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Formel 1 / Hintergrund

Formel 1 Japan 2018: 7 Schlüsselfaktoren zum Rennen in Suzuka

Sebastian Vettel steht in Suzuka vor einer schier unmöglichen Aufgabe. Welche Faktoren von Start bis Strategie jetzt perfekt passen müssen. Die 7 Schlüssel.
von Jonas Fehling

1. - S wie Startaufstellung

Lewis Hamilton steht beim Japan GP in Suzuka (Startzeit morgen 07:10 Uhr, live im TV bei RTL, ORF, SRF, im Stream bei F1 TV und im Live-Ticker von Motorsport-Magazin.com) zum insgesamt 80. Mal in seiner Formel-1-Karriere auf der Pole Position. Unmittelbar neben ihm in der Startaufstellung platziert sich Valtteri Bottas. Mercedes verfügt somit erneut über die beste Ausgangslage für das Rennen.

Das gilt insbesondere im direkten Vergleich mit Ferrari. Mit Kimi Räikkönen startet der erste Bolide aus Maranello gerade einmal von Platz vier, noch hinter dem Red Bull von Max Verstappen. Doch ausgerechnet für Sebastian Vettel reicht es nach einem katastrophalen Qualifying nur zum achten Platz - und das nur, weil sich Esteban Ocon eine Strafversetzung einhandelte. Damit bleibt übrigens Singapur das einzige Rennen der Saison, bei dem Qualifying-Ergebnis der Startaufstellung entsprach.

Zwischen Vettel und seinem so dringend nötigen Angriff auf Hamilton stehen somit auch noch der Haas von Romain Grosjean und die passend zum Honda-Heimrennen glänzend aufgelegten Toro Rosso von Brendon Hartley und Pierre Gasly. Sergio Perez und Charles Leclerc komplettieren die Top-10. Daniel Ricciardo startet nur von P15, Nico Hülkenberg noch einen Platz weiter hinten. McLaren entgeht nur durch den Unfall Marcus Ericssons der schmach der kompletten letzten Startreihe in orange.

2. - S wie Start

405 Meter trennen die Pole Position und damit Lewis Hamilton in Suzuka von der ersten Kurve. Eine vergleichsweise kurze Distanz. Eine kilometerlange Windschattenschlacht wie zuletzt in Sotschi fällt in Suzuka also aus. Stattdessen kommt es zum Sprit. Umso wichtiger ist ein guter Launch aus der Startbox. Genau hier lauert die Gefahr trotz der so guten Ausgangslage für Mercedes.

Anders als Räikkönen und Verstappen direkt dahinter haben sich die Silberpfeile im Q2 nämlich mit Soft-Reifen ins Q3 katapultiert. Somit verfügen der Ferrari und der Red Bull am Start über einen weicheren Gummi, also mehr Grip und bessere Traktion beim Start. "Wer weiß schon, was mit einem guten Start passiert?", richtet Verstappen daher so etwas wie eine kleine Kampfansage an Brackley. Umso mehr kommt es dort wieder auf Teamplay an. Mercedes-Teamchef Toto Wolff hat weitere Maßnahmen zur Unterstützung Hamiltons im WM-Kampf bereits angekündigt.

Doch sollte Mercedes noch aus einem anderen Grund gewarnt sein: Historisch ist die Pole in Japan weit weniger Sieggarant als anderswo. In weniger als der Hälfte aller Rennen in Suzuka (14/29) gewann der Polesitter auch den Grand Prix. Allerdings kamen weitere elf Siege vom zweiten Platz, sodass die Warnung mehr Hamilton als Mercedes gilt.

Vettel darf im Umkehrschluss ohnehin keine große Hoffnung aus der Statistik schöpfen. Nur einem einzigen Fahrer gelang in Suzuka ein Sieg von weiter hinten als Platz sechs im Grid: Kimi Räikkönen bei seiner berüchtigten Aufholjagd 2005.

