Fair oder unfair, das ist die Frage. Nein, ist es nicht. Völlige Fairness gibt es nicht. Nicht im Leben, nicht im Sport, nicht in der Formel 1. Was McLaren mit dem Platztausch in Monza gemacht hat, mag nur fair erscheinen.

Lando Norris lag das ganze Rennen vor Oscar Piastri, Norris war das ganze Wochenende schneller als sein Teamkollege. Ein verpatzter Boxenstopp sollte die Reihenfolge dann umdrehen? Das klingt nicht fair, aber mit Fairness hat das wenig zu tun. Es ist Pech.

Formel 1: McLaren-Skandal?! Piastri muss Norris Platz machen (09:54 Min.)

McLaren hat mit der Entscheidung, Plätze zu tauschen, in das Schicksal eingegriffen. Andrea Stella hat sich alle Mühe gegeben, zu erklären, warum es nicht nur um den verpatzten Stopp ging, sondern eigentlich vielmehr um die Reihenfolge der Boxenstopps.

Fakt ist aber nun mal, dass bei einem halbwegs normalen Stopp alles beim Alten geblieben wäre. Es war schlichtweg Pech, dass der Stopp in die Hose ging. Es lag nicht an einer strategischen Entscheidung zuvor.

McLaren überprüft Prinzipien - Gefahr des Folgefehlers wächst

Mit der Stallorder hat McLaren die Büchse der Pandora geöffnet. "Wir sagten, ein langsamer Stopp sei Racing", merkte Piastri selbst am Funk an. Das zeigt das Problem wunderbar auf: Wo hört Racing auf und wo fängt Glück oder Pech an?

"Wir werden die Prinzipien überprüfen", kündigte Teamchef Andrea Stella schon an. Also war Monza kein Präzedenzfall? Was, wenn das nächste Mal Piastri 'Pech' hat? Hat er dann doppelt Pech, dass sich die Prinzipien in der Zwischenzeit geändert haben?

"Überprüfen heißt nicht automatisch ändern", erklärte Stella. Wie es auch kommt, die Stallorder könnte McLaren in Teufels Küche bringen. Kann man so nicht argumentieren, dass Norris in Ungarn Platz eins an Piastri hätte abgeben müssen? Schließlich war Piastri vorn, bekam aber die retrospektiv schlechtere Strategie. Und was ist mit Silverstone, als Piastri eine in McLarens Augen ungerechtfertigte Strafe kassierte, die ihn hinter Norris zurückwarf?

Man kann argumentieren, dass McLaren mit dem schlechten Boxenstopp in den WM-Kampf eingegriffen hat. Aber es war keine Absicht. Was danach passierte, war Absicht. Ich glaube, dass man sich damit langfristig keinen Gefallen getan hat. Man muss solche Situationen nun zukünftig aktiv managen und nicht mehr das Schicksal seinen Lauf nehmen lassen. Das kann gefährlich werden.