Nach der Niederlage in Le Mans schien durch einen Dreifachsieg im Sprint von Silverstone wieder alles beim Alten für die MotoGP-Dominatoren von Ducati. Doch nur einen Tag später verschwand die Vormachstellung gleich wieder. Marco Bezzecchi gewann den Großbritannien Grand Prix für Aprilia vor Johann Zarco auf Honda. Außerdem hätte Fabio Quartararos Yamaha ohne sein Defekt-Drama locker gewonnen und so Ducati sogar vom Podium verbannt. Wo kam dieser Einbruch des dominanten Motorrads der Königsklasse her? Die Faktoren in der Analyse von Motorsport-Magazin.com.
Faktor 1: Durchweg falsche Reifenwahl in Ducatis MotoGP-Armada
Auf den wichtigsten Faktor wies der zweitplatzierte Johann Zarco gleich nach dem Rennen hin. "Ich sah, dass die Ducati-Jungs Bedenken wegen der Front hatten. Sie konnten nicht pushen und ich nutzte die Chance, um Plätze gutzumachen", berichtete er von der Startphase. In dieser zeigte sich ein klares Bild: Alle Piloten, die auf den weichen Vorderreifen gesetzt hatten, stürmten nach vorn.
"Für uns mit dem Medium war es am Start schwierig, den Vorderreifen auf Temperatur zu bringen", bestätigte Fabio Di Giannantonio den Franzosen. Damit war er im Ducati-Lager nicht allein, denn alle sechs Fahrer hatten sich für den Medium entschieden. "Es ist immer eine Teamentscheidung, aber ich drängte auf den Medium. Ich hatte Sorgen, dass man mit dem Soft nicht zum Rennende kommt und sich die rechte Flanke auflöst. Also entschied ich mich für den Medium, das war vielleicht nicht die richtige Wahl", begründete Alex Marquez seine Entscheidung.
Die Piloten der Desmosedicis hatten erwartet, in der zweiten Rennhälfte von ihrer Wahl zu profitieren, aber das ging nicht auf. "Der Soft funktionierte perfekt, aber spätestens ab Runde 15 sahen wir die Möglichkeit, dass er eine Menge Graining bekommt und das Einlenken verhindert. Ich denke, das ist Zarco passiert. Aber es war ein Fehler den Medium zu wählen", gestand der Sieger des Sprints im Nachhinein ein. Tatsächlich konnte das Trio aus den Marquez-Brüdern und Morbidelli zum Ende noch auf Zarco aufholen, aber der Honda-Pilot hatte sich in der Startphase einen zu großen Vorsprung herausgefahren. Bezzecchi und Quartararo waren ohnehin völlig außer Reichweite.
Faktor 2: Starker und kalter Wind sorgt für Probleme
Neben der falschen Reifenwahl setzen auch die äußeren Umstände den Ducatis zu. "Mit Sicherheit waren die Bedingungen schwierig mit dem Wind. Außerdem war der kalt, das machte den Druck im Vorderreifen problematisch", gab 'Diggia' an. Normalerweise kämpfen die Piloten mit Überhitzen an der Front, aber hier wurden die Reifen auch aufgrund des Windes zu kalt. Die weiche Mischung ließ sich da besser ins Arbeitsfenster bringen.

Doch sorgte die stramme britische Brise zusätzlich für Instabilität und provozierte dadurch Fehler. Fermin Aldeguer fand sich mehrfach neben der Strecke. Auch Marc Marquez verlor bei einem Ausflug in die Auslaufzone in Copse einige Positionen. "Gestern [im Sprint, Anm. d. Red.] konntest du gut fahren, aber heute waren diese Böen nicht konstant. Das machte es sehr schwierig", kommentierte der WM-Führende. Der Spanier sah im Wind eine Art 'Gleichmacher', wie es sonst dem Regen zugeschrieben wird: "Bei solchen Bedingungen kannst du nicht komplett ans Limit gehen. Und dann haben wir gesehen, dass auch die anderen Hersteller da waren."
Faktor 3: Aprilia-Strecke und Fortschritt der Japaner
Letztlich sollten wir nicht nur über die Probleme bei Ducati, sondern auch über die Stärke der Konkurrenz sprechen. "Aprilia war hier schon immer sehr stark. Hier ist ihnen das erste Podium [im Rennen 2021, Anm. d. Red.] gelungen", weiß Di Giannantonio. Danach gab es weitere Erfolge. 2023 siegte Aleix Espargaro und im Jahr darauf sicherte er sich die Pole-Position. Der schnelle und flüssige Kurs hebt die Stärken der RS-GP in der Kurvenfahrt hervor und bestraft die Schwäche auf der Bremse nicht.
Bei Honda und Yamaha hingegen zeigte sich zuletzt ein allgemeiner Aufwärtstrend. Quartararo holte die dritte Pole-Position in Serie. Zarco sicherte sich das zweite Podium in Folge. Für Marc Marquez ist das kein Zufall: "Sie profitieren von den Concessions, da die Regeln ihnen Verbesserungen [während der Saison, Anm. d. Red.] erlauben. Das wird die Meisterschaft in Zukunft interessanter machen."
Tatsächlich scheint Ducatis Vormachtstellung langsam ein wenig zu bröckeln. "Es war das erste Rennen, seit ich weiß nicht wie lange, wo ohne das Problem bei Fabio [Quartararo] keine Ducati auf dem Podium gewesen wäre. Das gibt uns etwas zu denken", gesteht Francesco Bagnaia. Durch den Defekt des Ride-Height-Devices an der M1 kam Marc Marquez dann doch noch zur Siegerehrung. Das letzte Mal ohne Ducati-Beteiligung fand diese übrigens genau bei jenem ersten Aprilia-Podium vor genau vier Jahren in Silverstone statt. Damals gewann Quartararo (Yamaha) vor Rins (Suzuki) und Espargaro (Aprilia). Seitdem war Ducati in 73 Rennen in Serie auf jedem Podium vertreten.
Was meint ihr: Ist Ducati jetzt häufiger schlagbar oder waren es in Le Mans und Silverstone die außergewöhnlichen Umstände? Sagt es uns in den Kommentaren.



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