Fünf Tage nach seinem Renn-Debüt auf der Nordschleife ist Max Verstappen vor dem Aserbaidschan-GP zurück im Fahrerlager der Formel 1. In bester Laune berichtet er dort am Donnerstag ausführlich von seinem Gastspiel in der Nürburgring Langstrecken-Serie NLS, selbst mit einem untermotorisierten Porsche. Doch der Weg zum legendären 24-Stunden-Rennen ist noch nicht ganz klar.

"Natürlich ist ein Start beim 24-Stunden-Rennen letztendlich mein Traum, also wusste ich, dass ich die Lizenz irgendwann holen musste", untermauert Verstappen. Selbst für einen mehrfachen F1-Weltmeister wie ihn gilt: Ohne Nordschleifen-Permit des DMSB ist dort kein Start in Rennen erlaubt. Und ohne A-Permit kein Start in der Topklasse GT3.

Nordschleifen-Crashkurs für Max Verstappen: Auch ein F1-Weltmeister lernt was

Eben deshalb fuhr Verstappen am vorangegangenen Samstag in einem leistungsreduzierten Porsche Cayman GT4 ein 4-Stunden-Rennen der NLS. Das war unumgänglich. Er musste nicht nur am Samstag 14 Runden im Rennen fahren, sondern schon am Freitag den kompletten Lehrgang durchlaufen.

Die Lehrer waren danach aber beeindruckt von Verstappens Engagement. "Sie waren super hilfreich", bedankt der sich genauso. "Natürlich haben wir darüber gesprochen, wie wir es so glatt wie möglich machen können. Dinge, wie in einem Klassenzimmer zu sitzen - da ist es besser, raus auf die Strecke zu gehen. Du fährst eine Runde und erklärst ein paar Dinge."

Max Verstappen und Andy Gülden kommen gut gelaunt am Nürburgring an
Verstappen fuhr auch Runden mit Instruktor, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography
Max Verstappen im Heck eines anderen Fahrzeugs
Verstappen auf der Einschulungs-Runde, Foto: IMAGO/Gruppe C Photography

"Ich bin ja kein kompletter Rookie, anders als manche Amateure, die hier nicht einmal die Strecke kennen", meint Verstappen, der wohl tausende Nordschleifen-Runden im Simulator abgespult hat und früher in diesem Jahr auch schon einen Test in einem GT3-Ferrari fuhr. Trotzdem ließ er sich am Freitag anstandslos auch auf der Strecke von Nürburgring-Instruktor Andreas Gülden einweisen. "Regeln sind Regeln, die musst du natürlich einhalten, aber sie waren sehr offen und am Ende hat alles gut geklappt."

Am Samstag erlebte Verstappen mit verregnetem Qualifying und trockenem Rennen ein bisschen von allem, was der Nürburgring so bieten kann. "Natürlich ist das Auto mit reduzierter Leistung kein Spektakel, aber trotzdem lernst du an so einem Tag viel", findet er. Selbst als F1-Weltmeister. "Auch wie du mit Verkehr als langsameres Auto umgehst, das ist nicht immer so einfach." Erst recht, da er noch nie ein echtes Rennen mit verschiedenen Klassen gefahren ist.

Red Bull steht hinter Max Verstappens Nürburgring-Engagement

"Letztendlich ist ohnehin jede Runde hier in jedem Auto toll", so Verstappen. "Wenn du etwas pushst, siehst du, was um dich herum alles passiert. Und die Atmosphäre ist toll. Sowieso sind da unzählige Langstrecken-Fans da. Für mich ist es auch irgendwo ein Hobby, in Rennserien außerhalb der Formel 1 zu fahren."

Kuriose Zitterpartie! Drama um Verstappens Nordschleifen-Permit (18:26 Min.)

Nach einem sauberen Samstag ohne Fehltritt hat Verstappen jetzt die Erlaubnis in der Tasche, mit GT3-Boliden Nürburgring-Rennen zu fahren. Auch Red Bull, angeführt von Motorsport-Berater Dr. Helmut Marko - 1971 einst Sieger bei den 24 Stunden von Le Mans -, würde einem GT3-Start nicht im Weg stehen: "Helmut findet es richtig aufregend. Er sieht, wie viel Leidenschaft ich da reinstecke. Er ist selbst ja auch Langstrecke gefahren, also kann er sich leicht in mich hineinversetzen."

Max Verstappen bremst 24-Stunden-Enthusiasmus: 2026-Regeln bestimmen

"Für mich ist es wichtig, dass ich sowas machen kann", sagt Verstappen. Aber wird er es 2026 tun? Der Start bei den 24 Stunden ist für 2026 nämlich auch mit Permit nicht gesetzt, obwohl er zum gesetzten Termin am 14. bis 17. Mai Zeit hätte: "Wie viel ich während einer F1-Saison tun kann ist schwierig. Und nächstes Jahr gibt es ein neues Reglement. Sowieso ist die Formel 1 schon schwierig genug."

Das Problem ist offensichtlich: Verstappen mag Spaß an der Nordschleife haben, aber er sieht sich immer noch primär als Formel-1-Fahrer und will Formel-1-Rennen (und Titel) gewinnen. 2025 hat er da kaum mehr Chancen, da kann er sich ein Wochenende NLS mal schnell leisten. Wenn Red Bull aber 2026 mit dem Regel-Reset direkt wieder in den Titelkampf eingreifen sollte, wird es schwierig für Verstappen, solche Ausflüge auch für sich selbst zu rechtfertigen. Erst recht, weil das Rennen zwischen zwei Nordamerika-GPs (Miami und Kanada) fallen würde.

"Hängt auch davon ab, wie die nächste Saison läuft", schränkt Verstappen daher explizit ein. "Mit den neuen Regeln ist es unmöglich vorherzusehen, ob ich in anderen Dingen außerhalb fahren kann." Hierfür heißt es also: abwarten. Theoretisch könnte allerdings noch dieses Jahr zumindest in einem vierstündigen NLS-Rennen ein GT3-Start folgen. Am 27. September wird wieder gefahren und wieder ohne F1-Überschneidung.

Auch mit dieser Entscheidung wird sich Verstappen aber kaum beeilen. Um den immensen Fan-Andrang halbwegs zu limitieren, vermied er es schon am letzten Wochenende, dass sein Name vor Samstag überhaupt in der Starterliste stand. Wann - und wie oft - sehen wir Verstappen also jetzt im GT3 auf der Nordschleife? Abwarten.