Die MotoGP-Saison 2026 kommt mit den ersten Teampräsentationen gerade erst ins Rollen, doch der Fokus liegt vielerorts schon auf 2027. Dann steht nicht nur ein völlig neues Reglement ins Haus, sondern auch ein potenziell stark verändertes Fahrerfeld. Erst drei Piloten haben einen Vertrag für 2027 in der Tasche - zumindest offiziell. Denn Valentino Rossi überraschte im Rahmen des VR46-Launches am Mittwoch: "Ich kenne sie [meine Fahrer für 2027, Anm.] schon. Ich kann sie euch aber noch nicht verraten." Scheint, als hätte seine Truppe das nächstjährige Line-Up also schon fixiert. Doch wen könnte die MotoGP-Ikone meinen? Motorsport-Magazin.com nennt alle möglichen Optionen für VR46 Racing.

Option 1: Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli bleiben

Zunächst die offensichtlichste Möglichkeit: VR46 könnte 2027 einfach mit der bestehenden Fahrerpaarung aus Fabio Di Giannantonio und Franco Morbidelli weitermachen. Dafür spricht, dass speziell Letzterer ohnehin eng mit VR46 Racing verknüpft ist. Morbidelli wurde einst zum ersten Mitglied der VR46-Akademie und verfügt bis heute über eine dicke Freundschaft zu Teambesitzer Rossi, die gleichzeitig wohl auch der einzige Grund ist, warum der 31-jährige Römer heute überhaupt noch in der MotoGP fährt. 2025 gelang Morbidelli keine überragende, aber eine solide Debütsaison in Neongelb. Aufgrund seiner familienartigen Beziehung zu VR46 vielleicht schon genug, um sich 2027 ein weiteres Jahr in der Königsklasse gesichert zu haben.

Fabio Di Giannantonio (li.) und Franco Morbidelli (re.) fahren seit 2025 gemeinsam für das VR46 Racing Team, Foto: Tobias Linke
Fabio Di Giannantonio (li.) und Franco Morbidelli (re.) fahren seit 2025 gemeinsam für das VR46 Racing Team, Foto: Tobias Linke

Etwas anders gelagert ist der Fall von Di Giannantonio. Er gehört nicht zur VR46-Familie und ist bis heute auch der einzige Nicht-Akademiepilot, der je für das Team von Valentino Rossi gefahren ist. Erst der Wechsel von Luca Marini zu Honda und ein Überraschungssieg in Katar im Spätherbst 2023 brachten ihn überhaupt zu VR46. Eine glückliche Fügung, doch seither hat sich 'Diggia' seinen Platz im Team wahrlich verdient. Er war sowohl 2024 als auch 2025 bestplatziertester VR46-Pilot in der Fahrer-WM und hat sich so auch einen Ducati-Werksvertrag gesichert. Bleibt VR46 auch 2027 als wichtigstes Kundenteam der Roten an Bord - und davon ist nach den Aussagen der Teamverantwortlichen beim VR46-Launch auszugehen - spricht wenig gegen eine Ausbootung Di Giannantonios.

Option 2: VR46 als Rettungsschirm für die Akademiepiloten

Trotz allem ist eine Trennung von Di Giannantonio und/oder Morbidelli aber auch nicht vollkommen auszuschließen - speziell dann, wenn Platz für einen ehemaligen VR46-Piloten geschaffen werden muss. Morbidelli warf Rossi im Vorjahr schon einmal einen Rettungsanker zu, in der nächsten Saison könnte das Gleiche mit Luca Marini passieren. Der Halbbruder Rossis steht bei Honda vor einer ungewissen Zukunft, will der japanische Motorradgigant doch mindestens einen Topfahrer verpflichten. Sollte Marinis Weg bei HRC trotz großer Wertschätzung mit dem 31. Dezember 2026 zu Ende gehen und sich auch kein anderer Hersteller um seine Dienste bemühen, könnte ihn das Rossi-Team in der Königsklasse halten.

Luca Marini in der Pressekonferenz
Luca Marini fuhr schon 2022 und 2023 für VR46 in der MotoGP, Foto: VR46

Bei Weitem nicht so wahrscheinlich, aber theoretisch könnte Gleiches auch mit Francesco Bagnaia passieren. Der zweimalige MotoGP-Weltmeister fährt nach der Horrorsaison im Vorjahr um die Wiederherstellung seines Status als Toppilot. Gelingt ihm das, darf von einem Verbleib bei Ducati oder einem Wechsel in ein anderes Werksteam ausgegangen werden. Erlebt 'Pecco' aber auch 2026 wieder eine ganz schwache Saison, könnte sich das Interesse an seiner Person bedeckt halten und dann könnte VR46 seinem erfolgreichsten Akademiepiloten 2027 die Chance zur Rehabilitation bieten. Das ist nicht völlig auszuschließen, aber dagegen spricht: Rossi will seine Fahrer für nächste Saison ja jetzt schon kennen und dann müsste ihm Bagnaia bereits jetzt zugesagt haben, ohne die Entwicklung der Saison-Frühphase 2026 abzuwarten.

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Schon länger kein Akademiemitglied mehr ist Nicolo Bulega, vergessen darf man den inzwischen 26-jährigen Italiener im Rennen um die VR46-Plätze für 2027 deswegen aber keinesfalls. Über den Umweg des Superbike-Paddocks hat sich der Mann aus Montecchio Emilia doch noch zum Spitzenfahrer entwickelt, gilt nach dem Abgang von Toprak Razgatlioglu als der nächste WorldSBK-Champion. Ducati hält große Stücke auf ihn, will ihn 2027 gerne in die MotoGP bringen. Bleibt VR46 das erste Kundenteam der Roten, wäre es zweifelsfrei die erste Anlaufstelle - zumal Bulega bei VR46 auch nach seinem Ausscheiden aus der Akademie keine verbrannte Erde hinterlassen hat. Eine Wiedervereinigung ist definitiv vorstellbar.

Erwähnt sei an dieser Stelle auch noch Celestino Vietti. Der 24-Jährige galt einmal als nächste Nachwuchshoffnung der VR46-Akademie, konnte die Erwartungen aber nie erfüllen. Zwar gelangen ihm in der Moto2 in den letzten Jahren stets einzelne Erfolge, in Summe konnte er sich aber nie ernsthaft für einen MotoGP-Aufstieg empfehlen. Dennoch gab Vietti vor wenigen Monaten im Valencia-Test sein Königsklassen-Debüt, nachdem Morbidelli verletzungsbedingt zurückziehen musste. Erstmal nur ein Geschenk der VR46-Crew, vielleicht aber auch der Brustlöser für Viettis Karriere. Er selbst hat jedenfalls Blut geleckt: "Ich hoffe, dass ich in Zukunft noch mehr MotoGP fahren kann. Dafür werde ich jetzt alles tun." Gelingt ihm eine starke Moto2-Saison, könnte ihm Rossi durchaus eine Chance auf höchstem WM-Niveau geben.

Celestino Vietti durfte im Valencia-Test einige Runden auf der VR46-Ducati drehen, Foto: VR46 Media
Celestino Vietti durfte im Valencia-Test einige Runden auf der VR46-Ducati drehen, Foto: VR46 Media

Option 3: Valentino Rossi schnappt sich externe Topfahrer

Soll es kein aktueller Stamm- oder Akademiefahrer werden, kann sich Valentino Rossi abschließend natürlich auch bei der Konkurrenz bedienen. Ein Name, der dann zweifellos genannt werden muss: Pedro Acosta. Denn Rossi ist nicht nur bekennender Fan des KTM-Youngsters, er baggert auch schon seit Jahren an ihm. Bereits 2021 hätte der 'Doktor' Acosta gerne unter seine Fittiche genommen, im letzten Jahr gab es dann einen weiteren Anlauf. Teamdirektor Alessio Salucci kündigte schon damals einen neuen Versuch für 2027 an und laut spanischen Medienberichten soll Acosta auch schon einen Vertrag für 2027 unterschrieben haben. Die große Frage lautet nur: Wo? KTM, Ducati oder vielleicht doch VR46?

Die Hoffnung im Rossi-Camp scheint jedenfalls zu leben. "Acosta? Ich liebe ihn und seinen Fahrstil. Wenn es eine Chance gibt, warum nicht?", kommentierte 'Uccio' am Rande des VR46-Launches vielsagend und Teammanager Pablo Nieto meinte bereits im Dezember gegenüber 'Crash.net': "Es wäre ein Traum, Pedro in unserem Team zu haben. Wir sind offen für ihn - wie für alle schnellen Fahrer." Doch wie realistisch ist ein Wechsel zu VR46 wirklich? "Das ist eine Option für uns", gab Acosta-Manager Albert Valera am Donnerstag im Interview mit 'Motorsport.com' an. Schon im Folgesatz machte er aber deutlich: "Unser primäres Ziel ist es, in einem Werksteam zu fahren. Egal, ob Ducati oder anderswo."

Es müsste also schon einiges zusammenkommen, dass Acosta 2027 wirklich bei VR46 Racing landet. Deutlich bessere Chancen könnte die Rossi-Truppe da vielleicht bei einem anderen, zweifellos schnellen und hochtalentierten Fahrer haben: David Alonso. Der in Madrid geborene Sohn einer Kolumbianerin ist aktuell wohl das größte Nachwuchstalent der Motorrad-Weltmeisterschaft und einer der beiden Topfavoriten auf den Moto2-Titel 2026 neben Teamkollege Daniel Holgado. Entwickelt er sich wie zu erwarten, scheint der MotoGP-Aufstieg 2027 die logische Folge. KTM wäre dann erster Ansprechpartner, aber auch für VR46 könnte eine Tür aufgehen. Die Nummer 80 gilt als Fan von Rossi, imitierte 2024 auf Phillip Island einen seiner ikonischen Jubel. Und auch Rossi scheint den Aspar-Piloten sehr zu schätzen, ließ ihm Ende 2024 eine private Botschaft zukommen, nachdem Alonso seinen Siegrekord in der kleinsten WM-Klasse gebrochen hatte. "Ich konnte das nicht glauben, wurde sehr emotional. Hoffentlich sehen wir uns irgendwann und können zusammen feiern", verriet der Youngster seinerzeit. Vielleicht wird ab 2027 ja nicht nur im Club, sondern auch auf der Strecke gemeinsam gefeiert.

David Alonso jubelte 2024 auf Phillip Island im Rossi-Style, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool
David Alonso jubelte 2024 auf Phillip Island im Rossi-Style, Foto: Gold & Goose / Red Bull Content Pool

Nun seid aber ihr gefragt: Was glaubt ihr, welche beiden Fahrer Valentino Rossi 2027 in seinem Line-Up sieht? Und welche Piloten würdet ihr holen, wenn ihr VR46-Teamchef währt? Sagt es uns in den Kommentaren!