Beim Formel-1-Rennen auf dem Circuit of the Americas fuhr Oliver Bearman zum zweiten Mal in Folge in die Punkteränge. Nach einem ärgerlichen Sprint, bei dem er wegen einer 10-Sekunden-Strafe ans Ende des Klassements zurückgeworfen wurde, konnte sein rundum erneuerter Haas im Grand Prix überzeugen. Doch nach dem Rennen ist der Rookie alles andere als zufrieden mit seinem neunten Platz: Er fühlt sich betrogen.

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Denn das Resultat hätte besser sein können. "Ich bin enttäuscht. Wir hatten mehr Potenzial. Ich glaube nicht, dass P7 unrealistisch war", ärgerte sich Bearman. Doch seine Wut gilt nicht ihm selbst oder seinem Team, sondern Yuki Tsunoda. Der Red-Bull-Fahrer legte einen starken Start hin und überholte Bearman in Runde drei. Daraufhin hatte der Haas-Pilot viel Zeit, um sich mit dem Heck des RB21 vertraut zu machen.

In Runde 35 setzte Bearman mehrmals zum Überholmanöver an. In der engen Kurve 15 roch er seine beste Chance und wollte innen reinstechen. Doch Tsunoda machte die Tür zu. Bearman musste auf den erdigen Teil neben der Strecke ausweichen, verlor Traktion sowie das Heck seines Autos und drehte sich über den Asphalt.

Oliver Bearman und Yuki Tsunoda auf dem Circuit of the Americas
Oliver Bearman wirbelte bei seinem Ausweichmanöver viel Staub auf, Foto: IMAGO / DeFodi Images

Schaden an seinem VF-25 entstand keiner, nur seine Soft-Reifen waren schmutzig. Dass er sich wenige Kurven später Nico Hülkenberg geschlagen geben musste, schmerzte den Rookie: "Ich bin durch den Dreck gefahren und hatte keine Batterie mehr, weil ich Yuki attackiert habe. Ohne den Vorfall hätte ich sicher P8 oder P7 geholt, denn ich hatte mehr Pace als Yuki."

Oliver Bearman: Tsunodas Verhalten kein Vorbild für Kinder

Für Bearman ging Tsunodas Verteidigung zu weit. Schon am Funk warf er dem Japaner vor, sich in der Bremszone bewegt zu haben. Nach dem Rennen wurde sein Ton schroffer: "Was er gemacht hat, war ziemlich gefährlich. So passieren viele Unfälle, das haben wir in der Vergangenheit oft gesehen. Das ist nicht die Art, wie wir rennfahren sollten, und es ist auch nicht das Bild, das wir Kindern in Karts vermitteln sollten. So verhalten wir uns nicht im Rennen."

"Er ist in den letzten Runden schon hin- und hergefahren", erklärte der Rookie die Situation aus seiner Sicht. "Als ich dann endlich zum Manöver ansetzen konnte, hat er reagiert und sich bewegt. Er hat in der Bremszone nach links gezogen. Die Lücke war da, als ich mich für meine Linie entschieden habe, und sie war weg, als ich nähergekommen bin. Er hat keinen Platz gelassen und das ist unfair."

Seine Linie in der Bremszone zu ändern ("Moving under Braking") ist laut den Driving-Standards der FIA verboten, aber erst einmal wurde dafür eine Strafe vergeben (+5 Sekunden, Sebastian Vettel, Mexiko 2016). Die Beurteilung, ob sich jemand in der Bremszone bewegt, unterliegt der subjektiven Einschätzung der Rennkommissare. Den Vorfall zwischen Bearman und Tsunoda sahen sich die Stewards gar nicht an. Ein Fehler in den Regularien, ist der Haas-Pilot überzeugt: "So etwas sollte nicht erlaubt sein. Vielleicht ist es eine Grauzone in den Regeln, aber es ist nicht fair."

Bearman über Tsunodas Fahrstil: "Dumm und verzweifelt"

Die ungewöhnliche Charakteristik der fast 45-Grad-Kehre lässt Bearman nicht als Entschuldigung gelten, denn Tsunodas Manöver soll nicht einmalig gewesen sein. "Ja, es ist keine gerade Kurveneinfahrt. Aber er hat sich auch schon in Kurve 12 und 13 so bewegt, also kann er sich damit nicht herausreden", blieb Bearman gnadenlos. Die Sache mit Tsunoda ausreden, will Bearman nicht: "Ich glaube nicht, dass er sich ändern wird." Tsunoda selbst wurde nach dem Großen Preis der USA nicht zu der Thematik befragt und konnte sich nicht gegen die Anschuldigungen verteidigen.

Bearman machte nicht nur seiner Wut über ein Manöver Luft, sondern kritisierte auch das gesamte USA-Wochenende des Japaners. "Im Sprint ist er aggressiv in Kurve eins hineingestochen und in sein Schwestern-Auto [Isack Hadjar, Anm. d. Red.] gefahren. Im Hauptrennen hat er das Gleiche gemacht. Mir kommt es vor, als würde er ein bisschen verzweifelt fahren", so Bearman.

Auch bei Tsunodas Defensive gegen Charles Leclerc ließ er kein gutes Haar. Der Ferrari-Pilot arbeitete sich nach seinem Boxenstopp durch das Feld und traf dabei auch auf Bearman und Tsunoda. Während der Haas-Pilot ihn ohne Kampf passieren ließ, verteidigte der Japaner seine Position für ein paar Kurven. Nicht klug, wie Bearman meint: "Warum verteidigst du gegen ihn? Er ist nicht dein direkter Gegner. Er [Tsunoda] denkt nicht voraus. Das ist dummes Fahren, meiner Meinung nach." Es scheint wohl, als hätte sich Tsunoda einen neuen Feind im Fahrerlager gemacht.