Formel 1

Renaults Formel-1-Selbstkritik: Eigene Ziele unerreichbar?

Renault steht vor der Formel-1-Saison 2020 vor einer erneuten Mittelfeld-Kampagne. Teamchef bedauert unerreichbare Erwartungen - neue Saison moderater.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Renault tut sich seit ihrer werksseitigen Rückkehr in die Formel 1 2016 schwer, Fuß zu fassen. Von der angepeilten Spitze des Feldes sind die Franzosen nach vier Jahren immer noch weit weg, der Sprung aus dem Mittelfeld erwies sich mit diesem Zeitrahmen als nicht zu schaffen.

Schlimmer noch: 2019 machte Renault einen Schritt zurück. Vor der Saison wurde davon gesprochen, WM-Vierter zu werden und den Abstand zur Spitze zu verkürzen. Stattdessen versankt das Team, selbst mit Daniel Ricciardo als neuem Topfahrer, wieder im Mittelfeld. Schlechte Zuverlässigkeit und eine schlechte Entwicklungsrate waren ihr Untergang. Teamchef Cyril Abiteboul erkennt vor der neuen Saison nun, dass es eine ganz neue Ausrichtung bei den Zukunfts-Vorstellungen braucht.

Renaults F1-Projekt kassiert 2020 Dämpfer

"Ich hoffe, dass wir in allen Aspekten gelernt haben", sagt ein moderater Abiteboul im Rahmen der Präsentation des neuen Renault R.S.20 in Paris. "Wir haben vor allem beim Managen von Erwartungen gelernt. Da mussten wir besser werden. Dabei geht es nicht nur um mich, sondern um alle Beteiligten des Projektes."

Einst, beim Einstieg 2016, träumte Renault vom ersten Sieg in drei bis fünf Jahren, und vom WM-Kampf danach. Dass aus dem Sieg nichts wird, ist offensichtlich. Selbst am Podium für 2020 ist zu zweifeln. "Wir müssen, denke ich, besser darin sein, uns ein Ziel zu setzen, das wir erreichen können", gibt Abiteboul zu. "Denn es gibt nichts Schlimmeres als sich ein Ziel zu setzen, das schon verloren ist, bevor du überhaupt angefangen hast. Das ist richtig schlecht für Mindset und Zukunft."

Renault: Neue Formel-1-Ziele mit neuem Personal

Im Vorjahr stolperte Renault in der Formel 1 nach hoffnungsvollem Winter von einer Kalamität in die nächste. "Die zweite Lektion ist, dass du ein gutes Paket haben kannst, aber nicht in der Lage bist, es auf der Strecke auch mit einer guten Rate umzusetzen", erinnert sich Abiteboul zurück an vielseitige Fehler strategischer und technischer Natur.

Und weiter: "Das nächste ist, dass du gute Aero-Entwicklungen für eine gewisse Zeit haben kannst, und es dann einfach aufhört. Das ist im Vorjahr passiert. Im Winter sah es sehr gut aus, aber dann hörte es einfach auf, weil das Aero-Konzept ein Limit hatte. Und das bringt mich wieder zum ersten Punkt zurück: Vorsichtig mit Erwartungen zu sein."

Renaults R.S.20 für die neue Saison blieb noch im Verborgenen - Foto: Renault F1 Team

2020 will das Team dank neuer Regeln etwas mehr experimentieren, schraubt aber dafür die Ansagen herunter. Mit einher geht das mit den personellen Veränderungen: Von der Ursprungs-Führungsriege aus 2016 sind nur noch Abiteboul und Motorenchef Remi Taffin übrig. Cheftechniker Bob Bell trat 2018 kürzer, und Chassis-Leiter Nick Chester nahm nach der Enttäuschung von 2019 seinen Abschied.

Renault blickt bereits auf 2021

Auch solche Umstrukturierungen kosten Nerven, Ressourcen und erfordern moderate Auslegung der Ziele von Seiten Renaults für die Formel-1-Saison 2020. "Es wird der Kampf um Platz vier", sagt Abiteboul und warnt zugleich vor der starken Konkurrenz. Auf die leichte Schulter werden die nicht mehr genommen.

"Das nächste Ziel in diesem Jahr ist dann, so früh wie möglich den Fokus auf 2021 zu wechseln", meint Abiteboul. Dafür sind die neuen Techniker da, für die Zukunft. Der R.S.20, das Auto der Gegenwart, wurde noch vom Team des Vorjahres entwickelt. "Die nächste große Gelegenheit für uns ist der Zyklus ab 2021", hofft Abiteboul also auf die neuen Formel-1-Regeln. Zielansagen dazu macht er keine.


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