Leicht lassen sich bei Lando Norris im bisherigen Verlauf der Formel-1-Saison viele kleine und auch große Fehler finden, wegen denen er aktuell in der WM hinter Oscar Piastri zurückliegt. Norris gibt das nach der Sommerpause frei heraus zu. Alles eine Lernerfahrung für Norris, der sich nun anschickt, nach drei Siegen in den letzten vier Rennen zurückzuschlagen.

"Ich fühlte mich davor gut, und ich fühle mich jetzt gut", wehrt Norris am Donnerstag vor Zandvoort allerdings ab, dass es so etwas wie Momentum sei, also dass er im Angesicht der jüngsten Erfolge jetzt in eine bessere Gefühlslage und damit sportlich in Schwung käme. "Nur weil du zwei gute Rennen hattest, kommt nicht automatisch das dritte."

"Hinter der Momentum-Sache steckt wohl einfach: Hast du Selbstvertrauen, und weißt du mehr? Hast du ein besseres Mindset?", versucht es Norris zu erklären. Es ist eine stete Progression des Wissens in der Formel 1. Für Norris gab es da 2025 bereits einige neue Lernerfahrungen, obwohl er bereits in seiner siebten Saison ist.

Lando Norris selbstkritisch: Risiko im WM-Kampf falsch eingeschätzt

Neu ist für Norris aber dieses WM-Feeling von der ersten Woche an. Selbst sein erster WM-Kampf gegen Max Verstappen 2024 war besonders in Sachen Risiko-Management ganz anders. 2024 startete Norris erst spät eine Aufholjagd, und war gegen Ende durchwegs risikoscheu, weil er wusste, dass er jeden einzelnen Punkt brauchte. 2025 war er sich von Beginn an des WM-Faktors bewusst - und kippte ins Gegenteil.

Sofort kommen ihm heute Situationen in den Kopf, wo er zu viel Risiko nahm. Ob jetzt Offensichtliches wie Kanada, wo er Teamkollege und WM-Rivale Oscar Piastri unachtsam ins Heck krachte. Oder aber auch das weniger Offensichtliche, wie ein zu aggressives Bremsmanöver im Sprint-Qualifying von China, das ihm wohl Pole kostete: "Hätte ich davor daran gedacht, dass es ein langes Jahr ist und du kein Held sein musst ... da habe ich acht Punkte verloren."

Norris vs. Piastri - Danner: Müssen mit Crash rechnen! (06:21 Min.)

Natürlich würde er sofort zugreifen, wenn er diese Situationen noch einmal durchleben und ihren Ausgang ändern dürfte: "Aber zugleich bereue ich diese Entscheidungen nicht. So läuft das. Manchmal läuft es für dich, dann hast du Glück, und dann läuft es gegen dich und du triffst nicht die besten Entscheidungen. Das sind auch die Momente, aus denen du stets am meisten lernst, und die dir für die Zukunft an meisten helfen."

Lando Norris sicher: Jetzt treffe ich bessere Entscheidungen

"Zu Beginn war ich mir dem also nicht so bewusst wie ich hätte sein sollen", analysiert Norris. Doch das ist jetzt alles Vergangenheit. Lernerfahrung eben: "Ich würde gerne glauben, dass ich auch gute Entscheidungen getroffen habe. Ich habe mich dieses Jahr als Fahrer verbessert." Das kam in den letzten Rennen in Norris' Augen dann auf jeden Fall zum Tragen.

"Ich hätte in Budapest nicht gewonnen, wenn ich mich nicht verbessert hätte", will Norris nichts davon wissen, dass sein Sieg dank eines Wechsels auf eine Einstopp-Strategie in Ungarn vor der Sommerpause nicht eigentlich mehr Glück als Können war. Natürlich war irgendwo in den letzten Rennen auch oft Glück dabei, aber Dinge wie das Verbessern seiner Qualifying-Setups, zusammen mit einer neuen von McLaren entworfenen Vorderachse, um ihm mehr Gefühl am Limit zu geben, sind kein Glück.

"Das ist harte Arbeit", stellt Norris klar. "Viel Einsatz mit meinen Ingenieuren und meinem Team, sowohl an der Strecke als auch in der Fabrik. Da würde ich sagen, dass es hier und da ein bisschen Glück war, aber jeder braucht ein bisschen Glück in seinem Leben."

Nur neun Punkte liegt Norris zehn Rennen vor Schluss jetzt hinter Oscar Piastri. Damit ist der WM-Kampf noch völlig offen. "Wie alle wissen, erwarten wir zwischen Oscar und mir ein gutes Duell, da freue ich mich drauf", kündigt Norris an: "Ich bin bereit für eine lange, schwierige, herausfordernde zweite Saisonhälfte, aus all den richtigen Gründen."