Als Max Verstappen auf dem Hungaroring seinen RB21 startete, erreichte er einen Meilenstein in seiner Formel-1-Karriere. Der Große Preis von Ungarn markierte seinen 200. Grand-Prix-Start für Red Bull Racing. Nach Lewis Hamilton und Mercedes haben der Niederländer und der österreichische Rennstall die zweitlängste Partnerschaft der Formel-1-Geschichte - und auch eine der erfolgreichsten. Ein Rückblick auf 200 Rennen voller Höhenflüge, aber auch Tiefpunkte.

Aller Anfang ist schwer - außer bei Verstappen und Red Bull

Schon als Max Verstappen 2015 für Toro Rosso (heute Racing Bulls) an den Start ging, war klar, dass er nicht lange im Nachwuchsteam bleiben würde. In seinem zweiten Jahr wurde er nach nur vier Rennen ins Team von Red Bull Racing befördert. Mit sofortigem Erfolg: Bei seinem ersten Grand Prix in Dunkelblau kollidierten die beiden Mercedes-Piloten und Verstappen witterte seine Chance. Er konnte Kimi Räikkönen hinter sich halten und seinen ersten Sieg in der Königsklasse einfahren.

"Ich muss mich beim Team bedanken, dass sie mir so ein tolles Auto hingestellt haben", sagte der erst 18-Jährige damals. In dieser Saison holte er noch sechs weitere Podien für die Mannschaft aus Milton Keynes. Sein dritter Platz im Regenrennen in Brasilien wird heute noch als eines seiner besten Rennen angesehen und zementierte seinen Ruf als Regenmeister.

Dietrich Mateschitz war beim Heimsieg 2018 überglücklich und feierte mit seinem Rennstall, Foto: Red Bull Content Pool - Peter Fox
Dietrich Mateschitz war beim Heimsieg 2018 überglücklich und feierte mit seinem Rennstall, Foto: Red Bull Content Pool - Peter Fox

2018 fuhr Verstappen am Spielberg den ersten Heimerfolg in der 13-jährigen Team-Geschichte ein. "Es ist unglaublich, mit Red Bull auf dem Red Bull Ring zu gewinnen", freute er sich über seinen vierten GP-Sieg.

Erste Weltmeisterschaften: Der Start einer Ära

Nach vereinzelten Siegen und mehreren Podien in den Vorjahren fanden sich Verstappen und Red Bull 2021 in einem Titelkampf gegen Mercedes und Lewis Hamilton wieder. Der Konstrukteurstitel blieb ihnen zwar verwehrt, aber Verstappen krönte sich nach einem intensiven Duell bis zur letzten Runde zum Formel-1-Weltmeister. "Wir sind so stolz auf dich", meldete sich Teamchef Teamchef Christian Horner am Funk. "Ich liebe euch alle so sehr. Können wir das für weitere 10, 15 Jahre machen?", antwortete Verstappen euphorisch.

Im folgenden Jahr machte die britisch-österreichische Mannschaft der Formel-1-Welt klar, dass nun die Ära von Verstappen und Red Bull angebrochen war. Verstappen verteidigte nicht nur den Fahrertitel, sondern holte mit Red Bull auch den ersten Konstrukteurstitel seit 2013. Zu den Saisonhighlights zählte der Belgien Grand Prix. Verstappen, der von Startplatz 14 ins Rennen ging, übernahm bereits in der 18. Runde die Führung. Ein weiterer Höhepunkt war der Japan GP - im Regen holte sich Verstappen seinen zweiten WM-Titel.

Verstappens Team feiert jeden Weltmeistertitel großer Euphorie, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool
Verstappens Team feiert jeden Weltmeistertitel großer Euphorie, Foto: Getty Images / Red Bull Content Pool

Höhenflug und Bruchlandung

Es folgte der Formel-1-Zenit. Noch nie in der Geschichte der Königsklasse war eine Team-Fahrer-Kombination so dominant wie Red Bull und Max Verstappen in der Saison 2023. Von 22 Rennen stand nur ein einziges Mal kein Fahrer in Dunkelblau auf dem obersten Podestplatz, 19-mal war es Verstappen. Der Weltmeister brach in Monza seinen eigenen Rekord von neun Siegen in Folge, als er zum zehnten Mal als Erster über die Ziellinie fuhr.

Doch was hoch fliegt, muss auch wieder runterkommen. Nachdem Verstappen 2024 sieben der ersten zehn Grands Prix gewann, rutschte Red Bull in eine Abwärtsspirale, die sich bereits anbahnte. Interne Machtkämpfe und die Chat-Affäre um Christian Horner entzweiten das Team. Wichtiges Personal verließ Milton Keynes und Verstappens Vater Jos forderte öffentlich den Rücktritt des Teamchefs.

Gerüchte über einen Wechsel von Verstappen zu Mercedes kamen auf, während die Performance des RB20 immer mehr absackte. Nur wegen des Vorsprungs aus der ersten Saisonhälfte und einer meisterhaften Aufholjagd in Brasilien konnte Verstappen siegreich aus dem Duell mit Lando Norris gehen und sich ein viertes Mal Weltmeister nennen.

Nicht mehr "Simply lovely", aber trotzdem zusammen

2025 ist die Red-Bull-Dominanz von 2023 Geschichte. Der RB21 ist schwer zu bändigen, Verstappen fährt den überlegenen McLarens lediglich hinterher. Nach dem Ungarn GP fehlen ihm 97 WM-Punkte auf Spitzenreiter Oscar Piastri. Seinen fünften Weltmeistertitel hat er schon längst abgeschrieben.

Auch intern brodelte es weiter. In der Folge wurde Teamchef Christian Horner nach dem Heimrennen in Silverstone vor die Tür gesetzt. Der Performance-Abfall und die wieder aufgekochten Gerüchte um einen Verstappen-Abgang ließen nicht lange rätseln, warum Horner seinen Schreibtisch nach 25 Jahren räumen musste.

Verstappen und Red Bull konnten 2025 aber auch Erfolge verzeichnen: Zwei Grand-Prix-Siege, drei Podien, vier Pole Positions und ein Sprint-Sieg sind keine schlechte Bilanz. Aber nach den Rekord-Saisonen fühlt es sich vermutlich alles andere als befriedigend an.

Zumindest bestätigte Verstappen zuletzt, dass er auch 2026 für Red Bull fahren wird. Zu den 200 gemeinsamen Rennstarts werden also noch weitere dazukommen. Bleibt er dem Team noch bis zum Ende seiner Vertragslaufzeit im Jahr 2028 erhalten, werden sie den Rekord von Lewis Hamilton und Mercedes (248 gemeinsame Rennen) übertreffen.

Erfolgspartnerschaft von Max Verstappen mit Red Bull in Zahlen

  • Rennen: 200
  • Weltmeistertitel: 4
  • Konstrukteurstitel: 2
  • Siege: 65
  • Podien: 117
  • Pole Positions: 44
  • Schnellste Rennrunden: 34
  • WM-Punkte: 3.159,5

Wichtigste gemeinsame Rekorde:

  • Jüngster Grand-Prix-Sieger: 18 Jahre und 228 Tage
  • Meiste Grand-Prix-Siege in einer Saison: 19 (2023)
  • Höchste Siegquote in einer Saison: 86,36 Prozent (2023)
  • Meiste Grand-Prix-Siege in Folge: 10 (Miami 2023 - Italien 2023)
  • Meiste Podien in einer Saison: 21 (2023)
  • Meiste Punkte in einer Saison: 575 (2023)
  • Meiste Führungsrunden in einer Saison: 1003 (2023)

Max Verstappen ist das beste, das Red Bull passieren konnte… oder? Im allerersten Motorsport-Magazin.com-Livetalk diskutiert unsere Redaktion: Max Verstappen - Segen oder Fluch? Jetzt hineinschauen!

Max Verstappen: Red Bulls größtes Problem? (31:34 Min.)