Damit hatte Max Verstappen vor einem Tag selbst noch nicht gerechnet. Beim Formel-1-Qualifying in Zandvoort steuerte der amtierende Weltmeister seinen Red Bull auf den dritten Startplatz nur geschlagen von den beiden unantastbaren McLaren-Fahrern Lando Norris und Oscar Piastri. Eine Position, die er am Freitag noch gar nicht für möglich gehalten hatte, als er an Balance-Problemen litt, und als Ziel ein Top-5-Ergebnis ausgab.

"Bisher hatte ich an diesem Wochenende Probleme auf der Suche nach Grip und mit der allgemeinen Balance. Zum Glück hatte ich im Qualifying das beste Gefühl, das ich das ganze Wochenende über gehabt habe", analysierte der vierfache Weltmeister. "Genau so hat man es gerne", freute er sich über den unverhofften Umschwung.

Max Verstappens Wunderheilung: Plötzlich wieder erster McLaren-Verfolger

Gerade der Mittelsektor trat als auffälligstes Merkmal seiner Wunderheilung zutage. Denn am Freitag beklagte Verstappen noch viel Untersteuern, was sich in den langgezogenen Kurven in jenem Abschnitt bemerkbar machte. In der Qualifying-Entscheidung war der Red-Bull-Pilot dort plötzlich der schnellste Mann und nahm sogar Polesetter Oscar Piastri in Sektor 2 über eine Zehntelsekunde ab.

"Wir haben die richtigen Dinge in Bezug auf die Setuprichtung getan", zeigte sich der dreifache Zandvoort-Sieger zufrieden. Selbst im dritten Training, in dem er sich fast eine Sekunde hinter Norris auf einem schmeichelhaften fünften Platz klassifiziert hatte, sei das noch nicht absehbar gewesen. "Auch am Morgen hat es sich nicht gut angefühlt, deshalb haben wir anschließend weitere Teile umgestellt und das hat das Gefühl stark verbessert", so Verstappen.

In der Qualifikation waren es die Kurven 1 bis 4, die ihn aus dem Kampf um Startplatz 1 nahmen. Zwischen Tarzan- und Hugenholtzbocht gab ihm Piastri 0,35 Sekunden mit. Unmöglich, das auf der restlichen Runde aufzuholen. Doch die Papayas sind überhaupt nicht die Messlatte für den Red-Bull-Einzelkämpfer. "Wir befinden uns natürlich immer noch nicht auf dem Level von McLaren, aber P3 ist sehr gut für uns", befand der Lokalmatador.

Das Ziel für Verstappen am Rennsonntag ist unter normalen Umständen wohl nicht der Sieg, sondern dass er eine Negativ-Serie beendet. Seit vier Rennen landete er nicht mehr auf dem Podium. So lange musste er seit über sieben Jahren nicht mehr auf ein Top-3-Ergebnis warten. Das letzte Mal verpasste er nämlich 2018 bei den ersten vier Saisonrennen viermal en suite die Podestplätze.

Das letzte Fragezeichen: Was kann der Red Bull im Rennen?

In Zandvoort könnte ihm dabei Isack Hadjar etwas Schützenhilfe leisten. Der Racing-Bull-Pilot qualifizierte sich praktischerweise zwischen dem WM-Dritten und George Russell, und könnte dem Mercedes-Piloten so möglicherweise etwas Zeit kosten. Verstappen gab sich zwar optimistischer als am Freitag, aber uneingeschränkt vertraut er der Rennpace des RB21 nach wie vor nicht.

"Ich denke, dass unser Auto stabiler sein sollte [als bei den Longruns am Freitag]. Aber in dieser Saison war die Rennpace generell nicht die beste, wenn wir sie mit dem Qualifying vergleichen." Der Blick geht also klar in den Rückspiegel: "Ich hoffe einfach, dass wir die Leute, die hinter uns starten, im Rennen hinter uns halten können. Was vor mir passiert, das kann ich nicht kontrollieren." Ergo: McLaren nur durch Pech verlieren, oder indem sie sich selbst schlagen.