Seit seiner Ankunft bei Honda ist Johann Zarco die Speerspitze der Japaner. Zuletzt drehte er mit dem Sieg in Le Mans und dem zweiten Platz in Silverstone so richtig auf. Doch warum ist er seinen Kollegen so deutlich voraus? Ein klarer Vorteil des Franzosen sticht heraus.
Joan Mir: Zarco schafft sich frische Luft im MotoGP-Rennen
"Johann fand frische Luft, während wir in Kämpfe verstrickt waren. Da konnte er ein wenig wegfahren und alles kontrollieren. Am Ende zahlt sich das aus. Er konnte die Pace über das gesamte Rennen konstant halten", erklärt sich Joan Mir den Erfolg Zarcos. Die Honda des Jahrgangs 2025 hat gute Rennpace, aber ihr fehlt die Motorleistung und damit Topspeed für Überholmanöver. Hinter Konkurrenten festzuhängen, fällt mit diesem Bike also noch mehr ins Gewicht. "Wenn du dir ansiehst, welche Rundenzeiten er fährt und welche ich fahre, dann sind die nicht so unterschiedlich. Aber er kann sie in einer anderen Position fahren", meint Mir.

"Beim ersten Rennen [welches nach zwei Runden abgebrochen wurde, Anm. d. Red.] erwischte er einen schlechten Start und fiel zurück. Ich bin mir sicher, das hätte sein Rennen komplett verändert. Du gerätst dann in Zweikämpfe mit den anderen. Genau das ist mir passiert", führt der Ex-Weltmeister weiter aus.
Johann Zarco dankbar für Silverstone-Abbruch: Erst beim zweiten Start in guter Position
Und er scheint damit keineswegs eine Ausrede zu suchen. Zarco selbst bestätigte genau dies nach seinem Podestplatz. "Der zweite Start war sehr wichtig für mich, denn beim ersten Start konnte ich keine Positionen gewinnen und die Reifen begannen zu rutschen. Aber ich wusste, ich müsste das kontrollieren, denn das Rennen würde lang werden. Aber dann beim zweiten Start fand ich eine bessere Linie und gewann Positionen, das war ein Schlüsselmoment", erklärte der LCR-Honda-Pilot.
Sowohl in Le Mans als auch in Silverstone half er sich mit der richtigen Reifenwahl, in eine gute Position zu kommen. Beim Regenrennen in seiner Heimat fuhr er von Anfang an auf Regenreifen und musste nicht mehr zum Bikewechsel kommen. Die Konkurrenten überholte er nicht, sie verschwanden einfach alle in der Box. In Silverstone wählte der Franzose den weichen Vorderreifen, der in der Startphase viel besser auf Temperatur kam als die Mediums. So konnte er sich schnell nach vorne arbeiten und dann die freie Fahrt nutzen. Die Ducatis hingegen erlebten das Gegenteil, mehr dazu hier:
Espargaro erklärt: Zarco meister das Honda-Chattering im Qualifying
Die Podien der letzten beiden Rennen sind so erklärbar, aber auch davor war Zarco seinen Honda-Kollegen stets voraus, wenn auch nicht mit einem derartigen Abstand. "Eine bessere Startposition ist es, was helfen würde", seufzt Mir. Genau diese verschafft sich Zarco regelmäßig. Er ist zwar nicht im Kampf um die Pole-Position, aber immerhin um Reihe zwei oder drei. Von dort aus wird es automatisch unwahrscheinlicher, in den Verkehr zu geraten.
Testfahrer Aleix Espargaro hat eine Erklärung, warum nur Zarco diese Startplätze erreichen kann. "Er ist in der Lage, auch bei viel Chattering zu fahren. Die anderen können das nicht. Das gilt besonders, wenn du mit einem frischen Reifen ans Limit gehen musst. Er kann mit dieser Vibration fahren, ohne sie wirklich zu spüren", gibt er an. Je frischer der Reifen, desto höher der Grip und die Vibrationen auf der Honda. Und desto besser ist Zarco im Vergleich zu den anderen Piloten.

Wie er das macht, darüber rätselten die Honda-Fahrer schon im letzten Jahr. Espargaro ringt er mit seiner Leistung aber höchsten Respekt ab: "Das ist körperlich sehr schwierig, wenn du diese Vibrationen hast. Da willst du an das Gas und das Bike aufrichten und lenkst weniger ein. Er aber kann die Geschwindigkeit am Scheitelpunkt halten. Er fährt auf sehr hohem Niveau." Vermutlich war Silverstone auch nicht das letzte Ausrufezeichen des Veteranen.
Zarcos Leistungen rechtfertigen längst einen Aufstieg ins Honda-Werksteam. Doch dort hin will auch sein Ex-Teamkollege Jorge Martin:



diese MotoGP Nachricht