Die DTM befindet sich in der heißen Phase des Titelkampfs und gastiert vom 12. bis 14. September 2025 zum vorletzten Rennwochenende des Jahres auf dem Red Bull Ring. Der neue Meister steht noch nicht fest, da wirft die kommende Saison bereits ihren Schatten voraus: Der DTM-Promoter ADAC hat vergangene Woche den Rennkalender für 2026 präsentiert.

Es bleibt bei acht Veranstaltungen mit 16 Einzelrennen auf den gleichen Rennstrecken wie in den Vorjahren. Dennoch schweben ein paar Fragezeichen über der Kalendergestaltung. ADAC-Motorsportchef Thomas Voss nahm sich für Motorsport-Magazin.com die Zeit, die wichtigsten Fragen zum DTM-Kalender 2026 zu besprechen.

DTM-Kalender 2026: Rennstrecken und Termine

EventTerminRennstrecke
124.-26.04.2026Red Bull Ring (Österreich)
222.-24.05.2026Zandvoort (Niederlande)
319.-21.06.2026Lausitzring
403.-05.07.2026Norisring
524.-26.07.2026Oschersleben
614.-16.08.2026Nürburgring
711.-13.09.2026Sachsenring
809.-11.10.2026Hockenheimring

1. - Warum startet die DTM-Saison 2026 in Österreich?

Nachdem die Motorsport Arena Oschersleben seit der ADAC-Übernahme 2023 stets den Saisonauftakt gebildet hatte, nimmt 2026 erstmals der Red Bull Ring diesen Platz ein. Der österreichische Formel-1-Kurs ist nach Zolder (von 1984-1994 mehrfach Auftakt im Wechsel mit Hockenheim), Spa-Francorchamps (2020), Monza (2021) und Portimao (2022) erst die fünfte nicht-deutsche Rennstrecke in der über 40-jährigen Geschichte der DTM, auf der ein Saisonstart ausgetragen wird.

"Die Gründe sind vielfältig", erklärte Voss. "Der Red Bull hat uns aktiv darum gebeten, darüber nachzudenken, ins Frühjahr zu wechseln, weil der MotoGP-Kalender verändert worden ist." Die Motorrad-WM fuhr bisher im August in Spielberg, wechselt 2026 aber in den September - bisher der DTM-Termin. Voss: "Wir sind schon früher mit dem ADAC GT Masters im Mai in Spielberg gefahren und haben von Jahr zu Jahr ein Zuschauerwachstum erlebt. Ich glaube, dass es für die DTM gut ist, vor der Formel 1 und der MotoGP am Red Bull Ring zu fahren. Wir waren uns relativ schnell einig."

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2. - Ist es ein Problem, dass der Saisonstart der DTM nicht in Deutschland erfolgt?

In den Anfangszeiten der DTM zwischen 1984 und 1994 ging der Auftakt im Wechsel zwischen der belgischen Strecke Zolder und dem Hockenheimring über die Bühne, bis der badische Kurs später alleinig den Saisonstart übernahm. Die letzten Ausland-Auftakte in Spa und Monza waren der Corona-Pandemie geschuldet, doch mit dem Start 2022 in Portimao ging die DTM baden: Die GT3-Autos fuhren vor leeren Tribünen.

Diese Sorge teilte Voss nicht mit Blick auf den etablierten Red Bull Ring: "Wenn die DTM dort zum ersten Mal fahren würde, könnte ich die Bedenken verstehen. Da wir aber schon immer dort waren, sprechen wir jetzt nur von einem anderen Termin. Am Red Bull Ring gibt es ein tolles Publikum, das auch noch ausbaufähig ist."

3. - Das erste DTM-Rennen in Deutschland erst im Juni 2026?

Nach dem Saisonstart in Österreich zieht die DTM weiter nach Zandvoort in die Niederlande zum zweiten Rennwochenende. Den ersten Stopp in Deutschland legt die Traditionsserie danach erst im Juni 2026 auf dem Lausitzring ein. Zu spät für eine Rennserie, deren Kern und Fokus ganz klar in Deutschland liegen? Einige heimische DTM-Fans sehen diesen Umstand kritisch.

ADAC-Motorsportchef Voss: "Es gibt sicherlich Fans, denen das nicht so recht ist. Aber es gibt auch Teile in Deutschland, für die der Red Bull Ring schneller erreichbar ist als Oschersleben. Man könnte auch sagen, dass wir auf zwei Formel-1-Strecken anfangen. Es gibt genügend Gegenargumente. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, am Red Bull Ring zu beginnen. Viele Jahre lang war Oschersleben der Auftakt, mit solch einer Tradition bricht man nicht so einfach. Dafür fällt der Oschersleben-Termin 2026 in die Sommerferien-Zeit, und das hat schon beim Nürburgring und bei der MotoGP am Sachsenring sehr gut funktioniert."

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4. - Warum bleibt es bei acht Rennwochenenden?

