Der erste Große Preis von Italien für Lewis Hamilton als Ferrari-Fahrer ist vorbei. Zehntausende Tifosi feuerten den Formel-1-Rekordweltmeister von den Tribünen aus an und wurden mit einer Aufholjagd belohnt. Nach seiner Startplatzstrafe machte Hamilton vom zehnten Startplatz vier Positionen gut und holte mit dem sechsten Platz wichtige Punkte für die Konstrukteurs-WM. In Monza machte nicht nur Ferrari einen kleinen Schritt nach vorne, sondern auch Hamilton.

"Dieses Wochenende hat mir mehr Selbstbewusstsein im Auto gegeben. Ich fühle mich noch nicht zu 100 Prozent wohl, aber unsere Performance war ziemlich gut", lautete sein Fazit. Dem SF-25 kam das Low-Downforce-Setup und die langsamen Kurven des Autodromo Nazionale Monza entgegen, ganz mit der Konkurrenz mithalten konnte Ferrari aber nicht.

Hamilton kam am Start gut weg und ließ Kimi Antonelli bereits an der Startlinie hinter sich, aber: "Ich musste dann vom Gas gehen, weil ich plötzlich zwischen zwei Autos eingezwängt war." Ein Beteiligter war Yuki Tsunoda, der die erste Schikane über das Kiesbett abkürzte. Den Red-Bull-Piloten schnappte sich Hamilton wenig später in der Variante della Roggia. Nachdem er auch Fernando Alonso und Gabriel Bortoleto überholte, sah Hamilton das Heck von George Russell vor sich.

Falsche Strategie und zu wenig Pace - noch lange kein Hamilton-Podium?

So sollte es auch für den Rest des Rennens bleiben. Denn obwohl Hamilton davor durchs Feld marschierte, kam er nie in Angriffsdistanz zu seinem früheren Teamkollegen. Die Pace wäre da gewesen, wie Teamchef Fred Vasseur erklärte: "Wir dachten, wir könnten [Russell] am Ende des ersten Stints einholen. Deswegen haben wir riskiert und blieben länger draußen, um zum Schluss den Reifenvorteil zu haben. Doch der Verschleiß war zu niedrig [bei Russell] und es hat sich nicht ausgezahlt."

Im Rückblick hätte der Ferrari-Chef anders gehandelt, dieser Ansicht ist auch Lewis Hamilton: "Ich war nur 1,5 Sekunden hinter George, wir hätten den Undercut versuchen sollen. Wir haben die Möglichkeit verpasst und dann war ich meilenweit hinten. Ich hätte wohl Fünfter werden können." Damit hätte er sich hinter seinem Teamkollegen Charles Leclerc eingereiht, der mit seiner Strategie ebenfalls nicht zufrieden war.

Auf dem Podium hat sich Hamilton nicht gesehen, dafür waren Max Verstappen und die zwei McLarens zu stark. "Wir hatten die Pace nicht, um mit den Autos an der Spitze mitzuhalten. Wir werden weiter pushen und mehr herausholen, aber ein Top-3-Ergebnis ist noch länger nicht möglich." Eine traurige Nachricht für Fans der Scuderia, die seit Saisonbeginn auf ein Hamilton-Podium warten. Noch kein Ferrari-Fahrer hat so lange für seinen ersten Podestplatz in Rot gebraucht wie er.

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Fahrstil ist Hamiltons größtes Problem bei Ferrari

Das größte Problem für Hamilton ist nach wie vor die Umstellung seines Fahrstils. Seit seinem Debüt 2007 fuhr der Brite nur mit Mercedes-Motoren, nach elf Jahren und sechs Weltmeistertiteln bei den Silberpfeilen kannte er das Auto in- und auswendig. Doch in Maranello werden eigene Antriebe gebaut, die eine andere Handhabung verlangen. "Es ist ein fremdartiger Fahrstil, mit dem ich mich nicht zu 100 Prozent wohlfühle. Ich fahre dieses Auto jetzt seit Jahresbeginn, aber es fühlt sich für mich noch immer unnatürlich an", erklärte Hamilton.

Deswegen muss sich der Rekordweltmeister jedes Mal aufs Neue an die Limits des SF-25 herantasten: "Ich beginne die Wochenenden mit einem Nachteil und baue meine Leistung und mein Vertrauen ins Auto über die Sessions auf. Ich werde immer schneller. Wenn wir jetzt ein Qualifying machen würden, wäre ich bestimmt viel besser", ist sich Hamilton sicher. Dabei fuhr er im ersten Freien Training bereits die Bestzeit.

Auch beim nächsten Formel-1-Wochenende in Aserbaidschan wird es so laufen, prophezeite der Brite: "Es ist eine Strecke, auf der ich viele Jahre in einem anderen Auto gefahren bin. Ich werde versuchen, so schnell wie möglich Performance aufzubauen, aber am wohlsten werde ich mich am Sonntag in der letzten Runde fühlen." Aber das gehöre alles dazu, so Hamilton. Er hofft, dass er im nächsten Jahr zumindest ein paar Schritte in eine gewohnte Richtung zurückkehren kann.

Eine besondere Freude für die in Monza anwesenden Tifosi war der Ferrari-Formationsflug auf der Ehrenrunde. Ein Einfall von Hamilton, wie er verriet: "Ich habe das immer bei Mercedes gemacht und ich wollte den Fans meine Dankbarkeit zeigen. Sie waren das ganze Wochenende mit voller Kraft und rund um die Uhr dabei. Ihre Unterstützung ist fantastisch, das werde ich nie vergessen. Das wird mich bis zum Jahresende stärken."

Das Drama um McLarens-Stallorder ist das Gesprächsthema des Italien Grand Prix. Motorsport-Magazin.com-Redakteur Christian Menath hat eine klare Meinung. Warum der Funkspruch falsch und gefährlich war, lest ihr hier: