"Heute war die Marquez-Familie die glücklichste aller Familien" - Obwohl Marc Marquez am Sonntag im Großbritannien-GP nur mit Biegen und Brechen Dritter wurde, wusste der MotoGP-Superstar nach Rennende in seiner Medienrunde sofort, wo er sich zu bedanken, dass er in Silverstone überhaupt noch ins Ziel gekommen war und seine WM-Führung weiter ausbauen konnte: Bei Gott und einer glücklichen Fügung - oder anders gesagt: Bei Franco Morbidelli und Aleix Espargaro.
Eine Kollision der beiden Piloten hatte nämlich dafür gesorgt, dass die MotoGP-Rennleitung um Mike Webb den Großbritannien-GP mittels Roter Flagge unterbrechen mussten - nur Augenblicke nachdem sich Marquez in den S-Kurven in Führung liegend auf den Hosenboden gelegt hatte. Sein Rennen wäre gelaufen gewesen, hätten er und auch Bruder Alex durch den Abbruch nicht eine zweite Chance erhalten.
Aleix Espargaro räumt Franco Morbidelli ab - Stewards: Rennunfall!
Ob die Marquez-Brüder nach ihren Stürzen, die nichts mit der Roten Flagge zu tun hatten, überhaupt nochmal die Möglichkeit bekommen hätten sollen, beim Restart mitzumischen, ist eine Diskussion für sich. Aber auch der Zwischenfall zwischen Franco Morbidelli und Aleix Espargaro sorgte am Sonntag noch für reichlich Gesprächsstoff, obwohl die Stewards ihn eigentlich schnell als Rennunfall abgestempelt hatten und Espargaro die Schuld sogar auf sich genommen hatte. "Franco war außen und ich wollte ihm mehr Platz geben, bin dabei aber gestürzt und leider hat ihn mein Bike dann getroffen. Das tut mir sehr leid", hakte er die Kollision ab.
Morbidelli reichte die Entschuldigung seines Kontrahenten aber offenbar nicht. Denn der VR46-Pilot setzte in seiner Medienrunde zu einer kleinen Wutrede gegen jenen Piloten an, mit dem er in der Vergangenheit schon mehrfach aneinandergeraten war. "Ich bin einfach meine Kurve gefahren und dann ist Aleix - nicht zum ersten Mal - gestürzt während er versucht hat, was auch immer zu machen. Es war genau wie 2020, als er mich in Misano um das zweite Rennen und damit letztlich auch um die Punkte für die Weltmeisterschaft gebracht hat", schäumte er. Espargaro war damals in der ersten Runde bei einem Überversuch gegen Morbidelli gestürzt, der zwar sitzen blieb, dadurch aber ans Ende des Feldes zurückfiel. Der damalige Petronas-Pilot wurde so um ein mögliches Top-4-Ergebnis gebracht. Die zusätzlichen sechs WM-Punkte [Morbidelli wurde noch Neunter, Anm.] hätten ihn am Jahresende aber ehrlicherweise auch nicht mehr zum Weltmeister gemacht, da Joan Mir einen 13-Punkte-Puffer hatte.
Dem 30-Jährigen aus Rom scheint der Vorfall aber heute noch nachzuhängen. "Heute hat er wieder mal alles riskiert, um mich bloß nicht vorbeizulassen und ist dabei wieder einmal gestürzt", wütete Morbidelli weiter und klagte: "Das war ein unschöner Crash für mich, ich habe Schmerzen. Ich weiß nicht, ob vielleicht sogar etwas gebrochen ist." Da das VR46-Team bislang noch keine entsprechenden Neuigkeiten vermeldete kann wohl davon ausgegangen werden, dass dem glücklicherweise nicht der Fall ist.







Aleix Espargaro verteidigt sich: Ich konnte nichts machen!
Bereits unmittelbar nach der Kollision hatten die TV-Kameras Morbidelli und Espargaro auf dem Weg zurück in die Boxengasse im Disput eingefangen. Ob es Spannungen gegeben habe? Espargaro klärte auf: "Er hat zu mir gesagt, dass ich ihn wieder berührt hätte, aber ich habe dann gesagt: 'Nein Franckie. Du musst sehen, dass ich nicht geplant hatte, dich zu berühren und das habe ich auch nicht. Ich bin gestürzt und dann hat dich mein Bike getroffen.' Ich glaube aber nicht, dass er mir in diesem Moment wirklich zuhören wollte."
Im Anschluss teilte der Honda-Wildcard-Starter nochmal eine detailierte Analyse der Kollision mit. "Ich kann ihn verstehen, aber ich konnte eigentlich nichts machen", begann Espargaro seine Ausführungen und erklärte: "Eigentlich wollte ich nicht einmal mit Alex [Rins] oder Franco kämpfen, weil sie schneller als ich waren, ich bin ja nur eine Wildcard. Daher habe ich früher gebremst, um ihnen außen mehr Platz zu geben. Dabei habe ich eben einen Fehler gemacht. Ich bin gestürzt und mein Bike hat sein Hinterrad getroffen. Ich kann seinen Ärger also verstehen, aber ich konnte nichts machen." In seiner Medienrunde auf diese Aussagen angesprochen, meinte Morbidelli abwinkend nur: "Es ist kein großer Deal, er wird in den nächsten Rennen ja nicht mehr hier sein. Vergessen wir das Ganze jetzt also."
Wann und ob Espargaro in der laufenden Saison nochmal als Wildcard-Pilot an den Start gehen wird, ist aktuell noch nicht bekannt. Da Honda mit dem Auftritt in Silverstone bereits alle drei erlaubten Wildcards vor der Sommerpause eingesetzt hat, könnte der Spanier frühstens beim Österreich-GP am Red Bull Ring (15. bis 17. August) wieder an den Start gehen - vorausgesetzt natürlich, er muss zuvor nicht als Ersatzpilot für einen verletzten Stammfahrer ran. Passiert das nicht, werden die beiden Streithähne für mindestens fünf Grand Prixs erstmal nicht mehr aufeinandertreffen.
Könnt ihr Morbidellis Ärger verstehen oder seid ihr eher Team Espargaro? Sagt uns eure Meinung zum Zwischenfall in den Kommentaren!



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