Viele DTM-Fans wünschen sich mehr als 'nur' acht Rennwochenenden pro Saison. Die Frage nach einem größeren Kalender stellt sich jährlich, allein die wirtschaftliche Situation gestaltet dieses Unterfangen schwierig. Schließlich würden auch die Kundenteams mit höheren Kosten belastet, die in der DTM ohnehin schon größer sind als in anderen GT3-Serien. Man spricht von jährlich 1,5 bis 1,8 Millionen Euro pro konkurrenzfähigem Auto.

Voss: "Die DTM befindet sich immer noch in der Etablierungsphase, wenn auch mittlerweile auf einem deutlich höheren Niveau. Man muss den richtigen Zeitpunkt für ein neuntes oder zehntes Event finden. Dass das alle wollen, ist klar. Am Ende entscheiden aber die Zahlen, und es braucht jemanden, der es bezahlt."

5. - Warum keine neuen Rennstrecken im Kalender?

Seit 2023 gibt es jährlich die gleichen acht Rennstrecken im DTM-Kalender: Oschersleben, Lausitzring, Norisring, Nürburgring, Sachsenring und Hockenheim in Deutschland, dazu Zandvoort und Red Bull Ring im nahegelegenen Ausland. Spekuliert wurden in den vergangenen Jahren zusätzliche Strecken wie der Salzburgring, eine Rückkehr nach Assen oder auch ein Stadtkurs-Rennen im portugiesischen Vila Real.

Voss: "Wenn es bei acht Events bleibt, müsste man eine Strecke aus dem Kalender werfen. Wer sollte das sein? Mit Vila Real stehen wir nach wie vor im Kontakt. Das wäre ein mögliches neuntes Event. Beim Salzburgring schauen wir uns bald an, wie es läuft (wenn das ADAC GT Masters erstmals vom 05.-07. September 2025 dort gastiert; d. Red.). Wir wollen uns keine Schnellschüsse leisten. Wir wollen nur auf Strecken fahren, wo die Möglichkeit besteht, dass wir Zuschauer dort hinbekommen."

6. - War die lange Pause zwischen dem vorletzten Event und dem Hockenheim-Finale nötig?

Ein Kritikpunkt: Zwischen dem vorletzten Rennwochenende am Sachsenring (11.-13.09.2026) und dem Saisonfinale in Hockenheim (09.-11.10.2026) vergehen geschlagene vier Wochen. Das nimmt den Fluss aus dem Endspurt um die Meisterschaft heraus. "Vier Wochen Zeitspanne sind nicht optimal", räumte Voss ein.

Eine perfekte Lösung habe es aber leider nicht gegeben, weil am Hockenheimring frühere Termine bereits vergeben gewesen seien und die DTM bei der Kalenderplanung auf andere Rennserien wie die GT World Challenge (Zandvoort am 19.-20.09. und Barcelona am 03.-04.10.) sowie die WEC (Fuji am 27. September) haben achten müssen.

7. - Spielen Überschneidungen mit der Formel 1 eine Rolle?

Zu früheren DTM-Zeiten versuchte die ITR stets, Terminkollisionen mit der Formel 1 nach Möglichkeit aus dem Weg zu gehen. Die Gegebenheiten haben sich seitdem verändert: Zum einen läuft die F1 in Deutschland - im Gegensatz zur DTM - kaum noch im Free-TV, zum anderen muss der ADAC zunächst auf Serien wie die GT World Challenge und die WEC achten, weil viele Fahrer und Teams Doppelprogramme bestreiten.

2026 kommt es zwischen der DTM und der Formel 1 zu fünf Überschneidungen: Zandvoort/Montreal, Norisring/Silverstone, Oschersleben/Budapest, Sachsenring/Madrid und Hockenheim/Singapur. Voss dazu: "Das kann man eigentlich erst machen, seit die Formel 1 hinter der Pay-Wall verschwunden ist. Hinter der Bezahlschranke erreicht die F1 leider - das tut dem deutschen Motorsport nicht gut - nicht mehr die Einschaltquoten wie früher im Free-TV."

8. - Was gibt es noch zu klären?

Noch nicht bekannt ist, welche Rennserien 2026 im Rahmenprogramm der DTM gastieren werden. Der Verbleib des Porsche Carrera Cup Deutschland gilt als sicher, ebenso ADAC-Serien wie die ADAC GT4 Germany oder der Prototype Cup Germany. Um die angekündigte Elektro-Formelnachwuchsserie von Nick Heidfeld und Dilbagh Gill ist es unterdessen ruhig geworden.

Wie Motorsport-Magazin.com erfahren hat, will der ADAC künftig weiter ein besonderes Augenmerk auf die große Historie der DTM legen. Dazu könnten Classic-Rennen oder Show-Runden früherer DTM-Autos ebenso zählen wie die verstärkte Rückkehr alter Bekannter. Ebenfalls noch offen: die Ticketpreise für Zuschauer. Der Kartenvorverkauf soll am 05. Oktober auf der DTM-Webseite beginnen.