zeit mit dem Team auf dem dritten Platz zu sein. Jetzt geht es mit aller Frische richtig los. Aber das hatten wir nicht erwartet. Die Jungs haben einen großartigen Job gemacht. Sie haben die Reifen sehr schnell gewechselt und wir sind sofort wieder raus", jubelt Ocon. Der Weg dahin war allerdings gar nicht einmal so leicht. Wild rutschte der Franzose teils über den 7,004 Kilometer langen Kurs, Teamkollege Perez entging Ausgang Eau Rouge durch einen Wahnsinns-Save, von dem Marc Marquez noch lernen kann, nur um Zentimeter einem Einschlag in die Streckenbegrenzung. "Am Fernsehen sah es noch gut aus, im Cockpit war es viel schlimmer. Normalerweise crasht du, wenn du das Auto in Eau Rouge verlierst. Ich bin es nicht", so Perez ganz cool.

Force Indias bestes Qualifying - auch unter alter Lizenz

Doch es ging gut - mehr als das sogar. Für Force India stand am Ende das beste Ergebnis der Teamgeschichte in einem Qualfiying. Und das nicht, weil es unter neuer Lizenz ja sowieso nur das erste Qualifying war, sondern auch mit der ganzen Vorgeschichte unter alten Namen Sahara. Eine Pole holte Giancarlo Fisichella zwar schonmal - ausgerechnet auch in Belgien, 2009 - doch war da eben nur ein Force India ganz vorne dabei. Dasselbe galt für Sergio Perez, der 2015 auch in Belgien und Abu Dhabi mal Dritter war, Nico Hülkenberg da aber seltene schwache Momente an einem Samstag zeigte. Oder auch für Esteban Ocon, mit dessen drittem Platz in Monza 2017 wiederum Perez nicht mitzuhalten wusste.

Formel 1 2018: Alles über Racing Point Force India: (09:10 Min.)

In Italien geschah das damals übrigens ebenfalls bei Regen. Genau daran erinnerte sich Ocon auf dem Weg zu seinem großen Erfolg heute in Belgien. "Wir wussten auf jeden Fall, dass es immer eine Gelegenheit ist wenn du solche Bedingungen hast. Da kannst du mal was ausrichten, denn dann sind die Autos immer enger beisammen. Heute haben wir das Potential unseres Autos voll ausgeschöpft. Als es das letzte Mal geregnet hat bin ich auch als Dritter gestartet. Also ist es für mich jetzt das zweite Mal, dass ich vom dritten Platz starte. Das ist ein fantastisches Resultat", so der Franzose. "Morgen wollen wir diese Leistung jetzt bestätigen. Das Auto war auch im Trockenen stark. Hoffentlich bekommen wir morgen ein tolles Ergebnis."

Vettel & Hamilton adeln Ocon

Für Ocon wäre das - genau wie die Galavorstellung im Qualifying - auch in Sachen Zukunft wichtig. Aktuell geht es auf dem Fahrermarkt der Formel 1 heiß her - und Ocon immer mehr die Optionen aus. An mangelnder Leistung liegt das beim Mercedes-Junior zwar ganz sicher nicht, doch kann ein herausragendes Resultat on top immer nur helfen.

"Meine Zukunft ist nicht geklärt, gerade weiß ich nicht, was nächstes Jahr sein wird, wo ich fahren werde. Ich kann einfach nur weiter meinen besten Job machen. Das ist alles was ich tun kann, damit die Teams auf mich aufmerksam werden. Ich will nächstes Jahr Formel 1 fahren und arbeite so hart dafür wie es nur geht", sagt er in der Pressekonferenz.

Neben ihm sitzen da zwei vierfache Weltmeister. Und die streuen dem Youngster aus Evreux Rosen. "Wie er auf der Strecke performt ist herausragend. Er ist hier einer der Top-Fahrer. Leider geht es in der Formel 1 gerade immer viel darum, welches Kid das Geld hat. Da stimmt etwas mit der Verfassung des Sports nicht", sagt Hamilton. "Er macht alles richtig. Es ist sehr gut für ihn, diese Qualifying-Session hinbekommen zu haben. Bei diesen Bedingungen machst du schnell mal einen Fehler, da musst du klaren Kopf bewahren und das hat er", zieht auch Vettel gefühlt die Kappe.


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