Formel 1

Grosjean in Japan auf P5: Vorteil für Haas dank Reifen-Poker

Romain Grosjean jubelt nach dem Formel-1-Qualifying in Japan über einen Startplatz in Reihe 3. Mit alternativer Strategie will Haas im Rennen groß punkten.
von Markus Steinrisser

Motorsport-Magazin.com - Romain Grosjean sicherte sich in Japan wieder mal einen Startplatz in den Top 10. Sogar zum zehnten Mal in Folge, seit dem Frankreich-GP war Grosjean bei jedem Rennen in Q3 dabei. Mit Platz fünf hat Haas die Konkurrenz im Mittelfeld wieder einmal ausqualifiziert.

Grosjean wird das Mittelfeld am Sonntag aber nicht nur in der Startaufstellung anführen. Haas versuchte im Qualifying von Japan einen Taktik-Kniff bei den Reifen. Ein Kniff, der für Grosjean aufging. Haas entschloss sich nämlich in Q2, volles Risiko zu gehen und Grosjean sowie Kevin Magnussen auf Soft- anstatt auf Supersoft-Reifen loszuschicken.

Damit wollte sich Haas für das Rennen einen Vorteil verschaffen. Die Top 10 müssen auf dem Reifensatz starten, mit dem sie sich in Q2 qualifiziert haben - und der Soft-Reifen soll im Rennen besser halten als der weichere Supersoft.

Haas mit Risiko in Q2: Soft für Grosjean und Magnussen

Die Mittelfeld-Gegner von Haas setzten im Q2 in Suzuka auf Supersoft-Reifen, die theoretisch schnellere Rundenzeiten hergeben. Im Normalfall schaffen es auch nur die drei Top-Teams, sich auf einer härteren Reifenmischung für Q3 zu qualifizieren. Trotzdem fuhr Romain Grosjean auf seiner ersten Runde die achtschnellste Zeit, schlug unter anderem Charles Leclerc und Carlos Sainz und qualifizierte sich vorläufig für Q3. Magnussen erwischte Verkehr und konnte nur die zwölftschnellste Zeit fahren.

Mehrere Fahrer außerhalb der Top 10 kamen danach noch einmal aus der Box, um ihre Zeit zu verbessern. Daraus wurde aber nichts, denn einsetzender Nieselregen machte die Strecke schmierig. Niemand konnte noch einmal schneller fahren, Grosjean blieb auf acht und rutschte so mit einer auf Soft-Reifen gefahrenen Runde in die Top 10.

Grosjean holt P5 im ersten Anlauf

In Q3 legte Grosjean noch einmal nach. Bei weiterhin feuchten Bedingungen hatten alle Fahrer nur eine Chance, eine schnelle Runde hinzulegen. "Das liebe ich", feiert Grosjean danach. "Du weißt, der Regen kommt und du hast nur eine Runde und alles muss passen." Danach war es zu nass für Slicks. Grosjean ließ hier nichts anbrennen und schlug Brendon Hartley um 0.263 Sekunden. Damit sicherte er sich Startplatz fünf.

Grosjeans direkte Konkurrenten Hartley, Pierre Gasly und Sergio Perez werden auf gebrauchten Supersoft starten müssen. "Auf dem Soft zu starten, das wird ein großer Vorteil gegenüber dem Supersoft sein, besonders mit den hohen Temperaturen morgen", glaubt Grosjean. Für den Renn-Sonntag sind in Japan bis zu 30 Grad Lufttemperatur vorausgesagt.

Magnussen mit Verkehr: Reifen-Trick geht nach hinten los

Ganz anders lief das Qualifying für Kevin Magnussen. Er versuchte wie Grosjean, sich auf Soft-Reifen für Q3 zu qualifizieren. Allerdings scheiterte er, wird nur von Platz zwölf losfahren. Er lief auf seiner schnellen Runde in Sektor 1 auf Gasly auf: "Ich bin hinter ihm gefahren, habe Abtrieb verloren und dann einen Fehler gemacht."

Magnussen ist deswegen übrigens nicht sauer auf Gasly: "In Sektor 1 ist es einfach unmöglich, aus dem Weg zu fahren." Seine Hoffnungen ruhen jetzt auf der freien Reifenwahl, die er als Zwölfter hat. "Ich werde morgen wohl auf dem Soft starten. Wir könnten dann einen Vorteil haben, wenn sich der Supersoft schnell auflöst."

Grosjean will Platz 5 halten - überholen in Suzuka schwer

Romain Grosjean hat viel höhere Ziele für den Japan-GP. Natürlich will er sich den Titel "Best of the Rest" holen, aber seiner Meinung nach ist auch Platz fünf nicht ausgeschlossen. Obwohl von hinten Daniel Ricciardo und Sebastian Vettel mit deutlich schnelleren Autos kommen.

"Ich weiß nicht, wie Daniel und Seb durchkommen werden, weil hier ist Überholen nicht einfach", erklärt Grosjean seinen Optimismus nach dem Qualifying. "Hoffentlich bleiben sie hängen. Dann bleiben wir hier." 2018 hat Grosjean schon einmal von den Fehlern der Top-Teams profitiert. In Österreich staubte er nach Defekten bei Mercedes und Red Bull sogar Platz vier ab.

Für Haas ist das die perfekte Ausgangssituation: Die WM-Rivalen von Renault starten von ganz weit hinten. Platz 13 nur für Sainz, und 16 für Hülkenberg. Punkte werden für die Renaults wie schon in Sotschi wieder schwer, damit kann Haas mit einem guten Ergebnis durch Grosjean am Sonntag Platz vier in der Team-WM übernehmen.


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