3. - S wie Strategie

Der Start kann Sebastian Vettel nach vorne bringen, von P8 allerdings kaum nach ganz vorne. Daher bedarf es eines weiteren Faktors. Und der ist zuerst einmal immer die Strategie. Doch geschieht in Suzuka das Undenkbare? Gibt es mal mehr als eine Stopp. Pirelli zufolge nicht völlig absurd - trotz schwieriger Überholsituation der Strecke. Hintergrund sind die am Sonntag deutlich heißer erwarteten Bedingungen als zu jedem anderen Zeitpunkt des Wochenendes.

"Morgen erwarten wir einen heißen und sonnigen Tag, der den Reifen das Leben schwer machen wird. So gesehen sollte es ein interessantes Rennen werden, da niemand weiß, wie sie sich verhalten werden", warnt Mercedes leitenden Ingenieur an der Rennstrecke, Andrew Shovlin. Genau deshalb sieht sich Mercedes mit seiner Reifenwahl im Vorteil für alle Unwägbarkeiten. "Wir waren etwas überrascht, zu sehen, dass sowohl Red Bull als auch Ferrari die superweichen Reifen verwendet haben", so Shovlin.

"Wir glauben, dass der Soft-Reifen der beste Reifen für das Rennen ist", sagt Teamchef Wolff. "Er gibt uns viele Optionen: Damit kann man undcercutten und overcutten." Auch Haas glaubt an diesen Vorteil. "Auf dem Soft zu starten wird ein großer Vorteil gegenüber dem Supersoft sein, besonders mit den hohen Temperaturen morgen", meint Grosjean. Auch Magnussen will sich deshalb außerhalb der Top-10 dafür entscheiden.

Pirelli sieht es ähnlich, empfiehlt als schnellste Strategie eine Einstopp-Variante mit 25 Runden Soft und Schlussstint auf Medium. Alternativ - aber nur außerhalb der Top-10 noch möglich - erst 28 Runden Medium, dann Soft. Fast gleich schnell sei allerdings die Option, 20 Runden Supersoft zu fahren, danach Medium. Zwei Stopps sind unter dem Strich somit noch immer langsamer, auch wenn Mario Isola es nicht ausschließt:

"Die Vorhersagen sprechen von ziemlich anderen Bedingungen, sodass das ein paar Fragezeichen für die Strategien aufwirft. Die Team werden natürlich versuchen, mit einem Stopp über die Runden zu kommen. Aber die Streckenbedingungen könnten das nicht möglich machen", so Isola.

Noch dazu hatten die jüngsten Taifune in Japan den Asphalt derart malträtiert, dass die Makro-Rauheit zugenommen hat, was zu höherem Verschleiß führt. Schon am Freitag warf zudem so mancher Pirelli Blasen - bei noch kühlerem Wetter als für Sonntag eben erwartet.

Welche Rolle spielt in Suzuka das Wetter? - Foto: Red Bull

4. - S wie Sommerwetter statt Regenschauer

Doch was prognostiziert der Wetterbericht überhaupt genau? Mit dem Schauerwetter des bisherigen Wochenendes soll es auf jeden Fall so gut wie sicher vorbei sein. Ab elf Uhr Ortszeit - also schon etliche Stunden vor dem Start - fällt die Regenwahrscheinlichkeit dauerhaft auf maximal zehn Prozent. Schon in der Nacht zuvor liegt sie mit maximal 40 Prozent unter allen bisherigen Werten des Wochenendes. Das Gegenteil gilt für die Temperaturen. Mit bis zu 30 Grad Celsius soll der Rennsonntag so warm werden wie keine andere Session.

5. - S wie Safety Car

Das Wetter beeinflusst die Strategie - doch deutlicher greift ein Safety Car in alle Taktik-Spielchen ein. Wenn es denn kommt. In Sotschi etwa spekulierte Max Verstappen ewig lang darauf, ohne belohnt zu werden. Kommt es in Japan anders? Die Statistik spricht nicht unbedingt dafür. In den letzten fünf Jahren kam Bernd Mayländer nur drei Mal zum Einsatz, das entspricht eine Wahrscheinlichkeit von nur 40 Prozent. Doch könnte der nächste Faktor diese 2018 durchaus steigen lassen ...

