Im Qualifying war Marco Bezzecchi noch oben auf. Eine bockstarke Runde ließ ihn WM-Geschichte schreiben, holte er doch als erster Aprilia-Pilot überhaupt in der MotoGP-Ära zwei Pole Positions in Serie. Nach der Galavorstellung vor sechs Tagen in Portimao schien der Favorit für den Sprint in Valencia damit gefunden, zumal Überholen auf dem Circuit Ricardo Tormo ohnehin als äußerst schwierig gilt. Doch den vierten Sprinterfolg der laufenden Saison konnte sich Bezzecchi dann schon nach vier Kurven abschminken, weil er eine katastrophale Startphase hingelegt hatte. Was war da schiefgelaufen?

Ride-Height-Device kaputt: Marco Bezzecchi im Valencia-Sprint mit Defekt

Die simple Antwort: Die Ride-Height-Devices haben (mal wieder) zugeschlagen. "Ich konnte das Front-Device leider nicht deaktivieren", verriet Bezzecchi in seiner Medienrunde. Bis Kurve zwei hatte mit abgesenkter Front fahren müssen, erst danach war die RS-GP in der angedachten Position für Kurvenfahrt. Verhältnismäßig gar nicht so lange, war der Aprilia-Pilot im Silverstone-Sprint Ende Mai doch schonmal sechs Kurven mit deaktiviertem Front-Device gefahren und dabei bis auf P18 zurückgefallen. Doch der Schaden war auch diesmal nach 'nur' zwei Kurven beächtlich.

In Kurve eins noch Seite an Seite mit Alex Marquez, drückte sich in Kurve zwei nämlich auch Pedro Acosta vorbei. "Ich konnte nicht so gut beschleunigen, wie ich das eigentlich wollte. Dadurch habe ich viele Positionen verloren", klagte der Italiener. Von Acosta etwas aus dem Flow gebracht, drückten sich in Kurve vier auch Raul Fernandez und Fabio Quartararo durch, ehe in Kurve fünf auch noch Fabio Di Giannantonio an Bezzecchi vorbeizog. Vor Kurve sechs stand somit nur noch Platz sechs für die Nummer 72 zu Buche.

Eine Aufholjagd wie im Silverstone-Sprint - Bezzecchi wurde damals noch Vierter - war anschließend nicht mehr möglich. Zu schwierig das Überholen in Valencia, zu ebenwürdig die Pace der Kontrahenten. Einzig Quartararo konnte 'Bezz' nochmal zurücküberholen und sich somit zumindest noch Rang fünf sichern. "Natürlich bin ich nach einem solchen Sprint nicht gerade glücklich", berichtete der Mann aus Rimini, konnte dem 13-Runden-Rennen dann aber zumindest noch einen Guten Aspekt abgewinnen: "Die Pace und das Selbstvertrauen sind da. Jetzt müssen wir nur noch analysieren und verstehen, was heute schiefgelaufen ist, damit wir für morgen bereit sind."

In Kurve vier verlor Marco Bezzecchi gleich Plätze an Raul Fernandez und Fabio Quartararo, Foto: MotoGP Press
In Kurve vier verlor Marco Bezzecchi gleich Plätze an Raul Fernandez und Fabio Quartararo, Foto: MotoGP Press

Zweite Chance im Valencia-GP: Marco Bezzecchi will letzten MotoGP-Sieg 2025

Im letzten Grand Prix des Jahres hat Bezzecchi schließlich eine zweite Chance von der Pole Position. Der Sieg ist das erklärte Ziel - und Hoffnung macht dazu erneut ausgerechnet Silverstone-Sprint. Damals holte der Italiener 24 Stunden nach dem Ride-Height-Defekt nämlich seinen ersten Grand-Prix-Erfolg für Aprilia. Wiederholt sich jetzt die Geschichte? "Ich hoffe es", lachte Bezzecchi wenig überraschend.

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An Resultate denken muss er jedenfalls nicht mehr, denn WM-Rang drei wurde auch mit Platz fünf im Valencia-Sprint fixiert. Nun 34 Punkte vor Pedro Acosta und 40 Punkte vor Francesco Bagnaia liegend, kann 'Bezz' im Valencia-GP nicht mehr aus den Top-Drei der Fahrer-WM verdrängt werden. Die Krönung einer starken zweiten Saisonhälfte. "Das ist ein tolles Resultat. Das Team und die Fabrik verdienen das, aber ich freue mich auch sehr für mich selbst", offenbarte Bezzecchi dann doch noch ein Lächeln. "Letztes Jahr hatte ich große Probleme. Jetzt wieder zurück zu sein und kämpfen zu können, ist ein schönes Gefühl. Hoffentlich können wir das morgen mit einem guten Rennen zelebrieren."

Überhaupt nicht nach Feiern zu Mute war am Samstagabend Jack Miller. Der Pramac-Pilot war aufgrund einer Strafe für eine Kollision mit Fermin Aldeguer stinksauer. Er feuerte heftig gegen seinen Kontrahenten und die Stewards: