Nach einem eindrucksvollen Formel-1-Saisonauftakt 2023 hatte sich Aston Martin zur Sommerpause ins Mittelfeld zurück manövriert. Mit zahlreichen Updates versuchte der britische Rennstall, auf den Klassenprimus Red Bull aufzuholen, doch die Entwicklungen erzielten nicht den gewünschten Effekt. Nun gab das Team zu, dass es falsch war, die Updates in der Öffentlichkeit zu testen.

Aston Martin: Update-Plan war zu aggressiv

Aston Martin-Fahrer Lance Stroll
Die Aston-Martin-Updates vor dem USA GP waren nur mäßig erfolgreich, Foto: LAT Images

Das Drama begann beim USA GP: Aston Martin hatte versucht, auf die falsche Entwicklungsrichtung der letzten Monate zu reagieren und reiste in Austin mit dem nächsten Update-Paket an. Gewagt, da den Teams an einem Sprint-Wochenende nur eine Trainingseinheit zur Verfügung steht. Damit hatte der britische Rennstall ohnehin nur wenig Zeit, die neuen Teile zu prüfen.

"Wir wussten, dass es aggressiv war, einige der Testteile zum Sprint-Event nach Austin zu bringen", meinte Tom McCullough, Chefingenieur von Aston Martin. Das britische Team befand sich damit bereits in einer kniffligen Ausgangslage: "Leider hatten wir dann ein paar Probleme mit den Bremstemperaturen und konnten nicht das Beste aus der Session [1. Freies Training, Anm. d. Red.] herausholen. Das hat uns ins Hintertreffen gebracht, weil wir ein Auto mit einer ganz anderen Charakteristik hatten und verstehen mussten."

Im Qualifying war das Schicksal des Teams besiegelt, der Update-Plan hatte sich endgültig als Fehlentscheidung entpuppt: Fernando Alonso und Lance Stroll wurden in Q1 eliminiert. Für Setup-Experimente wurde dann sogar das komplette Rennen geopfert: Wegen des Parc-fermé-Bruchs waren beide Piloten gezwungen, aus der Boxengasse zu starten.

Aston Martin: Öffentliche Tests waren ein Fehler

Aston Martin-Fahrer Fernando Alonso
In Mexiko folgte für Aston Martin der nächste Update-Test, Foto: LAT Images

"War es ein bisschen zu aggressiv, diese Teile zu einem Sprint-Event mitzubringen? Wir haben viel darüber diskutiert. Hätten wir ein sauberes erstes Training gehabt, hätten wir wohl gesagt, dass es das Beste war, was wir je getan haben. Aber das hatten wir nicht", so Tom McCullough. Doch Aston Martin gab nicht auf: In Mexiko gingen die Testspielchen weiter, diesmal standen dem britischen Rennstall sogar die drei üblichen Trainingssessions zur Verfügung.

Alonso fuhr mit der neuen Spezifikation, Stroll wechselte auf die Alte. Eigentlich hätte das Experiment Vergleichsdaten liefern sollen, jedoch mussten beide Fahrer ihren AMR23 aufgrund von Schäden vorzeitig in der Box abstellen. Brauchbare Werte blieben somit auch am zweiten Testwochenende aus. "Wir haben uns wirklich bemüht, für das nächste Jahr einige große Tests durchzuführen, was wir auch getan haben. Jetzt haben wir alle Daten in der Tasche", meinte der Chefingenieur.

Trotzdem bereut der Rennstall die Entscheidung, die Forschungs- und Entwicklungsarbeiten vor den Augen der Öffentlichkeit betrieben zu haben. "Wir haben vor euch an zwei Rennwochenenden etwas zu viel Forschungs- und Entwicklungsarbeit geleistet, was im Nachhinein vielleicht nicht das Richtige war", gab McCullough zu.

Aston Martin: Neue Strategie für Formel-1-Saison 2024

2024 will Aston Martin keine Forschungs- und Entwicklungstest an einem Sprint-Wochenenende machen, Foto: Aston Martin
2024 will Aston Martin keine Forschungs- und Entwicklungstest an einem Sprint-Wochenenende machen, Foto: Aston Martin

Die Updates kamen zur falschen Zeit, am falschen Ort: Nochmal will Aston Martin diesen Fehler nicht wiederholen. Tom McCullough hofft deshalb auf eine bessere Planung: "Dieses Wissen werden wir ins nächste Jahr mitnehmen. Wir müssen darauf achten, wann die Sprints sind, um die Updates darauf abzustimmen."

Aston-Martin-Teamchef Mike Krack fügte hinzu: "Wir wollten für nächstes Jahr so viel wie möglich lernen. Natürlich opfert man dann die Ergebnisse ein wenig." Zufrieden ist der britische Rennstall trotzdem. "Der Lernprozess, den wir als Team durchlaufen haben, um zu verstehen, wie wir das Beste aus dem diesjährigen Auto herausholen können, aber vor allem, um die Daten zu bekommen, die wir für die Entwicklung im nächsten Jahr brauchen, war sehr wertvoll für uns", meinte McCullough.

Ob Aston Martin 2024 an den erfolgreichen Saisonstart 2023 anknüpfen kann und wieder zum Red-Bull-Verfolger wird, wird sich zeigen. In unserem Video hat Christian die Chancen von vier Hoffnungsträgern, unter anderem auch von Aston Martin, noch einmal genau unter die Lupe genommen:

Ferrari oder Mercedes: Wer kann Red Bull 2024 schlagen?: (14:44 Min.)