Seit einem Sturz im Rahmen der Moto2-Europameisterschaft im Juli 2023 ist Carlos Tatay auf einen Rollstuhl angewiesen. Der heute 21-Jährige meisterte diese Herausforderung zunächst mit unglaublicher Positivität und Motivation. Mittlerweile ist die Stimmung beim ehemaligen Moto3-Podestfahrer und Polesitter aber gekippt.
Carlos Tatay im Stich gelassen
Und das ist wenig verwunderlich. Seit seinem Unfall in Portimao schieben sich der lokale valencianische, der spanische und der internationale Motorradverband FIM gegenseitig die Verantwortung zu. Da der Unfall im Ausland passiert, war Tatay zu diesem Zeitpunkt über die FIM versichert. Mit seiner Rückkehr in die spanische Heimat hätten allerdings wieder die dortigen Verbände für seine Behandlungskosten aufkommen sollen. Das passierte nur in minimalem Ausmaß, nicht einmal ein eigener Rollstuhl wurde ihm finanziert.
Mittlerweile ist klar: Tatay hat bei seinem Unfall eine komplette Querschnittslähmung erlitten und hätte somit Anspruch auf die Auszahlung einer Invalidenrente durch den Motorradweltverband. Dieser wurde von der FIM aber abgeschmettert, was Tatay mit einer wütenden Videobotschaft auf seinen Social-Media-Kanälen beantwortete.
Schurken! Tatay spricht Klartext
"Die FIM zahlt nur, wenn ich auf dem Sofa liege", beginnt Tatay. "Ja, meine Freunde, hört gut zu. Ich wurde im Krankenhaus von Toledo untersucht. In dem angefertigten Verletzungsbericht wird bestätigt, dass ich eine vollständige und chronische Rückenmarksverletzung und somit eine Behinderung habe. Diese Unterlagen haben wir an die FIM geschickt, damit sie sich um die entsprechende Entschädigung kümmern kann, wenn ein Fahrer eine Behinderung erleidet. Wisst ihr, was mir diese Schurken geantwortet haben? Sie haben mir geantwortet, dass ich keine Behinderung habe. Und dazu haben sie einen Link zu einem Zeitungsartikel beigefügt, in dem steht, dass ich an Rallyes teilnehme. Was hat das damit zu tun?" Tatay hatte in den vergangenen Monaten tatsächlich immer wieder Rallyes bestritten, selbstverständlich aber natürlich in einem eigens umgebauten Buggy.
Besonders die Zornesröte ins Gesicht trieb es Tatay mit Blick auf das vor kurzem stolz enthüllte neue Hauptquartier der FIM im schweizerischen Mies. "Die FIM hat neue Büros gebaut, neue Gebäude. Alles ist neu. Dafür geben sie Geld aus. Aber wenn es um wichtige Dinge geht, tun sie nichts. Der valencianische Verband, der spanische Verband und der internationale Verband sind allesamt Schurken. So behandeln sie uns Piloten. Wir riskieren unser Leben, weil wir denken, dass wir versichert sind, aber das ist Blödsinn. Wir werden bis zum Ende kämpfen. Der Fall Tatay geht in eine neue Runde", beschloss er seine Brandrede und richtete einen Aufruf an die Öffentlichkeit, seine Geschichte weiter zu verbreiten.
Innerhalb eines Tages sammelte Tatay auf Instagram mehr als 33.000 Likes und jede Menge Zuspruch von Motorradprominenz wie Alex Rins, Livio Suppo, Aron Canet, Diogo Moreira, Laia Sanz, Lorenzo Dalla Porta, Eric Granado oder Mattia Casadei. Das scheint nun auch FIM-Präsident Jorge Viegas auf den Plan gerufen zu haben. Er schrieb am Mittwochabend auf X: "An alle, die sich Sorgen um Carlos Tatay machen: Die FIM beschäftigt sich nach wie vor intensiv mit diesem Fall und versucht alles, um ihn zu lösen. Meiner Meinung nach gab es ein simples Missverständnis von Seiten des Versicherungsunternehmens. Carlos wird seine Rente erhalten. Danke!" Wie Tatay später verriet, hat sich Viegas auch bei ihm gemeldet. Der Fall sei damit noch nicht gelöst, aber es sei ein zivilisiertes Gespräch gewesen, dass ihm ein gutes Gefühl gebe, so Tatay.



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