Formel 1

Formel 1: Haas-Protest abgeschmettert, Force India ist legal

Haas schwärzt in Abu Dhabi Force India an, es geht um Millionen. Doch die Stewards erklären die Force-India-Boliden für legal. Eine kuriose Situation.
von Christian Menath

Motorsport-Magazin.com - Der Sachverhalt ist so kompliziert, dass die Entscheidung der Stewards acht DIN A4 Seiten füllt. 15.310 Zeichen sind nötig, die Entscheidung zu klären. Die Kurzversion: Beide Force-India-Boliden sind legal. Das ist die Antwort der Stewards auf den Haas-Protest in Abu Dhabi.

Was war passiert? Haas protestierte am Donnerstag in Abu Dhabi gegen Force India. Hintergrund des Protests sind hohe zweistellige Millionensummen. Als Haas 2016 als neues Team in die Formel 1 kam, erhielt der US-amerikanische Hersteller keine Antrittsgebühr aus der Kasse des Kommerziellen Rechteinhabers.

Darauf ließ sich Haas ein, weil es das Reglement so vorsieht. Antritts- und Preisgelder musste sich Haas erst in den nächsten Jahren verdienen. Racing Point Force India nicht, so die Meinung von Haas.

Denn Racing Point Force India ist nicht der Nachfolger von Sahara Force India, sondern ein neues Team. Diese Sichtweise vertritt nicht nur Haas, sondern auch die Regelhüter. Streng nach Regelbuch handelt es sich bei Racing Point Force India um einen neuen Teilnehmer.

Haas: Warum bekommt Force India Geld und wir nicht?

Als neuer Teilnehmer würden dem Team - wie Haas zu Beginn - ebenfalls keine Antrittsgebühren zustehen, argumentiert Haas. Doch um den Rennstall zu retten, gab es Zugeständnisse. Zugeständnisse auf der Seite des Kommerziellen Rechteinhabers und Zugeständnisse auf Seite der Teams.

Deshalb wurden Force India alle bis zur Sommerpause erreichten Punkte aberkannt, das neue Racing Point Force India musste in Spa von Null beginnen. An der Preisgeldausschüttung dürfe der Rennstall aber teilnehmen. Ein Kompromiss, um das Team zu retten.

Force India würde Geld vom Kommerziellen Rechteinhaber erhalten, aber weniger, weil die Position in der Konstrukteurs-WM für die Summe entscheidend ist. Durch den Verlust aller bis zum Belgien GP erzielten Punkte rutschte Force India in der Teammeisterschaft ab.

Doch Haas störte sich weiterhin daran - schließlich hatte man selbst beim Einstieg zunächst keinen einzigen Cent aus der Schatulle des Kommerziellen Rechteinhabers erhalten. Und deshalb protestierte der Rennstall in Abu Dhabi.

Kurios: Haas wirft Force India vor, Auto nicht selbst zu bauen

Gegen die Ausschüttung von Preisgelder kann man an einem Rennwochenende nicht formal protestieren - deshalb ging Haas einen anderen Weg. Man zweifelte die Legalität der Force-India-Boliden an.

Es ging nicht um technische Details, sondern um das Sportliche Reglement. Ein Rennstall muss die sogenannten 'Listed Parts' selbst entwickeln. Diese Regel verhindert, dass es in der Formel 1 komplette Kundenteams gibt. Monocoque, Aerodynamik und Crashstrukturen müssen von jedem Konstrukteur selbst entwickelt werden, dürfen nicht von einem anderen Team gekauft werden.

Doch genau das, so argumentierte Haas, hätte Racing Point Force India gemacht. Schließlich wurde der Bolide, mit dem das Team seit Spa antritt, nicht vom neuen Team entwickelt, sondern noch von Sahara Force India.

Eine besonders kuriose Situation, weil ausgerechnet Force India Haas oftmals vorgeworfen hatte, das Auto nicht selbst entwickelt zu haben. Haas ist Ferrari-Kunde und bezieht alle vom Reglement erlaubten Bauteile von den Italienern. Motor, Getriebe und Aufhängungen kommen komplett aus Maranello. Force India warf Haas unterschwellig vor, noch mehr von Ferrari zu beziehen.

Stewards entscheiden: Force India kein klassisches Kundenteam

Die Abu Dhabi Stewards sehen bei Racing Point Force India aber nicht den klassischen Fall eines Kundenteams. Denn Sahara Force India war kein Konkurrent im eigentlichen Sinne, heißt es in der Entscheidung. Auch das Outsourcen der Entwicklung und die Herstellung der Listed Parts ist im Reglement eingeschränkt. Doch das betrifft nach Interpretation der Stewards nicht alte oder ausgeschlossene Teams.

Wie es nun weitergeht, ist unklar. Haas hat formal das Recht, gegen die Entscheidung anzugehen. Die nötige Absichtserklärung hat Haas jedenfalls vorgelegt, wie Teamchef Günther Steiner auf Nachfrage von Motorsport-Magazin.com bestätigte. Das bedeutet allerdings noch nicht, dass Haas tatsächlich Einspruch erhebt, sondern ihn eben nur erwägt. Durch die Absichtserklärung haben die Juristen des Teams nun vier Tage lang Zeit, das umfassende Urteil genau zu studieren und sich zu beraten, ob tatsächlich Einspruch eingelegt werden soll.

Wichtig: Die Entscheidung der Stewards bezieht sich nicht direkt auf die Ausschüttung des Preisgeldes - es galt in diesem speziellen Fall lediglich zu klären, ob Racing Point Force India als Konstrukteur im eigentlichen Sinne gelten könne und ob die Autos folglich regelwidrig an den Start gebracht werden oder eben nicht.


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