Aprilia will mit dem hochkarätigen Duo aus Marco Bezzecchi und Jorge Martin die Spitze der MotoGP-Saison 2026 aufmischen. Doch die Geschichte des Jahres wird nicht nur auf der Strecke, sondern auch in der sogenannten 'Silly Season' geschrieben. Im Zuge der Teampräsentation in Mailand wurde klar: Auch mit einem starken Motorrad auf der Habenseite muss Noale um seine Fahrer kämpfen.
Aprilias MotoGP-Fahrer werden umworben: "Andere bieten viel Geld!"
Auf die Frage, ob er auch unter dem neuen Reglement von 2027 mit 'Bezz' und dem 'Martinator' antreten werde, konnte Geschäftsführer Massimo Rivola keine Antwort geben: "Ich weiß es nicht. Die Priorität liegt erstmal darauf, ein schnelles Motorrad zu haben." Diese Haltung hat nicht mit mangelndem Interesse an einer Verlängerung zu tun: "Natürlich wäre es schön, wenn wir mit ihnen weitermachen können."
Vielmehr wird der MotoGP-Fahrermarkt zu einem Haifischbecken. Die Ausgangslage ist so offen wie wohl selten zuvor. Gerade einmal drei der 22 Stammpiloten haben einen Vertrag. Um die besten Piloten gibt es ein Hauen und Stechen der fünf Hersteller. Diese haben oft einige Millionen an Argumenten im Petto. Aprilia kann als kleinstes Werk in diesem Zusammenhang nicht mithalten mit gigantischen Unternehmen wie etwa Honda.
Massimo Rivola gibt offen zu, dass seine Fahrer umworben sind: "Ehrlicherweise würde ich es vorziehen, mir dabei [bei der Fahrerwahl für 2027, Anm. d. Red] Zeit zu lassen. Aber vielleicht bin ich dazu gezwungen, frühzeitig zu handeln, denn die anderen gehen schnell vor. Ich weiß, dass sie unseren Fahrern eine Menge Geld anbieten."
Verlängerung von Marco Bezzecchi wird plötzlich ausgewichen
Und so kommt es, dass selbst im Fall von Marco Bezzecchi derzeit noch nichts zu vermelden ist. "Natürlich sieht es bei Marco so aus, als hätten wir eine besondere italienische Geschichte begonnen", weicht Rivola einer direkten Antwort auf eine baldige Verlängerung aus. Ein paar Wochen zuvor hatte er diese noch als Priorität bezeichnet.

Und mit Ausweichmanövern kennt sich auch die andere Seite aus. 'Bezz' selbst lässt sich nicht in die Karten schauen. "Das sind wichtige Fragen, aber letztlich ist das meine ehrliche Antwort: Ich habe noch nicht zu viel darüber nachgedacht, weil ich erstmal das Bike wieder fahren möchte. Das will ich jetzt tun. Die Pause tat mir gut, aber nach einer Weile war mir schon wieder langweilig. Alles wird zu seiner Zeit kommen", meint der Italiener im Bezug auf seinen neuen Vertrag.
Zukunft von Jorge Martin völlig offen: Fahrermarkt lenkt nur vom Comeback ab
Noch undeutlicher ist die Lage aus nachvollziehbaren Gründen bei Jorge Martin. "Mit Jorge haben wir noch gar nicht richtig begonnen. Ich würde ihn jetzt gerne bei 100 Prozent körperlicher Leistungsfähigkeit sehen, denn er war davon weit entfernt. Er ist ein Weltmeister. Es wäre sehr schön, wenn er auch in Zukunft bei uns ist, aber zuerst müssen wir ihm Zeit geben", äußert sich Rivola zum 'Martinator'.
Tatsächlich liegt die Priorität darauf, dass der Spanier nach seinem Horrorjahr voller Verletzungen erstmal wieder sportlich in die Spur findet. "Für uns Fahrer ist es wichtig, richtig damit [mit der Situation am Fahrermarkt, Anm. d. Red.] umzugehen. Es könnte dich ablenken. Momentan fällt mir das aber sehr leicht. Ich konzentriere mich auf mich selbst und das Jahr 2026", meint der Madrilene. Dass er sich für die neue Saison so einiges vorgenommen hat, könnt ihr hier lesen:
Angesichts des Vertragsstreits von 2025 herrschen im Paddock Zweifel daran, ob eine Verlängerung überhaupt gewollt sein wird. Martin bleibt bewusst vage: "Ich glaube nicht, dass ich irgendetwas beweisen muss. Ich muss es einfach für mich tun. Ich möchte wieder [einen Vertrag in der MotoGP, Anm. d. Red.] unterschreiben und das wird der beste Weg sein, dies zu erreichen. Wir werden ja sehen, wie sich die 'Silly Season' entwickelt." In der Gerüchteküche wurde er vor allem mit Honda in Verbindung gebracht.
Ob gewünscht oder nicht: Aprilia braucht Alternativen für 2027
Letztlich ist Aprilia also trotz der zuletzt demonstrierten Konkurrenzfähigkeit gezwungen, sich für den Fall der Fälle nach Alternativen umzusehen. Mit Raul Fernandez und Ai Ogura fahren zwei Kandidaten für eine interne Beförderung bereits bei Kundenteam Trackhouse. Für wen sich Noale außerhalb des eigenen Kaders interessieren könnte, gab beim Launch-Event in Mailand natürlich niemand preis. Mit Fahrern wie Francesco Bagnaia, Fabio Quartararo oder Pedro Acosta sind derzeit absolute Spitzenleute am Markt. Sie alle haben noch keinen Vertrag für 2027 unterschrieben. Doch auch ihnen kann Aprilia zwar sportlichen Erfolg, aber eben keine Abermillionen in Aussicht stellen.
Bei den Topfahrern haben wir den allerbesten nicht aufgezählt. Für Marc Marquez scheint die Verlängerung mit Ducati auf gutem Wege. Alles dazu in unserem Video:



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