Das Interesse an der NLS ging am letzten Wochenende dank Max Verstappen durch die Decke. Vor allem, weil es so selten ist, dass ein aktiver Formel-1-Pilot sich nicht nur am Nürburgring, sondern überhaupt in irgendeiner anderen Rennserie blicken lässt. Ein Rückblick auf die letzten Jahre fördert nur wenige Ausnahmen zu Tage. Zu viel Angst und Stress gehen um.

Verstappen absolvierte am 13. September in einem Porsche Cayman GT4 sein erstes Rennen auf der legendären Nürburgring-Nordschleife. Primär mit dem Ziel, die Erlaubnis zum Start in schnelleren Autos im Rahmen der Nürburgring Langstrecken-Serie zu erhalten. Womöglich steht er am Wochenende nach Baku wieder am Start, dann in einem GT3. Mehr zu seinem Gastspiel gibt es hier im Video:

Kuriose Zitterpartie! Drama um Verstappens Nordschleifen-Permit (18:26 Min.)

Verstappens Auftritt am Samstag war der erste Ausflug eines Vollzeit-F1-Piloten seit sieben Jahren. In den letzten drei Jahrzehnten hat fast niemand so einen Ausflug gewagt. Aus dem aktiven F1-Feld gibt es allerdings immerhin zwei äußerst erfolgreiche Ausnahmen.

Warum fahren Formel-1-Fahrer heute keine anderen Rennen mehr?

Dass man heute von Ausnahmen spricht, ist in der gesamtheitlichen Geschichte des Motorsports eigentlich sehr ungewöhnlich. Alle, auch Formel-1-Fahrer, fuhren nicht nur in den Urzeiten, sondern bis in die 1980er-Jahre traditionell auch in anderen Serien. Auch in den 60ern waren die Grids von Formel 1 und Sportwagen-WM voll mit Top-Piloten, die Doppel-Programme - selbst für Top-Teams - fuhren.

Zum einen wuchs aber die Formel 1 in den folgenden zwei Jahrzehnten. Sie wurde kommerziell erfolgreicher, ihr Kalender immer länger, und für Piloten mit Titelansprüchen wurde es zunehmend schwierig, Zeit zu finden - wie auch Teams immer weniger Interesse daran hatten, dass ihre Stars nur am Rennwochenende auftauchten, bei steigendem Bedarf an Sponsor-Events und Tests. Hinzu kamen 1985 bei aufeinanderfolgenden Rennen der Sportwagen-WM tödliche Unfälle der deutschen Nachwuchshoffnungen Manfred Winkelhock und Stefan Bellof, die beide Sportwagen- und F1-Programme kombiniert hatten.

Entsprechend wurde F1-Exklusivität unter Teams und Fahrern in den 90er der Standard, selbst am Ende des Feldes. Dass für Gast-Starts besonders attraktive Rennen wie Indianapolis oder Le Mans oft zeitgleich mit F1-GPs stattfinden, gab auch den Gelegenheits-Auftritten den Rest. Und daraus ergab sich diese lange Dürre, in der außer Verstappen kaum Fahrer sich aus dem Formel-1-Fahrerlager herauswagten.

Fernando Alonso & Nico Hülkenberg: Le-Mans-Sieger unter sich

Zum einen ist da Nico Hülkenberg. Der wagte 2015 als Stammfahrer bei Force India zugleich ein Gastspiel im Sportwagen für Porsche. In der LMP1-Topklasse trat er bei den 24 Stunden von Le Mans an. Mit beeindruckendem Ergebnis: Hülkenberg und seine Teamkollegen Nick Tandy und Earl Bamber fuhren nur Le Mans und die 6 Stunden von Spa, schlugen aber beim 24-Stunden-Klassiker alle Vollzeit-Teams der Langstrecken-WM und holten den ersten Gesamtsieg für Porsche seit 1998.

Die Porsche-Fahrer Nick Tandy, Earl Bamber und Nico Hülkenberg jubeln über den Le-Mans-Sieg
Nick Tandy, Earl Bamber und Nico Hülkenberg auf dem Le-Mans-Podium, Foto: IMAGO / HochZwei

Zwei Jahre später unternahm mit Fernando Alonso ein weiterer F1-Pilot einen Ausflug. Der von McLarens Honda-Fehlschlag gepeinigte zweifache Weltmeister suchte 2017 Ablenkung und ließ freiwillig den Monaco-GP aus, um bei den berühmten 500 Meilen von Indianapolis zu starten. P5 im Qualifying, ein starkes Rennen, 27 Führungsrunden, dann kapitulierte in Runde 179 auf Platz 7 liegend der Motor.

Fernando Alonso jubelt auf dem Toyota über den Le-Mans-Sieg
Alonso und seine Toyota-Teamkollegen Sebastien Buemi und Kazuki Nakajima gewannen 2018 in Le Mans, Foto: IMAGO / PA Images

Alonso machte 2018 mit den Ausflügen weiter, fuhr erst im Winter die 24 Stunden von Daytona und dann die komplette WEC-Saison für Toyota. Titel und Le-Mans-Sieg sprang dabei raus. Ende 2018 kehrte Alonso dann der Formel 1 ohnehin den Rücken. Im Folgejahr fuhr er erneut in Le Mans und Indianapolis. Seit seinem F1-Comeback 2022 ließ er die Abenteuer außerhalb jedoch bleiben.

Robert Kubica als abschreckendes Beispiel für die Formel 1

Sonst sind die Gastauftritte in echten Rennen sehr selten. Eine Handvoll Piloten versuchte sich gelegentlich im Rallyesport. Valtteri Bottas gönnte sich 2021 die Arctic Rallye. Kimi Räikkönen gastierte 2009 bei der Rallye Finnland, war damals allerdings schon halb auf dem Weg in eine Formel-1-Pause. In dieser Pause bis zu seinem Comeback 2012 sollte Räikkönen mehrere Rallyes bestreiten.

Das Thema Rallye untermauerte aber auch nur deutlich, warum so selten F1-Fahrer andernorts auftauchen. BMWs einstige F1-Speerspitze Robert Kubica hatte sich schon 2010 in einem mageren ersten Jahr mit Renault bei gelegentlichen Rallye-Gaststarts unterhalten. Vor 2011 fuhr er zwischen den Testfahrten erneut, und verunfallte dabei schwer. Die Verletzungen beendeten effektiv seine vielversprechende F1-Karriere. Ein einjähriges Comeback mit Williams 2019 war kaum der Rede wert und brachte nur einen Punkt.