6. - S wie Suzuka International Racing Course

Suzuka ist eine der letzten Rennstrecken der alten Schule im Formel-1-Rennkalender. Anspruch ohne Ende, Mutkurven und sogar noch Kiesbetten, die Fahrfehler auch wirklich bestrafen, wie 2018 in Training und Qualifying auffallend oft durch bereits eine Ausritte und gar Crashes zu sehen. Schon zwei rote Flaggen gab es an diesem Wochenende. Genau deshalb scheint das Safety Car wie oben beschrieben diesmal durch aus relevanter.

Die Fahrer versetzt all das übrigens in Ekstase, lässt sie nicht etwas klagen. Die Herausforderung lieben die besten Fahrer der Welt eben mehr als alles andere. Gleich mehrere Piloten nennen den Suzuka International Racing Course deshalb als ihre absolute Lieblingsstrecke, allen voran Sebastian Vettel. Esses, Degner, Spoon, 130R - Namen, die kein F1-Fan nicht kennt.

Mit den Downforce-Monstern von 2018 ist Suzuka noch dazu so schnell wie nie - nur die Mischbedingungen im Qualifying verhinderten einen neuen Streckenrekord. Lewis Hamilton ließ das bereits im Training völlig berauscht vor Glück im Cockpit jubeln. Eine absolute Fahrerstrecke also. Mehr als irgendwo anders sind die wichtigsten Siegfaktoren in Suzuka also noch immer ganz einfach Talent und Eier in der Hose.

7. - S wie Sieger

Lewis Hamilton auf Pole, direkt daneben Wingman Bottas, Sebastian Vettel halb im Nirgendwo. Was soll da noch schief gehen? Gute Frage. Auf dem Papier sieht schon vor dem Start in Suzuka alles klar aus. Der Top-Favorit kann nur Hamilton heißen. Im Longrun war Mercedes am Freitag überlegen, Bottas selbst ist auch kein Gegner. Nicht nur, weil er sowieso helfen soll, sondern auch, weil er anders als noch in Sotschi in Suzuka wieder klar im Schatten seines Teamkollegen steht.

Doch besteht schon am Start ein erstes Risiko (s.o.). Damit nicht genug. Mercedes traut dem Braten nicht. "Die Bedingungen sollen morgen viel wärmer sein und wir haben in Sotschi gesehen, dass sich das Kräfteverhältnis zwischen Samstag und Sonntag stark verändert hat. Deshalb bleiben wir skeptisch", mahnt Toto Wolff. Gleichzeitig bezeichnete er Vettels Ausgangslage jedoch auch alles ziemlich finster. Auch mit einem schnellen Auto werde es eben schwierig, wenn bei Mercedes mit einem Lewis Hamilton alles rund laufe.

Doch gibt es eben noch den anderen Ferrari. Kimi Räikkönen muss zwar erst einmal an Verstappen vorbei, doch sollte das gelingen, was dann? Räikkönen selbst sprach nach dem Qualifying von einer deutlichen Verbesserung bei Ferrari gegenüber dem ziemlich schwachen Freitag. Ob es zur Mercedes-Pace gereicht hätte, bezweifelte der Finne allerdings. Auch Vettel bestätigte diesen Eindruck. "Wir haben einen Schritt gemacht", meinte der Deutsche. "Es ist noch alles drin."

Trotz fünf Plätzen weiter vorne im Grid sieht Max Verstappen das etwas anders. "Wir haben Startplatz drei nicht erwartet, aber jetzt haben wir natürlich eine bessere Chance auf das Podium", sagt der Niederländer. Tatsächlich muss man Red Bull zumindest auf der Rechnung haben. Schlecht waren die Longruns nicht. Doch reicht das gegen Mercedes? "Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir kämpfen können", winkt Verstappen ab. Er glaubt, mit Ferrari mehr als genug zu tun zu bekommen: "Kimi startet hinter mir, er wird versuchen, mich unter Druck zu setzen, und Sebastian wird glaube ich durchs Feld kommen."


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