Fabio Quartararo erlebte im MotoGP-Rennen in Silverstone ein herzzerreißendes Debakel. Auf dem Weg zum ersten Sieg seit drei Jahren versagte sein Ride-Height-Device in Runde 12. Das Motorrad blieb abgesenkt und so unfahrbar. Der bittere Ausfall sorgte bei Fans und Journalisten für einen erneuten Ausbruch der Ablehnung gegenüber den seit Anfang des Jahrzehnts gebräuchlichen hydraulischen Fahrhilfen, die schon häufig in den letzten Jahren versagten und für Ausfälle sorgten. Die Piloten selbst sehen dieses Thema aber gar nicht so kritisch - mit Ausnahme einer bestimmten Situation.
Fabio Quartararo bezweifelt Device-Verbot vor 2027: Werden es nicht ausbauen
"Es bringt große Vorteile, aber wenn wir sie alle ausbauen, dann wäre das gut", meinte Quartararo nach dem bitteren Ende seiner Galavorstellung, als er zu einem frühzeitigen Verbot der Ride-Height-Devices gefragt wurde. Ab 2027 werden diese im neuen Reglement ohnehin Geschichte sein, das ist beschlossene Sache. Für einen noch früheren Abschied hat er allerdings kaum Hoffnung: "Ich bin nicht derjenige, der die Regeln macht. Wir sind damit schneller. Wir werden es also nicht ausbauen, solange die anderen es benutzen."
Während der Franzose im Frust des Ausfalls eine Abschaffung befürwortete, äußerten sich die anderen MotoGP-Fahrer im Angesicht der hohen Defektanfälligkeit wohl für viele überraschend. "Für mich sind die Devices cool. Ich begann in der MotoGP, als sie bereits da waren. Für mich sind sie in Ordnung", meinte Sieger Marco Bezzecchi. Der Italiener kennt aber auch keine Königsklasse ohne sie, er debütierte erst 2022. Das letzte Mal fuhr er noch in der Moto2 ohne die Fahrhilfe, die das Motorrad absenkt.
Selbst MotoGP-Veteranen wie Marquez und Zarco befürworten Ride-Height-Devices
Doch auch die beiden anderen Fahrer auf dem Podium stimmten ein - und diese kennen noch ältere Zeiten der MotoGP. "Mir gefallen die Devices auch", antwortete Johann Zarco. Er ist von der Technik fasziniert: "Die Devices waren in Sachen Weiterentwicklung sehr interessant. Ich fände es gut, wenn wir sie beibehalten. Man lernt dabei so viel, wie man noch etwas aus dem Motorrad herausholen kann."

Marc Marquez hingegen führt das Argument der Sicherheit an: "Die Devices machen die MotoGP einfacher zu fahren. Ohne sie wäre es deutlich schwieriger." Besonders in Silverstone habe dies geholfen: "Heute war es sehr windig und mit dem Device am Heck wurde das Motorrad etwas stabiler." Die Ablehnung der Öffentlichkeit teilen die Piloten also nicht. Selbst Quartararos Markenkollege Miguel Oliveira sah nur Pech und forderte kein Verbot: "Seit ich erstmals auf der Yamaha saß, hatte ich zum Glück noch nie Probleme mit den Devices. Hoffentlich bleibt das auch so, aber es ist wirklich schade für Fabio. Er hatte es wirklich verdient, aber das ist der Rennsport. Diese Dinge können passieren."
Ausnahme Startvorrichtung: Zarco fordert Verzicht auf heiklen Strecken
Doch es gibt bei der Geschichte eine Ausnahme, bei dem wieder das Thema Sicherheit in den Fokus rückt. Es geht um die Startvorrichtung, Holeshot-Device genannt, mit der die Front abgesenkt wird, um mit niedrigerem Schwerpunkt dem Wheelie beim Losfahren entgegenzuwirken. Beim Start selbst entfaltet das System seine Wirkung, aber problematisch wird es dann beim ersten Bremspunkt.
Es ist eine Diskussion, die bereits in Le Mans aufkam. Denn das Start-Device lässt sich nur mit einem harten Bremsmanöver wieder lösen. Dort gilt es aber erstmal eine schnelle Kurve zu durchfahren. "Nach Le Mans sollten wir als Fahrer vielleicht darüber entscheiden, auf welchen Strecken wir sie am Start benutzen sollten. In Le Mans wäre es eine gute Lösung, wenn wir sie nicht nutzen", forderte Zarco daher eine Absprache der Fahrer im Sinne der Sicherheit.

Sturz von Alex Marquez in Silverstone zeigt Gefahr der Start-Devices
Silverstone ist ebenfalls so ein Kurs. Die erste Kurve ist schnell und verlangt aus dem Stand kein starkes Abbremsen. Viele Fahrer deaktivieren die Vorrichtung daher erst zu Kurve 3 hin. Aber auch das muss nicht immer funktionieren. Marco Bezzecchi verlor im Sprint in der Startphase gewaltig an Positionen, weil er es sogar erst nach der Wellington-Gerade in Kurve 6 mit einem harten Bremsmanöver deaktivieren konnte. Damit wurde der Italiener auch zur fahrenden Schikane für seine Kollegen. Nicht ungefährlich, zumal sich die Devices schon öfter als unzuverlässig herausgestellt haben.

"Du musst wirklich sehr hart Bremsen, um es wieder freizugeben. Der Sturz von Alex [Marquez, beim ersten Start, Anm. d. Red.] hatte auch damit zu tun, weil er so hart bremsen wollte. Das war kritisch auf dem Medium-Reifen. Das wurde gefährlich", warnte Quartararo. Alex Marquez bestätigte ihn und beschrieb seinen Sturz in der ersten Kurve als "Kombination aus Device, Medium-Reifen und zu viel Optimismus".
Verzicht beim Start: Können sich die MotoGP-Fahrer einigen?
Auch der Spanier greift Zarcos Vorschlag auf: "Wir müssen uns das ansehen und dann als Fahrer realistisch einschätzen, wo wir es verbieten sollten. Es ist nicht nötig, es auf allen Strecken zu verbannen." Und er fügte hinzu: "In Le Mans gehört es auf jeden Fall verboten." Eine Sichtweise, der kein Fahrer widersprach, auch nicht die Befürworter der Ride-Height-Devices. "Bei manchen Starts, wie in Le Mans oder auch hier [in Silverstone] in der ersten Kurve, ist es unsicher", bestätigte Marc Marquez.
Zumindest bei den Starts könnte das Thema also schon vor 2027 angegangen werden. Eine Initiative der Fahrer dazu wäre im Sinne der Sicherheit absolut sinnvoll. Im Gegensatz zur GPDA in der Formel 1 haben sie aber immer noch keine Gewerkschaft gegründet, in der ein solcher Verzicht auf die Startvorrichtung wohl leichter zu organisieren wäre. Die Frage ist nun, ob sie wirklich agieren und sich einigen, oder die Bedenken bis zum neuen Reglement im Sande verlaufen.
Was meint ihr? Was haltet ihr davon, dass die MotoGP-Fahrer die Ride-Height-Devices abgesehen vom Start beibehalten wollen? Sagt es uns in den Kommentaren.



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