Neues Jahr, neues Glück? Darauf dürfte aktuell kein anderer MotoGP-Pilot so sehr hoffen wie Jorge Martin. Die Geschichten seiner Horrorsaison 2025 mit zahlreichen schweren Verletzungen und dem selbst ausgelösten Vertragsstreit sind hinlänglich bekannt. Für den Weltmeister von 2024 gilt es daher umso mehr, nun in alte Erfolgsmuster zurückzufinden. Auch, um die eigene Zukunft nicht zu gefährden. Wahrlich aber keine leichte Aufgabe, wie er am Rande der Aprilia-Teampräsentation in Mailand auch selbst zugab.

Wie schwer es ihm aus mentaler Sicht falle, nach all den Ereignissen des Vorjahres wieder in eine neue MotoGP-Saison zu starten? "Schwer", gab der 'Martinator' offen und ehrlich zu. Er beschrieb: "Das ist mental wirklich hart. Es gibt immer wieder Momente, in denen du zweifelst. Und genau deshalb ist es für mich jetzt so wichtig, dass ich mich wieder bereit und vorbereitet fühle."

Jorge Martin kündigt an: Zum Saisonstart in Thailand bei 100 Prozent

Während die Setup-Arbeit mit der RS-GP über den Winter natürlich ruhen musste und erst in den kommenden Wochen während der Testfahrten in Sepang und Buriram wieder aufgenommen werden kann, konnte Martin in den letzten Wochen und Monaten zumindest den eigenen Körper wieder auf Vordermann bringen. Vollkommen zufrieden sei er zwar noch nicht, lässt aber wissen: "Ich habe über den Winter viel trainiert. Ich denke jetzt, dass ich in Thailand wieder zu 100 Prozent fit sein werde." Frohe Kunde also für alle Fans des Aprilia-Piloten, der im Anschluss gleich noch eine erste Kampfansage hinterherschickte: "Ich bin immer noch voller Hoffnung. Sobald ich mich wieder bereit fühle, wird mich niemand mehr stoppen können!"

Wozu die Aprilia RS-GP im Stande sein kann, zeigte Teamkollege Marco Bezzecchi im Vorjahr eindrucksvoll. Die große Frage lautet nur: Kann auch Martin mit der schwarzen Löwin siegen? Der 27-Jährige scheint keine Zweifel zu haben. "Ich brauche noch etwas Zeit [um das Motorrad richtig kennenzulernen, Anm.]. Aber sobald ich weiß, was ich zwischen meinen Beinen habe, kann ich um Siege kämpfen. Ich bin sehr optimistisch für die neue Saison. Wenn es einen Platz gibt, um Rennen zu gewinnen, dann hier bei Aprilia. Das haben wir letztes Jahr gesehen", unterstrich er.

"Wir kennen sein Talent und seinen Speed. Er muss einfach hundertprozentig fit werden, dann kommt der Rest von allein", zeigte sich auch Racing-CEO Massimo Rivola hoffnungsvoll, endlich den wahren 'Martinator' auf seinem Motorrad zu sehen. Gleichzeitig warnte der Italiener aber auch: "Er muss ruhig bleiben und sich Zeit geben." Genau das könnte aber schwierig werden. Speziell dann, wenn Bezzecchi zum Jahresstart 2026 dort weitermacht, wo er 2025 aufhörte - mit dem Gewinnen. Dann dürfte nämlich auch Martin schnellstmöglich ganz vorne dabei sein wollen. Und dass dies mit fast einjährigem Erfahrungsrückstand möglich ist, muss bezweifelt werden. Dann könnte erneut Martins Leidensfähigkeit gefragt sein.

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Neustart in Jahr zwei: Jorge Martin will schaffen, wofür ihn Aprilia verpflichtete

Was für die Nummer 89 spricht: Auch die Aprilia-Ingenieure haben über den Winter nicht geruht. Die RS-GP des Jahrgangs 2026 kommt mit der neuen Geheim-Aero aus dem Valencia-Test und einigen weiteren Veränderungen daher, etwa im Elektronikbereich. Somit wird sich also auch Bezzecchi erst wieder an das neue Motorrad gewöhnen und seine Leistungen aus der Vorsaison bestätigen müssen. Eine Chance für Martin, den Erfahrungsrückstand zu verringern. Vielleicht aber auch eine Gefahr für Aprilia, die Performance des letztjährigen Saisonendes mit dem alten Bike nicht replizieren zu können? Martin glaubt nicht: "Wir müssen viele Dinge noch verstehen und in den Tests gute Arbeit leisten, aber ich bin überzeugt davon, dass wir eine großartige Saison haben werden. Das Motorrad wird sicher nur besser."

Und genau diese Annahme verleitet den Champion von 2024 zu einer weiteren Kampfansage an die Konkurrenz: "Unser Ziel ist es, um den Titel zu fahren. Dafür wurde ich hierher geholt und jetzt werde ich alles versuchen, um das auch zu schaffen." Als Vorbild soll dabei die Saison 2023 dienen, in der Martin als Vizemeister nur knapp an seinem ersten Titelgewinn in der MotoGP vorbeischrammte: "Ich hatte damals zu Beginn kein gutes Gefühl für das Motorrad und bin nicht gut in die Saison hineingekommen. Aber am Ende war ich in der Lage, großartige Leistungen abzuliefern und um die Weltmeisterschaft zu kämpfen. Ich hoffe, dass ich das dieses Jahr wiederholen kann."

Was glaubt ihr: Sehen wir 2026 tatsächlich wieder einen Jorge Martin, der um die MotoGP-Weltmeisterschaft fahren wird? Sagt uns eure Meinung in den Kommentaren!