Formel 1

Formel 1, Verstappen verzweifelt im Qualifying: Sch*** drauf!

Max Verstappen stand in Abu Dhabi mit den Reifen auf Kriegsfuß. Fürs Rennen ist er trotz Hypersoft optimistisch. Kein Nachteil gegenüber Ultrasoft-Gegnern.
von Florian Becker

Motorsport-Magazin.com - Max Verstappen war unmittelbar nach dem Qualifying der Formel 1 in Abu Dhabi alles andere als glücklich. Als einziger der Top-Piloten hatte er es nicht auf dem Ultrasoft ins Q3 geschafft, wo er schlussendlich auch eine selten gewordene Niederlage gegen Teamkollege Daniel Ricciardo hinnehmen musste. Für den Niederländer im Nachhinein aber alles nur halb so wild.

"Das war eine natürliche Reaktion", relativiert er gegenüber Motorsport-Magazin.com, dass er sein Qualifying im Funk zunächst als "verdammtes Desaster" bezeichnet hatte. "Ich hatte das Auto verloren, war kurz neben der Strecke und deshalb enttäuscht, dass ich die Runde nicht zu Ende fahren konnte. Das war nur im Eifer des Gefechts."

In Mexiko war Verstappen trotz eines zweiten Platzes deutlich angefressener, als es im Qualifying nicht perfekt für ihn lief. In Abu Dhabi war er deutlich entspannter. Dass es an diesem Samstag nicht für die große Sensation reichen würde, hatte er längst auf dem Schirm. "Im Nachhinein war alles gut. Es war einfach nicht unser Qualifying. Ich konnte es sofort spüren, denn wir rutschten zu viel", sagt er.

"Dann versuchst du es natürlich weiter und es klappt einfach nicht. Erst war ich eine Zehntel vorne und es sah gut aus. Dann begann ich wieder zu rutschen und sobald ich sah, dass ich eine halbe Zehntel hinten war, dachte ich mir: sch*** drauf!" Die von Verstappen beschriebene Reifenproblematik ist für Red Bull durchaus ungewöhnlich, sind der 21-Jährige und der RB14 was Reifenmanagement angeht doch sonst vorbildlich.

Verstappen verzweifelt an den Reifen: Abu Dhabi zu heiß

"Ich denke, sie waren schon am Anfang zu heiß", sagt der fünfmalige Grand-Prix-Sieger. "Ich ging aus der Box und sie waren zu warm. Dann musst du noch langsamer fahren, und an einem Punkt kannst du dann deine Bremsen nicht mehr so anwärmen wie du es willst. Das beeinträchtigte alles ein bisschen." Ein Phänomen, das seiner Meinung nach dem Yas Marina Circuit geschuldet ist.

"Das Problem ist, dass auf dieser Rennstrecke die Temperatur so wichtig ist. Auf der Outlap fahren wir alle schon so langsam. Wenn sie am Anfang schon zu heiß sind, kannst du sie nicht so stark herunterkühlen. Du weißt dann schon, dass es im letzten Sektor für deine Reifen ziemlich schlimm wird", erklärt er.

Wie schwer sich Verstappen tat, wurde vor allem im Q2 offensichtlich. Wie die anderen Piloten versuchte er, sich auf dem Ultrasoft-Reifen für das letzte Segment zu qualifizieren. Auf Hamiltons Bestzeit verlor er dabei jedoch anderthalb Sekunden, sodass er am Ende als einziger Pilot dazu gezwungen war, auf Hypersoft noch eine Rundenzeit nachzulegen. Somit wird er im Gegensatz zur Konkurrenz auf dem weichsten Reifen ins Rennen gehen.

Verstappen mit Hypersoft zuversichtlich: Ultrasoft auch nicht so toll

"Im Moment sehe ich darin nichts Negatives", fürchtet er für den letzten Grand Prix des Jahres keinen Strategienachteil. Sein Reifen sollte eher den Gegner zu denken geben. "Sie werden besorgt sein, dass ich sie undercutte. Vielleicht ist es deshalb sogar ganz nett." Nett nicht nur für ihn selbst, sondern auch für das Team. Mit Ricciardo auf Ultrasoft kann Red Bull in Sachen Strategie anders als Mercedes und Ferrari zweigleisig fahren.

"Wenigstens haben wir beide Autos auf unterschiedlichen Reifen, so können wir andere Dinge probieren. Ich war mit dem Hypersoft auf den Longruns außerdem ziemlich gut unterwegs", sagt Verstappen, der die Fahrer auf Ultrasoft außerdem nicht unbedingt im Vorteil sieht.

"Der Ultrasoft ist auch nicht so ein toll zu fahrender Reifen. Ich muss es wahrscheinlich etwas anders angehen, aber sie werden den Ultrasoft auch managen müssen. Es ist nicht so, dass du damit Vollgas fahren kannst", glaubt er, Red Bulls Vorteil im Rennen auf dem Longrun mit Hypersoft doch noch ausspielen zu können.

Verstappen rechnet nicht mit Aufholjagd: Abu Dhabi ganz anders als Brasilien

"Du brauchst ein gutes Auto, um ein gutes Reifenmanagement exerzieren zu können. Mit dem Red Bull ist es einfacher, die Reifen im Griff zu haben. Das liegt an der besseren Traktion. Es ist einfacher, Schlupf zu kontrollieren. Aber du musst natürlich trotzdem sehr behutsam mit Lenkung, Bremse und Gas umgehen."

In Brasilien stürmte Verstappen trotz eher durchschnittlichem Qualifying im Rennen bis an die Spitze. Eine Wiederholung schließt er in Abu Dhabi aber allein aufgrund der Streckencharakteristik aus: "Die Strecke ist ganz anders als Brasilien. Du kannst hier nicht dranbleiben, da die Kurven dafür nicht gemacht sind. In Brasilien kannst du unterschiedliche Linien fahren und trotzdem in derselben Position sein. Hier sind es nur 90-Grad-Kurven, in denen du nur eine Linie fahren kannst."


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