Aleix Espargaro schrieb am Samstag in Katar die Negativ-Schlagzeile schlechthin: Nach einem Überholmanöver von Franco Morbidelli verlor er im 2. Freien Training der MotoGP völlig die Fassung und verpasste seinem Kontrahenten einen Schlag gegen den Helm. Die Stewards reagierten sofort und verhängten eine saftige Strafe von 10.000 Euro, im Hauptrennen am Sonntag musste der Aprilia-Pilot zudem sechs Startplätze nach hinten. Sie sahen in Espargaros Verhalten nicht nur einen Verstoß gegen Artikel 3.3.2.2. des MotoGP-Reglements, sondern auch eine Gefährdung der Interessen des Sports.

Während sich der 33-jährige Katalane am Samstagabend in einer Videobotschaft auf Spanisch entschuldigte, ließ Morbidelli ein paar Stunden zuvor kein gutes Haar an seinem Widersacher und setzte zu einer Wutrede an. Der Vizeweltmeister von 2020 fluchte unter anderem: "Wir haben in seiner Karriere schon oft gesehen, dass er überreagiert. Es gibt mehr Sachen, für die er sich schämen sollte, als Dinge, auf die er stolz sein kann. Aber so ist er nun mal. Ich frage mich, wie er das seinen Kindern erklären will."

Aleix Espargaro schlägt Franco Morbidelli gegen den Helm
Dieser Schlag von Aleix Espargaro in FP2 erhitzt die Gemüter noch immer, Foto: Screenshot/MotoGP

Speziell mit diesem letzten Satz stieß der Yamaha-Pilot wohl auf einen wunden Punkt bei Espargaro, der Vater von Zwillingen ist. Am Sonntag nutzte er seine Medienrunde nach dem Katar Grand Prix, um einen Gegenschlag zu starten. "Zunächst möchte ich nochmal klarstellen, dass ich mich für meine Aktion und für mein Team schäme. Auch wenn ihr nur den letzten Teil der Geschichte gesehen habt, akzeptiere ich, dass ich eine Verantwortung habe", begann der Aprilia-Werksfahrer sein Statement.

Aleix Espargaro: Ist unfair, nur die letzten fünf Sekunden zu bewerten!

"Es war nicht meine Absicht, ihn zu schlagen oder Ähnliches. Ich wollte nur, dass er verschwindet. Aber egal, es war natürlich mein Fehler. Trotzdem finde ich es nicht fair, nur die letzten fünf Sekunden zu bewerten. Franco ist ein Fahrer, der überall und auf jeder Strecke bummelt. Das ist seine Art, er hat Respekt für niemanden. Letztes Wochenende hat er seinen Teamkollegen blockiert und keine Strafe bekommen. Dann war da noch der Vorfall mit Marc [Marquez, Anm.], als er ihn wie einen Hund gerufen hat. Gestern hat er mich dann dreimal blockiert. Ich wollte auf die Strecke zurückkehren, aber er hat es mir nicht erlaubt. Dann habe ich darauf reagiert", rechtfertigte sich Espargaro.

Auf den TV-Bildern war der Vorlauf des Zwischenfalls nicht eindeutig aufzulösen, Morbidelli selbst hatte den Hergang am Samstag noch etwas anders beschrieben: "Ich habe ihn nicht aufgehalten. Alex Marquez ist vor uns gestürzt, es wurden gelbe Flaggen geschwenkt, darum haben Jorge [Martin, Anm.] und ich das Tempo herausgenommen. Ich habe dann versucht ihm zu zeigen, dass er ruhig bleiben soll. Er ist in mich hineingefahren und wurde dann sauer."

Espargaro wiederum beharrte auch mit einem Tag Abstand auf seinem Standpunkt und erklärte gegenüber den versammelten Medienvertretern: "Ich habe sehr schlecht reagiert, aber ich finde es einfach nicht fair, nur die letzten fünf Sekunden zu beurteilen. Was mich allerdings noch viel wütender macht - und das wird hiermit noch nicht beendet sein - ist, wie er in der Presse über meine Familie und meine Kinder gesprochen hat. Ich finde das nicht fair, er hat da eine Grenze überschritten. Ich bin extrem sauer." Die Fortsetzung der Streiterei folgt also wohl kommendes Wochenende in Valencia.