Sieg oder Sturz: Etwas anderes gab es bei Marc Marquez in der neuen MotoGP-Saison bisher nicht. Zumindest bis zum Rennen in Le Mans. Der WM-Führende zeigte eine neue Seite von sich, die der Konkurrenz nur umso mehr die Schweißperlen auf die Stirn treiben sollte.

Jerez-Sturz sorgt für Umdenken bei Marc Marquez

"Ich hielt mich die ganze Zeit im Zaum. Ich wollte einfach so viele Punkte wie möglich sammeln und es nicht übertreiben", berichtete der Spanier, nachdem er 2025 das erste Mal 'nur' als Zweiter die Ziellinie passiert hatte. Im nassen Le Mans war einer einfach nicht mehr realistisch schlagbar: "Als ich auf den Regenreifen war, habe ich kurz gepusht. Ich kam Johann [Zarco] etwas näher, aber acht Sekunden Rückstand waren einfach zu viel. Da 1:45er-Zeiten zu fahren, war zu viel Risiko. Ich fuhr 1:46er und 1:47er und beendete einfach das Rennen."

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So kennen wir den Ducati-Star eigentlich nicht. Da zählte bisher immer der Sieg, auch wenn es zum Sturz führen sollte. Doch beim 32-Jährigen findet seit der Schlappe beim Heimrennen ein Umdenken statt: "Der Fehler in Jerez, hat den Fehler hier [in Le Mans] verhindert. Wenn ich mit einem Sieg aus Jerez ankomme, dann bin ich mir nicht zu 100, aber zu 80 Prozent sicher, dass ich hier stürze. Ich kenne mich. Darüber werde ich weiter nachdenken und werde das in Zukunft verbessern."

Siegen um jeden Preis? Marc Marquez rechnet nun lieber

"Wenn ich 20 Punkte plus 12 vom Sprint hole, dann kann man behaupten, dass es ein gutes Wochenende war", lautet der neue Gedankengang. Ein Marc Marquez, der den Rechenschieber auspackt? Das ist für Bruder Alex Marquez und Teamkollege Francesco Bagnaia ein wohl noch gefährlicherer Gegner. Der Superstar ist bisher ohne Zweifel der schnellste Mann der Saison. Doch nun scheint er auch noch akzeptieren zu können, wenn er ausnahmsweise einmal nicht gewinnen kann oder das Risiko zu hoch ist.

"Das war einer dieser Tage, wo du den Schaden minimieren musst. Bei solchen Bedingungen ist es sehr einfach, dass dir ein kleiner Fehler unterläuft", erklärte die Nummer 93 nach der Regenschlacht von Le Mans. In Austin war ihm genau ein solcher passiert. Einmal zu sehr auf den nassen Kerb gekommen, da waren die Punkte dahin. In Jerez wiederum lief die Startphase nicht nach Plan. Marquez wollte unbedingt nach vorne stürmen, im festen Glauben das auch zu können. Die Folge war der nächste Sturz.

Marc Marquez stürzt bei der Verfolgung von Bagnaia und Quartararo
In Jerez übertrieb es Marc Marquez bei seiner Aufholjagd, Foto: IMAGO / CordonPress

Pace-Vorteil gegen MotoGP-Rivalen ist da, aber: Nicht einfach Punkte vergeuden!

Die neue Denkweise bedeutet aber keineswegs, von einem ausgebremsten Piloten auszugehen. Bei der Frage nach möglichen Stolpersteinen in der Saison wurde dies klar: "Natürlich werden wir ehrlicherweise auf ein paar Strecken kommen, wo ich Probleme haben werde. Aber ich werde nicht zu einem Rennwochenende anreisen, mit dem Gedanken, dass ich mich schwertun werde. Das werde ich dann nach dem Freitag sehen."

Marquez will sich also der Situation anpassen. Ist er schnell genug, dann wird gewonnen. Ist das einmal nicht der Fall, wird das auch akzeptiert. Aber der Katalane ist sich sehr wohl bewusst, dass er in den meisten Fällen der Schnellste ist. Dementsprechend auch die Marschrichtung für die weitere Saison: "Ich habe keine Angst vor irgendeiner Strecke. Sowas [ein schwächeres Wochenende, Anm. d. Red.] wird kommen, aber momentan haben wir einen kleinen Vorsprung. Das Hauptziel muss also sein, diesen Vorteil nicht so wie in Austin und Jerez zu vergeuden."

Ohne die beiden unnötigen Fehler wäre sein Vorsprung in der Fahrer-WM bereits gewaltig. Aber auch so sind es nun immerhin 22 Punkte auf seinen Bruder und deren 51 auf Bagnaia. Wenn er wirklich keine Geschenke mehr verteilen will, so wird das eine noch härtere Aufgabe für seine beiden Titelrivalen.

In Le Mans gab sich Marquez also Sensationssieger Johann Zarco geschlagen. Der Franzose will dahin, wo der Spanier einst dominierte: Ins Werksteam von Honda. Dem könnte nun aber Jorge Martin in die Quere kommen. Mehr dazu lest ihr hier: