Der Marina Bay Street Circuit gilt als einer der anspruchsvollsten Kurse im Formel 1-Rennkalender - technisch, uneben und geprägt von engen Kurven. Der Siegerchampagner ist hier besonders hart verdient. Max Verstappen stand zwar schon dreimal in Singapur auf dem Podium, gewonnen hat er den Flutlicht-Grand-Prix jedoch noch nie. Kein Sieg, keine Pole Position, keine schnellste Rennrunde. Für Verstappen, der in den vergangenen Jahren einen Rekord nach dem anderen brach, eine bittere Pille.

Der Singapur GP könnte im aktuellen Titelkampf 2025 zum entscheidenden Gradmesser werden. In der Vergangenheit war der Marina Bay Street Circuit eine Strecke, die der Charakteristik des Red Bull-Autos nicht entgegenkam. Doch das funktionierende Update-Paket am RB21 macht Hoffnungen. Verstappen triumphierte sowohl in Monza als auch in Baku – beides keine Red-Bull-Paradestrecken. "Wir gehen Schritt für Schritt, um unser Auto besser zu verstehen und mehr Performance zu erzielen", erklärte Laurent Mekies.

Trotzdem bleiben das Autodromo Nazionale Monza und der Baku City Circuit zwei sehr spezielle Strecken: langsame Kurven und ein Low-Downforce-Setup. In Singapur geht es um maximalen Abtrieb, die Temperatur ist auch in der Nacht heiß und der Reifenverschleiß hoch. Verstappen selbst bremste in Baku die Erwartungen: "Ich habe dort [Singapur] noch nie gewonnen. Es ist eine völlig andere Strecke, hoher Abtrieb, viel Verschleiß. Wir werden sehen, was passiert - ich weiß es im Moment wirklich nicht."

    Marina Bay Street Circuit im Detail:
  • Streckenlänge: 4,94 km
  • Kurvenanzahl: 19 (12 Links-, 7 Rechtskurven)
  • Distanz von der Pole Position zur ersten Bremszone: 177 m
  • Beste Überholmöglichkeiten: Kurve 7 und 14
  • DRS-Zonen: 3 (T13-14 / T15-16 / T19-1)
  • Siegreiche Strategie 2024: 1 Stopp

Verstappens Singapur-Historie im Überblick:

Singapur GP 2024:
Mehr als Platz 2 gab es für Verstappen im vergangenen Jahr in Singapur nicht zu holen. Nachdem er in Runde 2 aus dem DRS-Fenster von Lando Norris herausfiel, entwickelte sich das Rennen zu einer einsamen Angelegenheit. Obwohl zweite Plätze nicht nach Verstappens Geschmack sind, verbuchte er das Singapur-Podest nach P6 in Monza und P5 in Baku als Erfolg.

Singapur GP 2023:
Mit zehn Siegen in Serie reiste Verstappen nach Singapur – und trotzdem stellte ihn der Marina Bay Street Circuit vor eine schier unüberwindbare Herausforderung. Im Qualifying musste er sich bereits in Q2 verabschieden. Auf Startplatz 11 setzte Verstappen auf den harten Reifen, um den ersten Stint in die Länge zu ziehen und in den letzten Runden auf frischen Reifen zu pushen. Doch eine frühe SC-Phase machte Verstappen einen Strich durch die Strategierechnung.

Singapur GP 2022:
Nach einem katastrophalen Qualifying entwickelte sich der Grand Prix für Verstappen zum Spießrutenlauf. Ein verpatzter Start und ein verhängnisvoller Fahrfehler warfen ihn mehrfach zurück. Seine beherzte Aufholjagd auf Platz sieben war für den Niederländer schlussendlich kein Trost. "Das war einfach nur ein schreckliches Wochenende", bilanzierte Verstappen. "Das ist nicht das, was mir Spaß macht. Ich will konkurrenzfähig sein und vorne kämpfen. Es ist einfach nur frustrierend, hinter Autos festzustecken."

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Singapur GP 2019:
"Ich brauche mehr Power", funkte Verstappen an seinen Renningenieur, als gegen Rennende Hamiltons Mercedes in seinem Rückspiegel immer größer wurde. Die Antwort: "Negativ. Das ist die beste Lösung, Max." Letztendlich rettete Verstappen 0,8 Sekunden Vorsprung über die Ziellinie und wurde dafür mit dem Podium belohnt.

Singapur GP 2018:
"Mehr Feedback? Das Produkt im Heck dieses Autos funktioniert nicht so, wie ich es möchte", ließ Verstappen seinen Frust über den Renault-Motor bereits im Training freien Lauf. Trotzdem gelang es ihm im Qualifying und im Rennen Platz zwei zu holen. Die Vorentscheidung fiel im Rennen bereits am Start. Polesetter Lewis Hamilton fuhr ungefährdet durch die erste Kurve und bestimmte danach das Tempo an der Spitze. Verstappen fuhr Seite an Seite mit WM-Anwärter Sebastian Vettel in die erste Kurve - und hielt dort voll drauf, während Vettel nichts riskierte. Später, aber noch in der ersten Runde ging Vettel an Verstappen vorbei, doch beim späteren Boxenstopp verlor er die Position wieder an den Red-Bull-Piloten.

Singapur GP 2017:
Dreimal startete Verstappen das Rennen von Startplatz 2 aus der ersten Startreihe. Während er 2024 und 2018 auf der gleichen Position auch ins Ziel kam, war für ihn der Grand Prix 2017 nach wenigen hundert Metern zu Ende. Das Ferrari-Duo Sebastian Vettel und Kimi Räikkönen kollidierten mit Verstappen direkt nach dem Start. Verstappen und Räikkönen strandeten noch in Kurve 1, Vettel beendete das Rennen drei Kurven später. Für Verstappen war die Schuldfrage klar: "Mein Start war etwas besser als der von Seb. Nicht viel besser aber ein bisschen. Ich habe gesehen, dass er dann nach links gefahren ist und keinen Platz gelassen hat. Kimi auf der anderen Seite hatte einen sehr guten Start, war neben mir und hatte auch keinen Platz. Am Ende war ich in einem Ferrari-Sandwich."

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Singapur GP 2017:
"Der Kurs von Singapur belohnt ein Auto, das viel Abtrieb aufbaut, und so einen Renner haben wird. Es gibt auch nicht viele Geraden. Wir freuen uns sehr auf dieses Rennen", sagte Verstappen vor seinem ersten Singapur-GP in den Diensten von Red Bull Racing. Doch Verstappen verschlief den Start und hatte Riesenglück, als Nico Hülkenberg nur Zentimeter vor seiner Nase in die Mauer crashte. Im Rennen lieferte er sich ein emotionsgeladenes Duell mit Daniil Kwjat, dessen Cockpit er übernommen hatte. In der Schlussphase nutzte Verstappen einen unaufmerksamen Moment von Kwjat, als der sich gerade im Zweikampf mit Sergio Perez befand, und schlüpfte durch. "Hat Spaß gemacht", erklärte Verstappen.