Das hatte sich Max Verstappen garantiert anders vorgestellt. Das Formel-1-Rennen in Barcelona brachte ihm nach einer Strafe infolge einer Kollision mit George Russell nur einen einzigen Punkt ein. Der Weltmeister lief etwas zu heiß, als er nach dem finalen Restart mit harten Reifen auf verlorenem Posten stand.

Zunächst ärgerte er sich am Funk über eine Berührung mit Charles Leclerc auf der Start-Ziel-Gerade, anschließend gab es einen weiteren Kontakt mit George Russell in Kurve 1, wodurch Verstappen in die Auslaufzone schlitterte. Den Platz gegen Russell büßte er nicht ein, ließ den Mercedes-Piloten allerdings drei Runden vor Schluss vorbei.

Verstappen vs. Russell eskaliert: Nur ein Missverständnis?

Dabei eskalierte allerdings die Situation, denn direkt nachdem Russell nach Kurve 4 vor ihm war, attackierte der F1-Weltmeister in Kurve 5 mit einem späten Bremsmanöver und fuhr dem Briten in die Seite. Red-Bull-Motorsportberater Dr. Helmut Marko stärkte nach dem Rennen seinem Fahrer den Rücken. "Wir müssen das den Stewards und den Beteiligten überlassen, aber ich hätte das eher als Rennunfall gesehen", sagte Marko, der bei dem misslungenen Platztausch von einem "Missverständnis" sprach.

Die Rennkommissare sahen das allerdings nicht so und verteilten eine 10-Sekunden-Strafe an die Adresse von Verstappen. Dieser war zunächst der fünften Position über die Linie gefahren, nachdem er Russell beim zweiten Anlauf dann doch vorbeigelassen hatte. Marko erklärte seine Sicht auf das Verhalten von Verstappen: "Es war so eine aufgeheizte Situation. Es ist klar, dass er verärgert ist, wenn er da so kämpft. Bis zur Safety-Car-Phase war er ja gut unterwegs und dann statt dem Podium ist es nur P5."

Max Verstappen im Red Bull
Verstappen erlebte keinen guten Sonntag in Barcelona, Foto: IMAGO / ANP

"Ein sehr ernüchterndes Wochenende" bilanzierte Marko den Spanien-GP für Red Bull. Dass Verstappen überhaupt erst in diese Situation geriet, in der er im Rennfinale hilflos auf den falschen Reifen der schnelleren Konkurrenz ausgesetzt war, lag an einer mutigen Strategie-Entscheidung von Red Bull, die auf eine drei Stopps gezockt hatten.

Red Bull wird für mutige Strategie bestraft: Katastrophen-Reifen kostet Verstappen

Es war wohl die einzige Chance, um McLaren bei diesem Formel-1-Rennen in Gefahr zu bringen. Auch wenn die Papayas genügend Pace-Vorteil hatten, um Verstappen auf P3 hinter sich zu halten, zahlte es sich auf dem Papier aus. Allerdings eben nur bis zu jenem Moment, in dem durch den Ausfall von Kimi Antonelli ein Safety Car auf die Strecke kam und ein Boxenstopp unumgänglich wurde.

Durch die 3-Stopp-Strategie stand Red Bull mit dem Rücken zur Wand: "Für diesen Fall [die 3-Stopp, d. Red] hatten wir noch Reifen gehabt, aber mit dem Safety Car war klar: Wenn du da nicht reifenmäßig etwas machst, wirst du aufgeschnupft. Wir hatten aber nur einen harten Reifen und dieser war in der Aufwärmphase und allgemein vom Speed her eine Katastrophe."

Dass der harte Pneu an diesem Wochenende keine gute Wahl war, war schon seit Freitag bekannt. Die Teams vermieden ihn deshalb im Rennen tunlichst. Verstappen hatte jedoch schon alle anderen neuen Reifen im Rennen aufgebraucht und auch zwei gebrauchte Soft-Sätze aus dem Qualifying schon verheizt. Die einzige Alternative zum harten Reifen wäre ein weicher Satz mit einer Laufleistung von sieben Runden gewesen. Hätte man diesen aufstecken müssen? "Wenn man gewusst hätte, dass der Hard so schlecht ist, ja", antwortete Marko.