Nach Baku und Monza ist es so offensichtlich, dass es jeder bemerkt hat: McLaren hat in der Formel 1 2025 ein Problem mit den Boxenstopps. Interessanterweise hinterlassen die letzten Rennen den Eindruck, dass dies vor allem bei Lando Norris der Fall ist. Stimmt das wirklich? Motorsport-Magazin.com checkt, was die Daten und das Team sagen.

Monza war natürlich der Gipfel - als Norris eine Runde nach Oscar Piastri stoppte, wegen eines langsamen Reifenwechsels zurückfiel und dann per Teamorder wieder in Front gelotst wurde. Zwei Wochen später stand Norris aber schon wieder länger. Tatsächlich muss man bis Runde 23 in Zandvoort zurückgehen, um einen Norris-Stopp unter 3,5 Sekunden zu finden.

3,5 Sekunden, das ist ein traditioneller Cutoff-Punkt als Fehlergrenze. Bei allen langsameren Reifenwechseln muss eigentlich etwas schiefgegangen sein. Nach Baku hat McLaren hier noch weiter Boden verloren. 2025 hat man als einziges Team eine Fehlerquote von über 20 Prozent. Sogar 25, um genau zu sein. Inzwischen geht jeder vierte McLaren-Stopp schief.

Negativer Formel-1-Ausreißer McLaren: 2025 schwere Regression in der Box

Das ist für McLaren eine deutliche Regression. In den letzten beiden Jahren lag die Fehlerquote noch bei 11 respektive 12 Prozent. Das waren damals gute Zahlen und 2025 wären sie immer noch akzeptabel. Das Problem ist aber, dass sich die meisten Teams seit dem letzten großen Regelumbruch 2022 eigentlich stetig verbesserten.

Rückschritte sind bei Teams, bei denen es bereits gut läuft, sehr selten. 6 von 10 Teams haben sich stetig verbessert. McLaren ist da insofern ein Ausreißer, weil man aktuell in Sachen Fehlern wieder auf dem 2022er-Niveau rangiert. Das einzige andere Team mit Rückschritten ist Red Bull, aber das ist einzuschränken: Dort war man schon 2022 auf hohem Niveau unterwegs. 13 Prozent ist nicht das Ende der Welt, und ging 2025 überwiegend auf zwei isolierte Wochenenden in Japan und Bahrain zurück.

Seitdem hat sich Red Bull gefangen. McLaren ist aber nun schon das ganze Jahr von Fehlern geplagt. In der Ground-Effect-Ära hatte nur ein Top-Team - Mercedes 2022- eine schlechtere Fehlerquote. Der Großteil der noch schlechteren Jahre entfallen auf Haas, Sauber und Williams. Drei Teams, die jahrelang die Investments in Boxenstopps schleifen ließen, weil Geld und Ressourcen teilweise knapp waren und andernorts gebraucht wurden.

McLarens Fehlgriffe 2025 aufgeschlüsselt

McLarens Problem scheint 2025 aber auch zu sein, dass sie genau das tun, was sie (und alle anderen Teams) seit Jahren als Todsünde predigen: Schnelle Boxenstopps auf Kosten der Konstanz. Jeder möchte zuerst einmal berechenbare zweieinhalb Sekunden Standzeit. Ferrari macht es vor. 93 Prozent liegen dort zwischen 2 und 3 Sekunden. Erst ein einziger regulärer Stopp überschritt die 3,5-Marke.

Schon vor Jahren war aus dem Team-Umfeld zu hören, dass manche unglücklich darüber waren, dass Mechaniker nach jedem Rennen schon auf das übliche Veröffentlichen der Zeiten im Rahmen des DHL Fastest Pit Stop Award warteten. Auf keinen Fall will man, dass die Mechaniker glauben, Rekorde jagen zu müssen.

McLarens 2025er-Zahlen lassen sich jedoch kaum anders interpretieren. Das Team hat gleichzeitig die drei schnellsten Stopps des ganzen Feldes (alle drei unter 2 Sekunden) und die höchste Fehlerquote. Monza war symbolisch. Erst der schnellste Stopp des Rennens für Piastri. Eine Minute später der langsamste für Norris.

Schaden die langsamen McLaren-Stopps vor allem Lando Norris?

Thema Norris: Irgendwie war es in den letzten Rennen immer und immer wieder Norris, der das Opfer war. Das beweisen auch die Daten. Piastris schnelle Stopps sammeln sich weiter vorn in der Tabelle, seine Streuung scheint auf den ersten Blick geringer, seine Durchschnitts-Standzeit ist um zwei Zehntel geringer. Allerdings ist der Median - der Wert genau in der Mitte der Daten - bei Piastri um zwei Zehntel größer.

Nun ist es grundsätzlich richtig, dass der Fahrer mit konstantem Anhalten auf den vom Team angebrachten Markierungen die Standzeit beeinflusst. Ein Fahrer, der bei jedem Stopp auf den Millimeter genau stehen bleibt, wird im Jahresverlauf leicht bessere Standzeiten haben. Aber mehrere Zehntel Unterschied und konstante Fehler wie bei Norris sichtbar sind nicht mehr die Verantwortung des Fahrers.

MittelwertMedianÜber 3,5
Piastri2,882,906
Norris3,062,717
Leclerc2,372,310
Hamilton2,482,321
Verstappen2,852,414
Tsunoda2,932,413

McLaren erklärt: Diese Aspekte der Boxenstopps machen 2025 Probleme

Letztendlich sind Norris' Stopps üblicherweise schlimmer als die von Piastri - aber Piastri hat mehr Stopps über 3 Sekunden. Es ist kein Fahrer-Problem. Norris hat einfach Pech. Das Team ist sich der prekären Lage längst bewusst. Unterschiedliche Probleme sind es, muss Teamchef Andrea Stella etwa nach Baku einräumen: "Wir wissen, dass wir in Sachen Hardware nicht optimieren."

"Das liegt nicht daran, dass wir nicht wollen, sondern du lernst auf dem Weg und wir wissen, dass in Sachen Equipment Verbesserungspotenzial herrscht, sowohl bei der Hardware als auch am Auto", erklärt Stella. Selbst kleine technische Änderungen im Prozess können gut eingespielte Abläufe oft schwer beeinflussen. Sauber demonstrierte das im Vorjahr, als man das Design der Radnaben änderte und erst unter Rennbedingungen die harte Erfahrung machte, dass sich dadurch die Muttern plötzlich leichter verkanteten.

Sauber hat die Probleme längst gelöst. 36 Prozent Fehlerquote im Vorjahr, 12 Prozent im aktuellen Jahr. Auch McLaren arbeitet dran, sagt Stella: "Für den Rest des Jahres, und auch im Hinblick auf nächstes Jahr sind bei der Ausführung und bei der Hardware Anpassungen nötig, damit es für unsere Boxencrew einfach einfacher und natürlicher ist. Bei der Interaktion von Mechaniker und Hardware gibt es immer noch Dinge, die wir verbessern müssen."