1. Wofür wurde Red Bull bestraft?

50.000 Euro Strafe kassierte Red Bull in Austin, 25.000 davon auf Bewährung. Die ganze Angelegenheit mutete von Beginn an seltsam an: Teampersonal war nach Beginn der Einführungsrunde noch einmal in den vorderen Torbereich der Startaufstellung gegangen. Das ist natürlich absolut verboten.

Sobald die Einführungsrunde läuft, werden diese Tore von den Boxen-Marshals geschlossen. Denen dabei im Weg zu stehen darf nicht sein. Die Marshals berichteten, sie hätten den Red-Bull-Mann versucht darauf hinzuweisen. Red Bull behauptete, es sei ein "Missverständnis" passiert. Die Stewards sahen die Logik dahinter nicht: Dass dieser Bereich zu diesem Zeitpunkt tabu ist, muss jeder im Fahrerlager wissen. Daraus ergibt sich infolgedessen eine mehr als offensichtliche Frage:

2. Was wollte der Red-Bull-Mann dort tun?

Spät am Abend sickerten in Austin die Hintergründe durch. McLaren klebt schon lange Klebeband als Markierung auf den Wänden neben dem Startplatz, um dem Fahrer dabei zu helfen, sich korrekt - sprich nicht zu weit vorn - in die Startbox zu stellen. Die tatsächlichen Grid-Markierungen sind aus dem Cockpit eines Formel-1-Autos bekanntlich schwer zu sehen. Das liegt quasi außerhalb jedes Reglements. Es steht also anderen Teams frei, den Streifen auch wieder zu entfernen - solche Spielchen zwischen WM-Rivalen sind in der Formel 1 bei weitem keine Seltenheit.

Die Stelle des Klebestreifens an der Boxenmauer in Austin
Die Stelle des Klebebandes am Tor der Boxenmauer von Austin, Foto: Motorsport-Magazin.com
Die Stelle des Klebestreifens an der Boxenmauer in Austin
Die Spuren aus der Nähe, Foto: Motorsport-Magazin.com

Red Bull soll es auch schon bei vorangegangenen Rennen versucht haben, und es soll klare Beweise für den Ablösversuch geben. Offenbar war der Streifen in Austin nur robuster. Und klebte eben in einem Torbereich. Wie gesagt, das Ablösen allein ist nicht illegal. Aber sich dabei in einem Torbereich aufzuhalten, den Boxen-Marshals versuchen zu räumen, darf absolut nicht sein.

3. Litt McLaren unter den Folgen des Sprint-Startunfalls?

Schon am Samstagabend hatte McLaren-Teamchef Andrea Stella darauf hingewiesen, dass der doppelte Ausfall nach dem Startunfall im Sprint ein teurer für McLaren sein könnte. Weil nun die Daten fehlten, um das Auto optimal abzustimmen. Nach dem Rennen bestätigte er noch einmal: "Es geht um die Bodenfreiheit und darum, das voll auszunutzen, was erlaubt ist. Auf einer Strecke wie CotA, von der wir wissen, dass es andere Teams da schon erwischt hat, ist es sehr schwierig, die letzten Millimeter, ohne die Referenz von echten Runden festzulegen. Simulationen helfen dir nur bis zu einem Punkt."

4. Warum war Oscar Piastri so langsam?

Im Rennen vollendete Oscar Piastri sein enttäuschendes Austin-Wochenende. In jeder Session war er mehrere Zehntel langsamer als Lando Norris. "Wir überprüfen jetzt noch alles, Setup, Unterboden, ob alles beim Auto lief wie es sollte", versichert Stella. Bislang gab es aber keine Anzeichen dafür. Wohl ist es ein Fahrer-Problem. Bei dem man am Wochenende aber zumindest im Verständnis schon Fortschritte gemacht hat.

"Was wir von Oscar Wissen, ist, dass er bei Verbesserungspotenzial hat bei Bedingungen mit wenig Grip, wo du das Auto fordern musst und an der Grenze zu Untersteuern, Übersteuern, Verbremsern fahren musst." Im Gegenzug ist Norris bei Rennen mit wenig Grip und hohem Reifenverschleiß oft besonders gut. So auch in Austin.

5. Kostete Charles Leclerc McLaren eine Sieg-Chance?

Norris war zwar deutlich schneller als Piastri, aber am Start verlor er seinen zweiten Platz in der ersten Kurve erst einmal an Charles Leclerc. Und infolgedessen verbrachte er 36 der 56 Runden im Heck des Ferrari, der mit Soft-Medium eine alternative Strategie fuhr. Das zwang Norris gar zweimal dazu, Leclerc auf der Strecke zu überholen. "Ohne den Kampf mit Charles hatte Lando die Pace für den Sieg", vermutet Andrea Stella.

Aber der McLaren war, auch wegen des Sprint-Malheurs, nicht außergewöhnlich schnell. So steckte Norris viel zu lang hinter Leclerc fest. Wäre er von Anfang an hinter Max Verstappen gewesen, dann wäre womöglich mehr gegangen. Aber von einem Sieg geht McLaren deswegen noch lange nicht aus: "Natürlich hätte er die Position auf der Strecke holen müssen, was mit Max nie einfach ist, und mit einer Ein-Stopp-Strategie gab es nicht unbedingt viele strategische Chancen."

6. Was kam bei der Ermittlung gegen Carlos Sainz heraus?

Schon in der Frühphase des Rennens räumte Carlos Sainz in Kurve 15 Kimi Antonelli aus dem Weg, als er sich von viel zu weit hinten kommend bei einem Angriff verbremste. Sainz musste seinen Williams wenige Meter später schon abstellen, daher verschoben die Stewards die Anhörung auf nach dem Rennen. Ergebnis: Sainz ist Alleinschuldiger, und da die 10-Sekunden-Strafe wegen des Ausfalls nicht mehr geht, wird sie in 5 Strafplätze für Mexiko umgewandelt. Zwei Strafpunkte sind sowieso dabei im Paket.

7. Missachtete Franco Colapinto eine Alpine-Stallorder?

Der Kampf um die letzten Plätze wurde in Austin noch einmal ein kleines Spektakel, als die Regie kurz vor Schluss einen Funkspruch von Alpine einspielte: Franco Colapinto wurde aufgefordert, Pierre Gasly nicht anzugreifen. Der Argentinier setzte sich schnurstracks darüber hinweg und bremste sich vorbei auf P17. Nach dem Rennen verteidigt er sich, in dem er auf den herannahenden Sauber von Gabriel Bortoleto verwies: "Ich wollte ihn hinter uns beiden lassen."

Das Team ist nicht beeindruckt. "Wir hatten Benzin zu managen sowie die zusätzliche Variable der Überrundungen durch die Führenden", ärgert sich Teamchef Steve Nielsen. "Jede Anweisung der Boxenmauer ist endgültig, und heute sind wir enttäuscht, dass das nicht passiert ist. Das werden wir untersuchen und intern abhandeln."

8. Was passierte auf der letzten Runde bei Lewis Hamilton?

Direkt im Anschluss an das Alpine-Drama schien sich aus dem Nichts noch ein Drama anzubahnen: Plötzlich brach Lewis Hamilton auf der letzten Runde massiv ein. Aus 5 Sekunden Vorsprung au Piastri in Runde 55 wurde eine Sekunde im Ziel. "Fühlte sich an, als hätte ich in der ersten Kurve etwas getroffen, und dann hatte ich massives Untersteuern", erklärt Hamilton nach dem Rennen. "Ich bremste für Kurve 11, das Ding verzögerte nicht, und ich dachte nur: Was ist da los? Als ob der Frontflügel kaputt wäre oder so." Eine klare Antwort hat er aber noch nicht.