Exakt zwei Wochen ist es her, dass Johann Zarco in Le Mans die Sieglosserie von Honda in der MotoGP beendete. Und nur ein Rennen später hätte beinahe auch der große japanische Widersacher aus Iwata nachgezogen. Denn im Großbritannien-GP von Silverstone führte Fabio Quartararo vom Start weg, lag bereits deutlich vor seinen ersten Verfolgern und schien alles unter Kontrolle zu haben. Es wäre der erste GP-Sieg seit dem Sachsenring 2022 geworden - doch dann kam das große Drama in der 12. von 19 Rennrunden.
Gerade auf das Duell zwischen Jack Miller und Franco Morbidelli um Platz fünf fokussiert, schalteten die TV-Kameras gegen 15:40 Uhr plötzlich auf einen immer langsamer werdenden Quartararo. Zweimal hob er die linke Hand am Ausgang der Copse-Kurve, ehe er einmal hart bremste und in den Esses dann von der Strecke fuhr. Nachdem ihn einige Fahrer passiert hatten, zog er das Tempo nochmal an, stellte seine Yamaha YZR-M1 schließlich aber am Ausgang der letzten Kurve doch an der Boxenmauer ab und gab das Rennen auf.
Defekt am Ride-Height-Device zwingt Fabio Quartararo zur Aufgabe
Was passiert war? Eine Wiederholung klärte schnell auf: Bereits am Ende der Wellington Straight, einer kurzen Geraden zwischen den Kurven fünf und sechs, hatte sich das Ride-Height-Device nicht mehr deaktiviert, das Heck blieb in abgesenkter Position stecken. Quartararo realisierte dies sofort und versuchte bereits vor Kurve sieben mit einem harten Bremsmanöver die Blockade zu lösen, allerdings ebenso wenig mit Erfolg wie bei weiteren Versuchen im Anschluss. Der langersehnte und zum Greifen nahe Rennsieg war futsch.
Bereits während des noch laufenden Rennens zeigten die TV-Kameras Quartararo dann in der Boxengasse, wie er völlig losgelöst in Tränen ausbrach und von seinem besten Kumpel Thomas Maubant getröstet werden musste. "Mein Herz ist gebrochen", sollte er wenig später zu Beginn seiner Medienrunde zu Protokoll geben.
Alles unter Kontrolle: Quartararo kurz vor erstem MotoGP-Sieg seit 2022
Doch blicken wir zunächst nochmal auf den Rennstart. Wie war es überhaupt möglich, dass Quartararo so deutlich führte? 24 Stunden zuvor hatte er im Sprint schließlich noch einen bitteren Rückfall verkraften müssen und sich im Grand Prix wenig Chancen auf Besserung ausgerechnet. "Wenn ich schnell sein wollte, dann wusste ich, wäre die einzige Möglichkeit, einfach wie Hölle zu pushen und genau das habe ich getan", erklärte er seine 'Alles-oder-Nichts'-Herangehensweise im Grand Prix. "Ich habe von der ersten Runde an sehr hart gebremst und versucht, den Hinterreifen nicht zu sehr zu beanspruchen. Das habe ich super hinbekommen."
Knapp fünf Sekunden Vorsprung hatte sich 'El Diablo' nach rund einem Rennviertel somit schon herausgefahren. Und diesen verteidigte er im Anschluss höchst erfolgreich. "In einer Runde hat [Marco] Bezzecchi mir drei oder vier Zehntel abgenommen, aber in der Runde danach konnte ich darauf reagieren. Ich bin richtig gut gefahren, hatte alles unter Kontrolle", fuhr Quartararo fort. Ein Einbruch in der Schlussphase zeichnete sich also nicht ab. Dann allerdings der technische Defekt in Runde zwölf: "Das Device am Heck hat blockiert. Das ist extrem ärgerlich, weil ich mich schon lange nicht mehr so gut gefühlt hatte." Eine genaue Erklärung, warum es zur plötzlichen Blockade gekommen war, konnte der Franzose nicht abliefern. Ausgiebige Untersuchungen der Yamaha-Crew dürfte in den kommenden Stunden oder Tagen mehr Licht ins Dunkel bringen. Quartararo wollte lediglich festhalten: "Wir müssen glücklich mit dem sein, was wir heute gezeigt haben. Wir sind auf einem guten Weg."
Ob ihm die starke Performance vom Sonntag Hoffnung für die Zukunft gebe? "Ja. Das ist, was ich schon letztes Mal gesagt habe…", begann Quartararo und brach anschließend nochmals in Tränen aus. "Tut mir leid", fuhr er nach aufmunterndem Applaus der anwesenden Medienvertreter sichtlich bewegt fort und sprach aus, was am Sonntag wohl viele gedacht hatten: "Natürlich gibt mir das Hoffnung. Aber das ist einfach so scheiße, was heute passiert ist!"
Hättet ihr Fabio Quartararo am Sonntag den Sieg gegönnt? Sagt uns eure Meinung zum Drama um den Yamaha-Piloten in den Kommentaren!



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