An einem Punkt war Oscar Piastri in der Formel-1-Saison 2025 haushoher WM-Favorit. Dann zerfiel seine Titel-Challenge im Herbst spektakulär. Schlechter konnte Piastri - der seit Zandvoort keinen Grand Prix mehr gewonnen hat - eigentlich nicht in die Winterpause gehen. Trotzdem bemüht er sich beim offiziellen McLaren-Launch im Februar um neue Zuversicht.

"Es war denke ich sehr leicht, von diesem Ende in den Bann gezogen zu werden", räumt Piastri ein. Nach Zandvoort hatte er 34 Punkte Vorsprung auf Lando Norris und 104 auf Max Verstappen gehabt. Neun Wochenenden später beendete er die Saison 13 Punkte hinter Norris und 11 hinter Verstappen. Besonders die 115 auf Verstappen verlorenen Punkte muten absurd hoch an.

Diese letzten neun Rennen waren eine Ansammlung an Pleiten, Pech und Pannen gewesen. Fahrerisch enttäuschte Piastri in Austin und Mexiko, wo er sich plötzlich nicht mehr in der Lage sah, den McLaren am Limit zu bewegen. Dazu kam eine Serie an Unfällen, die fast alle entweder komplett selbst verschuldet oder durch riskante Manöver im Mindesten teilverschuldet worden waren.

Oscar Piastri: Fahrfehler & Fahrstil als volle Problem-Packung für 2026

"Bei ein paar Dingen in Austin und Mexiko war ich auf technischer und fahrerischer Seite früher in der Saison nicht so gefordert worden", rekapituliert Piastri erst einmal. Die beiden Wochenenden hatten eine Schwäche von ihm bei niedrigen Grip-Verhältnissen plötzlich offengelegt.

Dabei war Piastri oft mehrere Zehntel pro Runde langsamer als Norris. "Daraus war etwas zu lernen", versichert er heute. Die Lücke war dadurch auch noch aufgeblasen worden, dass Norris auf solchen Strecken besonders stark ist. Bonus für Piastri: Er kann die Daten seines Teamkollegen einsehen. Und er hat in den letzten Jahren mehrfach gezeigt, dass er auf Strecken, die ihm nicht liegen, mit mehr Erfahrung die Wende schaffen kann.

F1 2026: 11 Teamduelle – wer überrascht, wer dominiert? (59:28 Min.)

Dann kommen die zahlreichen Fahrfehler in den letzten Rennen. Vielleicht angetrieben durch ein anfangs unbewusstes Nervenflattern, ausgelöst durch wiederholte Zwischenfälle mit Norris auf der Strecke und permanent wechselnde Teamorder-Vorgaben nach diesen Zwischenfällen, während der WM-Vorsprung immer schneller schmolz? Schließlich hatte Piastri am Ende des Jahres schon eingeräumt, dass ein angeordneter Platztausch in Monza ihn in Baku - wo er zweimal crashte - mental noch beschäftigt hatte.

"Ich denke, da lassen sich Lektionen mitnehmen, wie ich diese Dinge besser managen kann, und wie wir als Team diese Dinge besser managen können", meint Piastri. "Das ist wohl eine der wichtigsten Lektionen für mich." Wichtiger als seine eigenen Fahrstil-Probleme. Die waren schließlich nur in zwei Rennen wirklich akut.

Piastri prognostiziert Schritt vorwärts: In der Vergangenheit schon gezeigt

"Ich denke, ich habe viel gute Arbeit verrichtet, um davon zu lernen, und das Team ebenfalls", glaubt Piastri und impliziert, dass die langen McLaren-Debatten um Teamorder und dergleichen, selbst wenn sie nie in Streit mündeten, im Mindesten zu viele Ressourcen beanspruchten. "Ja, wir werden ein paar Dinge bei diversen Aspekten anpassen. Ihr denkt natürlich jetzt daran, wie wir [team-intern] Rennen fahren. Aber da geht es auch einfach um den Performance-Aspekt, den Aspekt des Zeit-Managements, da gab es viele Lektionen in diversen Bereichen."

Vom Aufrollen des ganzen Negativen will sich Piastri zugleich auf keinen Fall runterziehen lassen: "Man kann mit etwas Abstand sehen, wie gut das letzte Jahr verglichen mit meinen ersten beiden F1-Jahren war. Wie stark Auto und Team waren. Und auf ein paar meiner eigenen Leistungen bin ich richtig stolz."

"Letztes Jahr lag mein Performance-Sprung darin, dass ich alle Erkenntnisse und Werkzeuge aus meinen ersten zwei F1-Jahren öfter zusammengefügt habe", glaubt Piastri. 2025 hatte er nicht nur grundsätzliche Probleme mit der Renn-Pace verbessert, sondern auch auf einigen seiner vormaligen Problem-Strecken wie China und Barcelona bereits mit Siegen gezeigt, dass er Defizite nicht nur erkennen, sondern auch ausräumen kann.

2026 muss er das wieder schaffen. "Das ist natürlich das Ziel, und ich habe bewiesen, dass ich das kann", findet Piastri. "Jetzt muss ich das nur mit den neuen Autos und neuen Regeln schaffen. Das ist das größte Ding. Aber ich denke, ich habe eine gute Vorlage, wie ich effektive Änderungen umsetze." Auch andere wollen 2026 liefern - Kimi Antonelli zum Beispiel, der im folgenden Artikel hohe Ziele setzt: