Max Verstappen hat überraschend einen sensationellen Spanien GP in Barcelona gewonnen. Gleich nach dem Start crashten die Mercedes-Piloten als Lewis Hamilton einen Konter gegen Nico Rosberg versuchte, aufs Gras geriet, sich drehte und den Deutschen mit ins Aus riss. Ausfall für beide Silberpfeile!

"Unakzeptabel", schimpft Niki Lauda. "Es kann nicht sein, dass beide Mercedes in Reihe eins stehen und sich dann gegenseitig in die Kiste rappeln", poltert der Mercedes-Aufsichtsrat. Die Stewards untersuchen den Zwischenfall nach Rennende. Für die versammelte Konkurrenz von Red Bull und Ferrari war der Crash natürlich die Chance schlechthin. Am besten zu nutzen wusste sie nach einem Strategie-Leckerbissen ausgerechnet Red-Bull-Debütant Verstappen, der sich sensationell zum jüngsten GP-Sieger der Geschichte kürte.

"Ich habe keine Worte dafür. Es ist unglaublich", jubelt ein stolzer Jos Verstappen mit Ozeanen von Tränen in den Augen. "Ich kann es nicht glauben", sagt Verstappen jr. selbst.

Das sagen Verstappen, Räikkönen & Vettel zum Rennen

Max Verstappen: "Es fühlt sich unglaublich an. Ich kann es gar nicht glauben. Ein großartiges Rennen! Ich muss mich beim Team bedanken, dass sie mir ein so tolles Auto hingestellt haben. Dass ich gleich beim ersten Rennen gewinnen kann - unglaublich. Ich muss mich auch bei meinem Dad bedanken. Er hat mir von Kinderbeinen an geholfen. Ich glaube er ist sehr stolz."

Kimi Räikkönen: "Ich freue mich für Max, bin aber ein bisschen enttäuscht für mich selbst. Ich habe alles gegeben, aber so ist der Rennsport. Gestern ist es nicht gelaufen, heute hatte ich einen schlechten Start. Dann war ich schnell, aber ich kam einfach nicht nah genug ran. In der schmutzigen Luft habe ich immer wieder den Abtrieb verloren. Ich habe es immer wieder probiert, aber es hat einfach nicht gereicht. Gestern haben wir aber gut gemacht - Zweiter und Dritter. Es es sind wichtige Punkte. Aber so nah dran gewesen zu sein macht es umso enttäuschender."

Sebastian Vettel: "Zu allererst einen riesigen Glückwunsch an Max. Tolle Leistung! Natürlich hätte wir uns gewünscht, da oben zu sein, aber es hat nicht gereicht. Wir haben alles probiert, mit der Stragegie und so. Aber es hat nicht funktioniert. Sich nach so einem Tag wie gestern so zu erholen ist aber gut. Guter Einsatz vom Team. Aber als Sportler müssen wir akzeptieren: Das ist Max' Tag heute."

Ein Podium für die Geschichtsbücher -, Foto: Sutton
Ein Podium für die Geschichtsbücher -, Foto: Sutton

Das Podium: Hinter Verstappen komplettierten Kimi Räikkönen und Sebastian Vettel das Podest. Daniel Ricciardo erlitt kurz vor Rennende direkt hinter Vettel liegend einen Plattfuß, rette dennoch Rang vier.

Die Punkteränge: Hinter dem galaktischen Top-Quartett komplettierten Valtteri Bottas, Carlos Sainz, Sergio Perez, Felipe Massa, Jenson Button und Daniil Kvyat die Top-10.

Der WM-Stand: Riesenrückschlag natürlich für Mercedes. "Wir haben 43 Punkte verloren", sagt Toto Wolff. In der WM bleibt Rosberg mit 100 Punkten natürlich weiter vorne, erster Verfolger ist jetzt allerdings nicht mehr Lewis Hamilton, sondern Kimi Räikkönen mit 61 Punkten. Hamilton rutscht mit 57 Zählern auf P3, Vettel ist Vierter mit 48 Punkten. Bei den Konstrukteuren robbt sich Ferrari bis auf 48 Punkte an Mercedes heran.

Das Wetter: Kaiserwetter in Spanien! Nachdem es in der Nacht geregnet hatte präsentierte Barcelona am Tag unter strahlend blauem Himmel. 22 Grad Lufttemperatur erhitzten den Asphalt auf bis zu 40 Grad.

Am Start zog Rosberg an Hamilton vorbei -, Foto: Sutton
Am Start zog Rosberg an Hamilton vorbei -, Foto: Sutton

Der Start: Super Auftakt für die Deutschen: Lewis Hamilton kam zwar gut weg, doch Nico Rosberg nutzte den langen Weg bis Kurve eins, um den Briten aus dem Windschatten außen herum zu überholen. Auch Sebastian Vettel machte zwei Plätze gut. Dann der Schock vor Kurve vier: Nach der ultraschnellen Linkskurve drei will Hamilton innen durch, Rosberg macht zu, Hamilton geht aufs Gras, aber nicht vom Gas - und dreht sich in Rosberg! Beide scheiden aus! Hamilton pfeffert das Lenkrad ins Kies, Rosberg die Handschuhe. Safety Car! Im Chaos zuvor hatte Ferrari wieder verloren.

"Lewis hat mit einem Kraftakt versucht, Rosberg zu überholen. Der Supergau ist eingetreten. Da müssen wir uns hinsetzten und in erster Linie mit Lewis sprechen. Rosberg ist vorn und verteidigt sich logischerweise. Der wird freiwillig keinen Platz machen", weist Niki Lauda die Schuld klar dem Weltmeister zu. "Es ist nicht so, dass man einem klar die Schuld zuschieben könnte", entgegnet Toto Wolff. "Aber Niki hat da als ehemaliger Fahrer seine Meinung. Da ist er instinktgetrieben und das ist auch richtig so. Insgesamt aber eine ganz schwierige Situation für das Team."

Besonnen gibt sich Dieter Zetsche. "Es ist jetzt eben so. Wir lassen sie gegeneinander rennen. Das ist das Einzige, was wir meiden müssen. Jetzt müssen wir in Ruhe schauen, was passiert ist und darüber reden", sagt der Daimler-Boss höchstpersönlich.

Der Re-Start: Keine Veränderung an der Spitze. Daniel Ricciardo behauptete die Führung vor Max Verstappen, Carlos Sainz, Vettel und Räikkönen.

Die Zwischenfälle: Neben des Mercedes-Crashs war zwar reichlich Rennaction geboten, allerdings kaum grobe Zwischenfälle. Einzig Romain Grosjean räuberte mit seinem Hass mal durch das Kiesbett. In Runde 44 rasselten zudem die beiden Sauber beinahe in Kurve eins zusammen. Zweir Runden vor Rennende platze Daniel Ricciardo ein Reifen.

Die Strategieschlacht: Alle Fahrer bis auf Rio Haryanto entschieden sich für einen Start auf den Softs. Den ersten Reifenwechsel nahm Felipe Massa im Williams schon in Runde acht vor, kurz darauf holten auch Sergio Perez und Daniil Kvyat die Mediums. In der Spitzengruppe eröffnete Sainz in Umlauf 11 die Boxenstopps - zuvor hatten ihn da schon die beiden Ferrari in Kurve eins überholt. Es folgten die Reifenwechsel Red Bulls, dann kam Räikkönen, zuletzt Vettel in Runde 15. Alle wechselten auf Medium. Die Reihenfolge blieb unverändert.

Red Bull und Ferrari lieferten sich ein strategisches Duell der Extraklasse -, Foto: Sutton
Red Bull und Ferrari lieferten sich ein strategisches Duell der Extraklasse -, Foto: Sutton

Auch der zweiten Reigen der Boxenstopps startete am Ende des Feldes. An der Spitze eröffnete derweil Ricciardo. Der Führende holte sich in Runde 29 einen Satz der Softs, in Umlauf 30 tat es ihm Vettel gleich - Undercut gegen Verstappen. Der Youngster blieb daraufhin länger auf der Strecke, um mit einer alternativen Strategie zu kontern. Genauso jedoch Räikkönen. Beide setzten jetzt auf nur zwei Stopps, während Ricciardo und Vettel die geplante Drei-Stopp-Strategie durchzogen.

Verstappen kam schließlich in Umlauf 35, viel hinter Vettel zurück. Räikkönen erbte eine Runde lang die Führung. Dann stoppte der Finne selbst. Beide holten den Medium. Doch plötzlich war auch Vettel wieder drin. In Runde 37 wagte er den Undercut gegen Ricciardo, holte beim dritten Stopp den Medium für die übrigen 29 Runden - nur eine gute Sekunde hatte das Duo kurz zuvor getrennt. Ricciardo kam in Runde 43 zum dritten Wechsel - auf Medium. Er fiel zurück auf P4.

Der Stand 20 Runden vor Rennende:
1. Verstappen (12 Runden alte Mediums)
2. Räikkönen (+1 Sek., 10 Runden alte Mediums)
3. Vettel (+8 Sek., 8 Runden alte Mediums)
4. Ricciardo (+13 Sek., 2 Runden alte Mediums)

Entsprechend lieferten sich Räikkönen und Verstappen eine zwanzig Runden lange Windschattenschlacht mit großen Vorteilen beim Herausbeschleunigen für Verstappen. Trotz DRS fehlten Räikkönen am Ende der langen Geraden immer die entscheidenden Meter für einen Angriff. Doch auch dahinter entwickelte sich mit leichter Verzögerung genau dasselbe Duell zwischen Vettel und Ricciardo. In Runde 58 attackierte der Australier in Kurve eins, Vettel musste leicht neben die Strecke, fluchte in den Funk, blieb aber vorn. Dasselbe Bild vorne: Verstappen ließ sich sein erstes F1-Podium gleich mit dem Sieg nicht mehr nehmen.

Die Ausfälle: Neben Rosberg und Hamilton in Runde eins schied Nico Hülkenberg nach exakt einem Renndrittel wegen eines Öllecks an seinem Force India aus. In Runde 47 gab der Honda im McLaren von Fernando Alonso seinen Geist auf.

Die Analyse: Wenn Mercedes patzt muss Ferrari da sein. Zumindest in Barcelona war es die Scuderia aber nicht. Stattdessen Red Bull, das auf Augenhöhe mit Ferrari kämpfte, sich dank des besseren Qualifyings aber durchsetzte. Auf die Bullen muss Ferrari absofort richtig aufpassen.

Die Top-Facts des Rennens

  • Mercedes-Doppelausfall nach Crash vor Kurve vier
  • Erster F1-Sieg für Max Verstappen
  • Jüngster GP-Sieger der F1-Geschichte (18 jahre 7 Monate 15 Tage)
  • Erstes Podium = Erster Sieg für Verstappen
  • Zehnter verschiedener Barcelona-Sieger in Folge
  • Spannende Strategie-Schlacht Ferrari vs. Red Bull
  • Ausfall für Nico Hülkenberg nach Defekt