Das große Nürburgring-Abenteuer von Max Verstappen ist zumindest für den Rest von 2025 vorbei. So viel stellt der vierfache F1-Weltmeister am Donnerstag vor dem nächsten Formel-1-Rennen in Singapur klar. Die Erfahrung war aber sensationell, ein Comeback steht außer Frage. Nur woher die Zeit nehmen?
"Es hat viel Spaß gemacht!", überrascht Verstappen bei seiner Reflektion zu seinem Ausflug in die Nürburgring Langstrecken-Serie sicher nicht. Zwischen Monza und Baku hatte er in einem Porsche Cayman GT4 ein Rennen gefahren, um sich die Starterlaubnis für stärkere Autos zu sichern, und am Wochenende vor Singapur dann sein Debüt im Ferrari 296 GT3 folgen lassen. In dem holte er zusammen mit seinem Simracing-Kollegen Chris Lulham einen beeindruckenden Debütsieg:
"Ich hatte mich natürlich einige Zeit darauf vorbereitet, und es waren einfach zwei tolle Tage", meint Verstappen. "Bisschen im Nassen, bisschen im Trockenen. Einfach mehr Erfahrung sammeln, und dann natürlich gewinnen." Auf dem kleineren, gemütlicheren NLS-Podium wurden Erinnerungen an Kart- und Juniorformel-Zeiten wach: "Bevor ich in die Formel 1 gekommen bin. Ist das gleiche Ding, oder?"
"Die ganzen Leute, alle Fahrer waren super nett", hat Verstappen die ganze Angelegenheit einfach nur genossen. "Wir hatten viel Spaß. Da waren natürlich auch viele Fans unter dem Podium, rund um die Garage, auf dem Grid vor dem Rennen. Toll, diese Leidenschaft zu sehen, die deutschen Fans, die Motorsport-Fans, die sind sowieso immer für diese Langstreckenrennen da. Das habe ich schon davor gesehen. Ich bin einfach nur happy, dass sie uns unterstützt haben."
Keine Frage also - wir werden Verstappen wieder auf der Nordschleife sehen. Auch beim letzten NLS-Lauf in einer Woche? Schließlich wäre der Saisonabschluss der Serie an einem F1-freien Wochenende. "Das mache ich nicht!", winkt Verstappen ab. "Ich mache eine kleine Pause. Nach diesem Wochenende bin ich sechs in Serie gefahren. Das ist schon ordentlich." Andere Fahrer verblassen trotzdem schon vor Neid:
Viel unklar für Max Verstappens 24h-Plan: F1-Stress? Und welches Auto?
Damit verschieben sich die Nordschleifen-Planungen weiter auf 2026. Auch der Sieg ändert hier nichts an Verstappens vorsichtigem Herangehen. Er will keine fixen Ansagen treffen, etwa für einen Start beim 24-Stunden-Rennen: "Natürlich wollen wir wiederkommen, aber momentan weiß ich einfach selbst nicht, ob und wie viele Rennen ich nächstes Jahr fahren kann."
Das neue Technische Reglement der Formel 1 könnte ihm ein zu großes Arbeitspensum aufbürden: "Es wird ein komplizierter Start mit vielen Ungewissheiten, wohl etwas hektischer, als wenn die Regeln gleichbleiben." Und Verstappen ist bekanntlich keiner, für den es akzeptabel ist, einfach mal am Samstagmorgen am Nürburgring aufzutauchen und zum Spaß mitzufahren. Wenn er ein Rennen fährt, dann auf Sieg, und daher mit anständiger Vorbereitung.
Schon am letzten Samstag hatte er nach seinem Sieg verkündet: Vor einem 24h-Start hätte er gerne weitere NLS-Rennen, um mehr Erfahrung zu sammeln. Ohnehin sind Gaststarts auf der Nordschleife bloß der sekundäre Aspekt seines GT3-Programmes. Primär ist Verstappen.com Racing ein Rennteam, das Verstappen managt, aber für das andere fahren. Dieses Jahr etwa Chris Lulham, und der Sohn seines Managers, Thierry Vermeulen, zu einem Klassentitel in der GT World Challenge. Vermeulen startete weiters in der DTM.

"Es geht auch einmal darum, sicherzustellen, dass mit dem GT3-Team alles läuft", unterstreicht Verstappen da. "Und welchen Hersteller wir im GT3-Team einsetzen." Das Team setzte dieses Jahr auf eine Kombination aus Ferrari und Aston Martin. Beim NLS-Gaststart fuhr Verstappen im Ferrari. Spielt hier nun für 2026 womöglich eine Rolle, dass Ford in der Formel 1 offizieller Werkspartner von Red Bull wird?
So beziffert Max Verstappen seine WM-Chancen 2025
Letztendlich steht fest, dass Verstappen bei aller Liebe zur Nordschleife sie nicht über die Formel 1 stellen wird: "F1 ist immer noch mein Hauptziel." 2025 tat er sich leichter, die Ausflüge zu rechtfertigen, weil er in der WM schon so weit zurückliegt. Auch wenn er nach zwei Siegen seinen Rückstand auf 69 Punkte verkürzt hat.
"69 sind immer noch sehr viel", winkt Verstappen ab. "Besonders wenn du dir die Saison anschaust. McLaren war unglaublich dominant. Das ändert sich nicht plötzlich. Momentan mache ich mir keinen großen Stress. Ich habe einfach Spaß in der F1, und außerhalb davon."
Singapur mag hier für die letzten Wochen nun richtungsweisend werden, da es nach zwei Low-Downforce-Kursen mit wenig Reifenverschleiß jetzt hier wieder in ein High-Downforce-Hitzerennen geht. Die Paradedisziplin von McLaren. Die Updates und Setup-Fortschritte bei Red Bull in den letzten Wochen müssen sich da jetzt beweisen. Besser als das Desaster von Ungarn wird es werden, denkt Verstappen, aber: "Ich weiß nicht, ob unser Auto in dieser Konfiguration das beste ist."
So ignoriert Verstappen die Außenseiter-Chance auf den WM-Titel völlig: "Wenn wir ein paar mehr Rennen gewinnen, wäre das gut. Wenn wir die WM nicht holen, dann ist es eben so." Seine verbleibenden WM-Chancen beziffert er mit Humor: "50 Prozent. Entweder ich gewinne, oder ich gewinne nicht."



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