Die MotoGP erlebte am Sonntag einen völlig verrückten Großbritannien-GP, zu dem auch Alex Marquez massivst beigetragen hatte - allerdings nicht auf die Art und Weiße, wie es sich der WM-Zweite am Samstagabend vorgestellt hatte. Vom Sprintsieg beflügelt hatte er sich zum Favoriten auf den Rennsieg ernannt und Platz eins als klares Ziel ausgegeben. Davon war er jedoch weit entfernt, kam mit sechs Sekunden Rückstand nur als Fünfter über die Linie - und selbst damit musste sich Marquez noch glücklich schätzen, denn eigentlich wäre sein Rennen in Silverstone schon nach wenigen Metern vorbei gewesen.

Von Platz zwei in den Grand Prix gegangen, erwischte die Nummer 73 zunächst den besten Start aller Piloten und übernahm schnell die Führung, doch dann das große Drama. Beim Anbremsen und Einlenken für Kurve eins verlor Marquez die Front seiner Gresini-Ducati und ging zu Boden. Das Rennen schien beendet, der zweite Nuller in Folge protokolliert. Einzig eine Rote Flagge aufgrund der Kollision zwischen Franco Morbidelli und Aleix Espargaro am Ende der ersten Runde verschaffte ihm noch eine zweite Chance. Doch das, was im zweiten Rennen passierte, spielte für Marquez am Sonntag keine große Rolle mehr.

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Alex Marquez tobt: Bin fast in der Mauer gelandet!

"Ich möchte mich heute einmal sehr kritisch über die Sicherheit äußern", begann der einmalige Grand-Prix-Sieger überraschend in seiner Medienrunde, nachdem er zuvor lediglich die beiden Ursachen seinen Sturzes angeführt hatte: Das Ride-Height-Device und eine zu große Portion Optimismus. Warum Marquez so sauer war? "Als ich gestürzt bin, war da an dieser Stelle kein Kiesbett in der Nähe. Mir wäre beinahe das Gleiche passiert wie [Carlos] Tatay", schäumte er.

Was der 29-Jährige aus Cervera damit meinte? Bei einem Rennen der Moto2-Europameisterschaft im Juli 2023 war Carlos Tatay in Portimao ebenfalls in der ersten Kurve schwer zu Sturz gekommen. Er krachte mit hoher Geschwindigkeit in die Streckenbegrenzung und erlitt eine eine komplette Querschnittslähmung, sitzt seither im Rollstuhl. "Ich kam der Wand viel zu nahe. Mein Motorrad ist eingeschlagen, ich nicht. Aber mir haben nur 15 Meter gefehlt", gab Marquez zu bedenken.

"Wir müssen solche Vorfälle vermeiden und das unbedingt überprüfen. Da müssen sie [die Sicherheitsverantwortlichen der MotoGP, Anm.] einfach etwas wacher sein. Wir müssen agieren, bevor Dinge passieren und nicht, nachdem sie passiert sind", lautet die klare Ansage des Gresini-Piloten. "Das macht mich wirklich sauer."

MotoGP-Sturz als Warnung - Alex Marquez: Hatte heute großes Glück!

Es ist nicht der erste glimpflich ausgegangene Vorfall in der ersten Kurve des Silverstone Circuits in den letzten Jahren. Formel-1-Fans werden sich nur zu gut daran erinnern, wie Guanyu Zhou beim Grand Prix 2022 infolge einer Kettenreaktion beim Rennstart plötzlich kopfüber in den Fangzaun donnerte. Ob ihm die Auslaufzone daher Sorgen bereite? "Ich sage nicht, dass es zu viel Auslauf gibt, aber der Kies befindet sich einfach nicht an der Stelle, wo er sein sollte. Er ist nicht da, wo wir stürzen können", meint Marquez und warnt: "Ich hatte heute großes Glück, dass mir das beim Start passiert ist. Wäre das während einer fliegenden Runde gewesen, wäre ich in der Mauer gelandet. Das ist sehr glücklich für mich ausgegangen."

Deutlich weniger Glück hatte am Sonntag Fabio Quartararo. Der Yamaha-Star verlor einen sichergeglaubten Sieg und war im Anschluss am Boden zerstört: