Audi hatte sich für den Formel-1-Sonntag in Japan nach einem starken Qualifying viel ausgerechnet. Nach dem Rennen reisten Nico Hülkenberg und Gabriel Bortoleto mit leeren Händen aus Fernost ab. Anders als Mercedes, konnten sich die Ingolstädter von einem katastrophalen Start in den Grand Prix nicht rehabilitieren. Auch das eigentlich perfekte Timing beim Safety Car half nichts. Am Ende verpasste Hülkenberg die Punkte denkbar knapp.
"Mit einem normalen Start sind natürlich Punkte drin, deshalb ist es enttäuschend und frustrierend", konstatiert Nico Hülkenberg nach Platz elf beim Dritten Rennen im Formel-1-Kalender 2026. Den letzten WM-Punkt schnappte sich nur eine Sekunde vor ihm Esteban Ocon. Nachdem in Australien und China jeweils nur ein Audi in der Startaufstellung stand, fuhren diesmal beide regulär vom Grid los.
Nico Hülkenberg war von Startplatz 13 ins Rennen über 52 Runden gegangen, Teamkollege Gabriel Bortoleto sogar von Position neun. Die ersten Sekunden entschieden dann aber schon den gesamten Nachmittag. Nach der Startrunde lagen die beiden Audi-Fahrer auf den Rängen 13 und 19. "Ich hatte offensichtlich einen miesen Start. Ich kenne noch nicht die Details, das müssen wir uns anschauen und mit den Ingenieuren besprechen. Aber das ist natürlich keine gute Sache", so Hülkenberg.
Kein Quick Fix für Audis Formel-1-Startproblem?
In einer Analyse der ersten beiden Rennen zählte Audi schon vor Suzuka zu den großen Verlierern der Starts. "Ich glaube, der Ablauf ist bei allen ziemlich ähnlich. Es gibt nur Teams, die das Auto so entwickelt haben, dass es etwas anders funktioniert, um bessere Starts hinzulegen", erklärt Bortoleto. "Ich denke nicht, dass die Teams gedacht haben, dass der Start so schwierig werden würde. Bei uns ist es bisher furchtbar gelaufen."
Mattia Binotto kündigte an, die im April durch den Entfall der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien entstandene Formel-1-Pause entsprechend nutzen zu wollen, um der Problematik auf den Grund zu gehen. "Das hat für uns oberste Priorität, denn wir hatten ja eine gute Startplätze, aber dann verlieren wir am Start alle Positionen. Jetzt ist es also gut für uns, dass zwei Rennen abgesagt wurden, denn so haben wir als Team nun etwas mehr Zeit, das anzugehen", erklärt der Leiter von Audis Formel-1-Projekt.
Bortoleto sieht aufgrund des großen Rückstands aber keinen Quick Fix: "Ich glaube, wir können uns noch ein wenig verbessern, aber nicht kurzfristig genug, um zum Beispiel an Ferrari heranzukommen. Auch mit den Mercedes wird es meiner Meinung nach sehr schwierig. Ich glaube, wir werden noch ein wenig zu kämpfen haben", sagt der 21-Jährige. Zu kämpfen hatten Hülkenberg und er heute auch im weiteren Rennverlauf.
Nico Hülkenberg gewinnt in Japan das teaminterne Audi-Duell
Im ersten Stint steckten beide in den Untiefen des Mittelfelds fest. Als der schwere Unfall von Oliver Bearman in Runde 22 das Safety Car auf den Plan rief, zählten Bortoleto und Hülkenberg zu den großen Profiteuren. Beide hatten noch nicht gestoppt und lagen auf den Plätzen zehn und elf. Beim Restart war Bortleto immer noch Zehnter, Hülkenberg lag auf P12.
In der zweiten Rennhälfte konnte sich keiner der beiden in Richtung der Punkte orientieren. In Runde 38 übernahm Hülkenberg den zwölften Platz vom Teamkollegen. "Wir haben nicht getauscht, er hat mich einfach überholt. Er hatte mehr Speed und schaffte es, vorbeizukommen. Ich war nie in der Lage, dranzubleiben", so Bortoleto enttäuscht. "In den Kurven war es okay, aber auf den Geraden habe ich einfach etwas mehr gelitten. Ich habe noch keine Ahnung, woran es lag. Wir wussten, dass da ein Problem ist und müssen das jetzt untersuchen, um es für das nächste Rennen in Ordnung zu bringen."
Hülkenberg holte bis zum Ziel immerhin fünf Sekunden auf Esteban Ocon auf, der ihm letztendlich so knapp den WM-Punkt wegschnappte. Das Racing kam ihm in Suzuka allerdings ähnlich befremdlich wie dem Stallgefährten vor. "Es ist ja diese Energie-Sache. In gewisser Weise ist es interessant und macht Spaß, aber gleichzeitig ist es auch seltsam und frustrierend", sagt er. "Du weißt, dass du einen guten Move machst, aber man muss sich seine Kämpfe wirklich gut aussuchen. Es passiert so leicht, dass man zu viel Energie verbraucht, dann stark an Leistung verliert und zur leichten Beute wird. Und manchmal sind die Geschwindigkeitsunterschiede enorm."


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