Am Samstag noch Platz drei im Sprint, am Sonntag Totalausfall – so schnell kann es in der Formel 1 gehen. Carlos Sainz erlebte in Austin ein wahres Rodeo. Im Sprint schaffte er es unversehrt durch das Startchaos, im Grand Prix verursachte er selbst einen Unfall und nahm sich in Runde sechs aus dem Rennen.
Bei dem Versuch, Kimi Antonelli im Kampf um Platz sieben zu überholen, stach er aggressiv in die enge Kurve 15 rein. Seine Reifen blockierten und er traf den Mercedes-Junior am linken Hinterrad. Antonelli konnte weiterfahren, Sainz nicht. Mit einem Reifenschaden und einem kaputten Frontflügel schaffte er es nicht mehr in die Boxengasse und musste seinen FW47 wenige Meter vor der Einfahrt zur Box abstellen.
"Ich hatte eine gute Pace und dadurch viel Selbstvertrauen. Ich habe Ollie [Oliver Bearman, Anm. d. Red.] ein paar Runden vorher genau so überholt. Ich wollte das gleiche bei Antonelli machen, aber er hat mir den Weg früher abgeschnitten, als ich erwartet hatte. Ich habe mich etwas geschreckt, dass er mir nähergekommen ist, und meine Räder haben blockiert", erklärte Sainz die Situation.

Sainz sieht geteilte Schuld, Antonelli widerspricht
"Es sah schlimmer aus, als es tatsächlich war. Es war eine kleine Reifenblockade mit hohen Konsequenzen", relativierte Sainz den Zusammenstoß. Seiner Meinung nach hätten beide keinen guten Job gemacht, um den Unfall zu verhindern. "Bei diesen weiten Scheitelpunkten hier müssen wir beide uns bewusst sein, wie wir gegeneinander kämpfen. Als er in meine Richtung gelenkt hat, habe ich gemerkt, dass er mich nicht sieht. Da war mir klar, dass wir crashen würden", so Sainz.
Kimi Antonelli ist da anderer Ansicht: "Ich habe ihn gesehen. Ich habe sogar versucht, den Scheitelpunkt nicht zu treffen, weil ich ihn gesehen habe. Aber dann haben seine Räder blockiert und ich habe nur gehofft, dass er mich nicht trifft. Es war ein sehr optimistisches Manöver." Der Mercedes-Rookie schaffte es nach dem Unfall nicht mehr unter die Top-10.
Obwohl Sainz durch den Unfall wichtige Punkte verloren gingen, bereut er seine Fahrweise nicht: "Du kannst immer versuchen, auf Nummer sicher zu gehen und Achter zu werden, aber dann wirst du dich immer fragen, was hätte sein können. Deswegen machst du solche Manöver immer. Manchmal funktioniert es, manchmal nicht."
Bei Oliver Bearman verlief das Überholen an der gleichen Stelle schließlich problemlos. Antonelli verteidigte sich hingegen aggressiver. Dass es nicht immer perfekt läuft, gehöre zur Formel 1. "Dieser Sport ist eine Balance zwischen auf Nummer sicher gehen und P8 holen und etwas mehr riskieren und es auf P7 oder P6 zu schaffen. Heute hat das nicht funktioniert", zeigt sich Sainz abgeklärt. Für das Verursachen einer Kollision bekam er eine 10-Sekunden-Strafe und zwei Strafpunkte aufgebrummt. Da er die im Rennen nicht absitzen konnte, wird er beim Mexiko Grand Prix um fünf Plätze nach hinten versetzt.
Alex Albon crashte schon in Runde 1
Auch beim zweiten Williams-Piloten gab es Krach auf dem Circuit of the Americas. Nach einer gestrichenen Rundenzeit im Qualifying startete Alex Albon von Platz 18 als einer der wenigen mit den harten Reifen. In Kurve 12 kam es zur Berührung zwischen ihm und Gabriel Bortoletos Hinterrad. Albon drehte sich über die Strecke, konnte aber ohne Schaden weiterfahren. Nur seine Reifen waren in Mitleidenschaft gezogen worden.
Albon sieht weder sich noch den Sauber-Pilot in der Schuld: "Es erinnerte mich ein bisschen an den Unfall in Kurve eins im Sprint, mit dem Zurückstechen. Es ist ein bisschen ungeschickt, aber so etwas passiert. Es hat nicht viel an meinem Rennen geändert." Seine abgefahrenen Hard-Reifen tauschte er in Runde sieben gegen neue Medium-Pneus ein. Als einziger Zwei-Stopper musste er daraufhin viel Zeit gutmachen.

Schlussendlich wurde es Platz vierzehn. Denn der Williams hatte die nötige Pace und funktionierte an und für sich gut in Austin. Die Umstände verhinderten ein besseres Ergebnis: "Es kann kein gutes Rennen werden, wenn du von P18 startest, einen Dreher hast und einen extra Boxenstopp einlegst", so Albon, der das ganze Wochenende seinen Rhythmus nicht fand. Um Platz fünf in der Konstrukteurswertung zu halten, reichten die insgesamt neun Punkte aus dem Sprint allemal. Mit 39 Punkten Vorsprung auf ihren ersten Verfolger ist Williams fünf Rennen vor Saisonende in einer komfortablen Position.
Auch Oliver Bearman crashte beinahe in Yuki Tsunoda. Warum er nach dem Rennen vor Wut schäumte und kein gutes Haar am Red-Bull-Piloten ließ, erfahrt ihr hier:



diese Formel 1 Nachricht