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Formel 1, Motoren-Reglement 2022: Abstimmung am Montag

Eine Entscheidung im Motoren-Streit steht unmittelbar bevor. Der Entwicklungsstopp soll mit dem ersten Rennen der Formel-1-Saison 2022 kommen.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Seit Honda den Formel-1-Ausstieg nach der Saison 2021 angekündigt hat, befindet sich die Königsklasse in einer mittelschweren Krise. Mit Red Bull und AphaTauri stehen zwei Teams vorerst ohne Motoren für 2022 da.

Zwar bietet das Reglement inzwischen einen Fallschirm, der sicherstellt, dass jedes Team, das in der Formel 1 fahren will, auch einen Motor bekommt. So recht anfreunden mag sich ein Rennstall wie Red Bull damit aber nicht. Man will nicht dazu gezwungen werden, zum ungeliebten Ex-Motorenpartner Renault zurückkehren zu müssen.

Deshalb bearbeiten die Bullen seit der Honda-Entscheidung den Automobilweltverband. Red Bull will die Entwicklung der Motoren einfrieren, damit man den Honda-Motor weiterhin in Eigenregie einsetzen kann.

Wie Motorsport-Magazin.com erfuhr, soll in den nächsten Tagen eine Entscheidung fallen. Am Montag will die FIA einen Vorschlag für den Motoren-Freeze aussenden, über den dann in einem E-Voting abgestimmt werden soll.

Saisonauftakt 2022 Homologations-Deadline für Motoren

Konkret geht es darum, die Motoren mit Stand des ersten Rennens 2022 einzufrieren. Honda steigt zwar Ende 2021 aus, soll aber für Red Bull noch einen Motor für die Saison 2022 entwickeln. Offene Fragen zwischen Red Bull und Honda für den Einsatz in Eigenregie wurden inzwischen geklärt.

Mit einem Entwicklungsstopp Anfang 2022 könnte die Formel 1 auch wie geplant den Bio-Anteil im Benzin von 5,85 auf 10,0 Prozent erhöhen. Dafür sind Anpassungen am Verbrennungsmotor nötig. Für die Hersteller birgt das aber auch Risiken.

Was, wenn sich ein Hersteller bei den Anpassungen verrennt? Der Schritt ist zwar nicht besonders groß, doch die Klopffestigkeit des 2022er Benzins wird naturgemäß niedriger sein. Die Haltbarkeit der Motoren könnte darunter leiden.

Für den Fall, dass die Konkurrenzfähigkeit der vier Motorenhersteller stark divergiert, braucht es einen Plan. Nachhomologieren funktioniert bei Red Bull nicht, weil dafür wieder eine Entwicklungsabteilung nötig wäre. Wie konkret der Vorschlag der FIA diesbezüglich aussieht, ist nicht klar.

Formel 1, Toto Wolff: Ferrari-Vorschlag eine Beleidigung!: (12:02 Min.)

Einer Balance of Performance erteilte Mercedes Motorsportchef Toto Wolff schon eine deutliche Absage. Red Bull könnte sich hingegen damit anfreunden. Eine Leistungsangleichung könnte zum Beispiel über den Benzinfluss erfolgen.

Red Bull braucht noch vier Stimmen

Für die Abstimmung, deren Ergebnis spätestens Mitte nächster Woche erwartet wird, ist laut Regierungsstruktur des neuen Concorde Agreements eine 'einfache Mehrheit' nötig. Erst ab Mai wäre eine sogenannte Super-Mehrheit für das Verabschieden neuer Regeln für das kommende Jahr nötig.

Einfache Mehrheit klingt selbsterklärend, ist es aber nicht. Sowohl FIA als auch der Kommerzielle Rechteinhaber müssen einer Änderung zustimmen. Beide halten je zehn Stimmen. Weitere zehn Stimmen halten alle zehn Teams zusammen. Mindestens fünf Teams müssen einer Änderung zustimmen. Gemeinsam mit FIA und Formel 1 würden somit mindestens 25 Stimmen erreicht, die für eine einfache Mehrheit nötig sind.

Weil es sich aber um Änderungen am Motorenreglement handelt, werden auch die Motorenhersteller mit in die Entscheidung eingebunden. Jeder Hersteller hält je eine Stimme. Somit gibt es insgesamt 34 Stimmen. Die einfache Mehrheit wird mit 27 Stimmen erreicht.

Heißt: Wenn FIA und Formel 1 der Änderung zustimmen, wovon auszugehen ist, braucht es noch mindestens sieben Stimmen aus den zehn Teams und den vier Motorenherstellern. Drei Stimmen halten Red Bull, AlphaTauri und Honda. Fehlen noch vier, um die Änderung durchzusetzen. Ferrari zeigte sich zuletzt nicht abgeneigt von der Idee, Mercedes ist prinzipiell auch für eine Einfrierung, will aber keine BoP.

Ferrari: Motoren-Angleichung keine Balance of Performance

Ferrari Teamchef Mattia Binotto nimmt seinem Kollegen die Angst. "Ich glaube nicht, dass es eine Balance of Performance ist", stellt Binotto gegenüber Motorsport-Magazin.com klar. "Denn das Ziel ist es nicht, alle Hersteller auf das gleiche Performance-Level zu bringen. Deshalb ist es mehr eine Motoren-Angleichung. Die Angleichung ist ein Weg, einem Hersteller zu helfen, wenn er bei der Performance wirklich weit hinter den anderen zurück ist", erklärt Binotto. "Wenn wir diesem Hersteller helfen, sollten wir ihn aber nicht auf das Level des besten Herstellers bringen. Er soll aufholen und auf einem niedrigeren Level als die anderen sein, aber nicht mehr zu weit weg."

Die Entscheidung über den Freeze steht und fällt mit dem zukünftigen Motoren-Reglement. Das sollte ursprünglich 2026 kommen. Doch die Formel 1 will es auf 2025 vorziehen. Abhängig vom Start einer neuen Reglement-Periode sollen die Motoren ohnehin eingefroren werden, um eine Doppel-Entwicklung zu verhindern. Ferrari macht sein Votum vom Zeitpunkt der neuen Motoren-Generation abhängig.


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