1. Warum schied Lando Norris aus?

Sieben Runden vor dem Ende des Niederlande GP in Zandvoort lösten sich möglicherweise die WM-Hoffnungen von Lando Norris in Rauch auf. Erst konnte der Brite, der direkt hinter seinem Teamkollegen und Titelkontrahenten Oscar Piastri lag, einen ungewöhnlichen Geruch feststellen. Sekunden später rauchte sein McLaren und verlor den Vortrieb. Die genaue Ursache wollte das Team noch nicht nennen, nur Motorenpartner Mercedes nahm man schon aus der Verantwortung. "Wir haben ein Problem auf Chassis-Seite gefunden", verriet Teamchef Andrea Stella.

2. Wofür wurde Lewis Hamilton bestraft?

Kaum lief es für den Rekordsieger der Formel 1 Performance-technisch wieder etwas besser, gab es die nächsten bitteren Rückschläge für Lewis Hamilton. Nach einem Fahrfehler beendete er das Rennen in Zandvoort in der Streckenbegrenzung. Doch es gab noch ein Nachspiel: Am späten Abend belegten ihn die Stewards noch mit einer Strafversetzung um fünf Startplätze beim Ferrari-Heimspiel in Monza.

Auf dem Weg in die Startaufstellung, bei den sogenannten Sichtungsrunden, hatte Hamilton gleich zwei Regeln gebrochen. Rennleiter Rui Marques hatte die Teams schon vor dem Wochenende darüber informiert, dass bei den Sichtungsrunden permanent Doppelt Gelb in der letzten Kurve gezeigt wird. Die Fahrer sollten hier signifikant langsamer fahren, um die zahlreichen Menschen nicht zu gefährden, die in der Startaufstellung auf die ankommenden Autos warten. Gleichzeitig gilt: Fährt ein Pilot durch die Boxengasse, um mehrere Sichtungsrunden zu absolvieren, muss er in der Boxeneinfahrt stark verlangsamen.

Beide Regeln hatte Hamilton zweifach missachtet. In der Steilkurve vor Start und Ziel verlangsamte er im Verglich zum Training um lediglich 20 km/h, er lupfte das Gaspedal nur um 10 bis 20 Prozent. In der Boxeneinfahrt warf er den Anker nur 70 Meter früher als sonst. Das verstanden die Stewards nicht unter einer signifikanten Geschwindigkeitsreduktion. Weil Hamilton immerhin etwas vom Gas ging, gab es nicht die vollen zehn Plätze Strafversetzung.

3. Warum drohte Leclerc nach Abschuss noch eine Strafe für Monza?

Charles Leclercs Rennen endete wie das seines Teamkollegen in der Streckenbegrenzung der Steilkurve. Kimi Antonelli war es, der Leclerc dorthin bugsierte. Damit sorgte der Italiener fast für eine doppelte Katastrophe: Nicht nur, dass er das Rennen des Ferrari-Piloten beendete, er hätte fast noch für eine Strafversetzung Leclercs in Monza gesorgt. Denn Leclerc war unter Beobachtung der Stewards, weil er George Russell früher im Rennen möglicherweise neben der Strecke überholt und leicht touchiert hatte.

Weil der Sachverhalt nicht ganz einfach zu klären war, vertagten die Stewards ihre Entscheidung und wollten sich nach Rennende darum kümmern. Hätten sie Leclerc für schuldig erklärt, hätte er die Strafe wegen des Ausfalls in Monza absitzen müssen. Zum Glück waren schließlich auch die Mercedes-Verantwortlichen inklusive George Russell vor den Stewards der Meinung, dass es sich um einen Rennunfall handelte. Zuvor hatte Russell noch eine Strafe gefordert. Die Stewards folgten der Meinung der Beteiligten und verhängten keine Strafe - vor allem, weil sie nicht zweifelsfrei feststellen konnten, ob Leclerc beim Überholmanöver vollständig neben der Strecke war. Dabei gibt es sogar Bilder, die es eindeutig belegen. Die Stewards wollten wohl Leclerc nicht zusätzlich bestrafen.

4. Wofür kassierte Kimi Antonelli zwei Strafen?

Am Unfall mit Leclerc war Kimi Antonelli eindeutig schuld. Der Mercedes-Pilot kassierte dafür eine Zehn-Sekunden-Strafe, die er auch akzeptierte. Dazu kamen allerdings weitere fünf Sekunden, weil er zuvor in der Boxengasse geblitzt wurde. Statt der erlaubten 80 km/h hatte der Formel-1-Rookie 80,3 Stundenkilometer auf dem Tacho stehen.

5. Weshalb war Carlos Sainz so sauer?

Carlos Sainz rastete erst im Cockpit und später am Mikrofon aus. Nach einer leichten Berührung mit großen Konsequenzen galt seine ganze Wut zunächst Unfallgegner Liam Lawson. Nach dem ersten Safety-Car-Restart wollte Sainz außen in Kurve 1 an Lawson vorbeigehen. Dabei touchierten sich die beiden und zogen sich Reifenschäden zu. Als 'Wanker' bezeichnete Sainz seinen Kontrahenten am Funk.

Ganz so ausfallen wurde er gegenüber den Stewards nicht, aber er attestierte ihnen, nicht auf Formel-1-Niveau zu sein. Denn die Richter um ihren Vorsitzenden Nish Shetty sahen den Verantwortlichen für die Kollision in Sainz und belegten ihn mit einer Zehn-Sekunden-Strafe. "Das ist ein absoluter Witz", tobte der Spanier.

6. Warum flog Verstappen fast ab?

Als einziger Pilot fuhr Lewis Hamilton beim Rennen in Zandvoort nie auf dem harten Reifen. Die C2-Mischung hatte dem Lokalmatador am Trainingsfreitag nicht geschmeckt. Deshalb behielt Red Bull einen Satz frischer Softs für den GP. Den kurzfristigen Grip-Vorteil wollte Verstappen am Start ausspielen und an beiden McLaren-Piloten vorbeigehen. Das Kunststück gelang zumindest gegen Lando Norris, an Oscar Piastri kam der Weltmeister am Start aber nicht vorbei.

Auf dem Weg zur ersten Steilkurve versuchte er dagegenzuhalten und verlor dabei das Auto fast. "In Kurve zwei ist es neben der Linie immer sandig, aber ich dachte, dass es mit den weichen Reifen geht", erklärte Verstappen nach dem Rennen. Verstappen hatte sich durch die alternative Strategie tatsächlich Chancen gegen die McLaren ausgerechnet. "Ich habe aber früh bemerkt, dass meine Gegner hinter mir sind", musste er eingestehen. Nach wenigen Runden ging Norris auf der Strecke wieder am Red Bull mit der Startnummer 1 vorbei und zog davon.

7. Wie kam Lance Stroll vor Fernando Alonso?

Lance Stroll ging nach seinem Unfall in der Qualifikation nur von Platz 19 aus ins Rennen, Fernando Alonso hingegen startete auf Platz zehn. Nach 72 Rennrunden lag Stroll auf Platz sieben, Alonso auf acht. Wie konnte das passieren? "Das Safety Car hat mir nicht geholfen", betonte Stroll nach dem Rennen. "Es lag daran, dass wir - neben McLaren - als einziges Team zwei Sätze Hart fürs Rennen hatten."

Stroll hat recht, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Der Kanadier kam als erster Pilot zum Reifenwechsel an die Box. Mit einem extremen Undercut in Runde 8 holte er sich freie Fahrt und damit auch Track Position. Dass die meisten Piloten beim Safety Car günstiger stoppen konnten, machte da nicht viel aus. Von P19 ging es so auf P12 nach vorne.

Alonso wurde in der Startrunde auf Rang 13 zurückgeworfen. Er kam in Runde 18 zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt zum Reifenwechsel: Fünf Runden später kam das Safety Car. So konnte er nur wenige Runden von frischen Reifen profitieren. Sein Undercut wurde durch das Safety Car nutzlos, er fand sich nur noch auf Rang 14 wieder.

8. Womit kämpfte Yuki Tsunoda im letzten Stint?

Yuki Tsunoda war einer der unglücklichen Piloten, die direkt vor dem Safety Car in Runde 23 an der Box waren. Damit war sein Rennen mehr oder weniger gelaufen. Am Ende des Rennens hatte er noch mit technischen Problemen zu kämpfen. Nach seinem zweiten Boxenstopp nahm sein Auto kaum Gas an, Tsunoda konnte zeitweise nicht einmal mehr mit der Geschwindigkeit des Safety Cars mithalten.

Das Problem: Tsunoda war im falschen Motormodus gefangen, den er bis Rennende behalten musste. Für Rennstart und Boxenstopps gibt es spezielle Motor-Mappings. Die dürfen aber nicht beliebig verstellt werden. Bei Tsunoda gab es in der Boxenausfahrt ein Problem, weshalb der Japaner nicht zurück in den normalen Modus kam. Das Reglement verbietet später ein Umschalten, wodurch er das restliche Rennen im falschen Mapping gefangen war. Zwischen 15 und 40 Prozent Gaspedalstellung nahm der Motor kaum Gas an. Am Start ist das gut, um die Power dosieren zu können. Im Renntrimm musste Tsunoda seinen Fahrstil ändern.

9. Wie kamen Bearman und Albon so weit vor?

Oliver Bearman startete nach seinem Motorwechsel aus der Boxengasse hinterher, Alexander Albon ging nach einem verpatzten Qualifying immerhin von Rang 15 ins Rennen. Den GP beendeten Albon und Bearman auf fünf und sechs. Wie konnte das passieren? Albon erwischte einen ordentlichen Start und lag nach Runde eins schon auf Platz zehn. Den Rest erledigten zwei Boxenstopps genau zu den Safety-Car-Phasen.

Bei Oliver Bearman lief es etwas anders. Er startete auf Hard und versuchte auf dem C2-Pneu so lange wie möglich durchzuhalten. Die erste Safety-Car-Phase nutzte er deshalb - genau wie Teamkollege Esteban Ocon - nicht, um Reifen zu wechseln. Beide wollten die Track Position behalten. So fuhren Ocon und Bearman nach dem Safety Car auf 9 und 13.

Im DRS-Train konnten sie auch auf ihren abgefahrenen Reifen ihre Positionen verteidigen. Als in Runde 53 das Safety Car zum zweiten Mal kam, nutze Bearman die Gelegenheit für seinen einzigen Stopp. Die Konkurrenz kam hier schon zum zweiten Mal. Der Brite hatte aber keine Track Position verloren und fuhr nach dem Safety Car wie die Konkurrenz auf frischen Reifen. Der Plan war aufgegangen. Anders bei Teamkollege Ocon: Er kam genau ein Runde vor dem zweiten Safety Car zum Stopp und fiel dadurch zurück.

10. Warum war Sauber chancenlos?

Schon nach der Startrunde standen die Chancen für Sauber nicht gut: Nico Hülkenberg konnte von Startplatz 17 trotz weicher Reifen keine Positionen gutmachen, Gabriel Bortoleto fiel durch einen technischen Defekt am Start von 13 auf 19 zurück. Bortoleto beschädigte anschließend sein Auto im Zweikampf mit Stroll. Endgültig wurde die Chancenlosigkeit mit frühen Boxenstopps besiegelt: Hülkenberg kam in Runde 19, Bortoleto in Runde 22. Durch das Safety Car in Runde 23 und günstigen Stopps für die Konkurrenz fanden sich die beiden Sauber-Lenker anschließend auf den beiden letzten Rängen wieder.

11. Wofür drohte Sauber nach dem Rennen Ärger?

Nach Big Points für die direkten Konkurrenten Racing Bulls, Aston Martin und Haas war Sauber der große Verlierer des Rennens. Doch nach dem GP drohte noch Ungemach: Beim Zweikampf mit Lance Stroll flogen Teile der Frontflügelendplatte von Gabriel Bortoletos Boliden davon. Bearman beschwerte sich anschließend, weil er sich hinter dem Brasilianer von dessen beschädigtem Frontflügel gefährdet fühlte.

Der Haas-Pilot sollte nicht ganz unrecht haben: Später im Rennen verabschiedeten sich weitere Teile des Flügels. Die Rennleitung hatte auf die Spiegelei-Flagge verzichtet, Bortoleto wurde nicht zur Reparatur gezwungen. Das Sauber-Team sah ebenfalls keinen Anlass dafür. Nach Streitigkeiten vor einigen Jahren mit dem Haas-Team einigte man sich in der Formel 1 darauf, dass es größtenteils den Teams überlassen ist, darüber zu urteilen, ob von einer Beschädigung eine Gefahr ausgeht - schließlich kennen die Teams ihre Autos selbst am besten.

Weil sich bei Bortoleto trotzdem weitere Karbonteile lösten und auf der Strecke liegen blieben, hatte sich Sauber offenbar verschätzt. Eine Strafe gab es trotzdem nicht, weil die Stewards der Auffassung waren, dass es sich nicht um strukturelle Teile handelte, die sich vom Flügel gelöst hatten und von den kleineren Teilen keine echte Gefahr ausging.

2 Crashs und 1 Strafe! Ferrari-Drama um Hamilton & Leclerc (09:51 Min.)