Formel 1

Formel 1: Hamilton berauscht von Suzuka, Wolff bremst Euphorie

Mercedes dominiert die Trainings zum Japan GP. Lewis Hamilton jubelt wie im Rausch über Suzuka. Perfekter Tag? Nur fast: Toto Wolff warnt vor Ferrari.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - "Die Strecke ist großartig! Das ist der beste Tag!" Besser als Lewis Hamilton, völlig berauscht vor Jubel am Boxenfunk im zweiten Training, lässt sich der Auftakt des Formel-1-Wochenendes in Suzuka kaum beschreiben.

Nicht nur, weil einfach alle Fahrer begeistert sind mit den schnellsten Boliden der F1-Geschichte um die vielleicht spektakulärste Strecke der Welt zu ballern. Sondern auch, weil Mercedes in den Trainings zum Japan GP auf eine Weise dominierte, die Ferrari und Red Bull völlig erblassen ließ.

Lewis Hamilton: Liebeserklärung an Suzuka

Doch der Reihe nach. "Freut mich, dass es dir gefällt", funkte Hamiltons Renningenieur Peter Bonnington seinem Fahrer, offenbar genauso amüsiert über Hamiltons Gefühlsausbruch am Funk wie so viele Zuschauer, zurück.

Der Brite selbst ließ nach seiner ersten Lobeshymne auf Suzuka schon vor der ersten Session im Auto am Donnerstag nach dem Training gleich die nächste folgen. Oder besser gesagt: die erst richtige.

Lewis Hamiltons Liebeserklärung an Suzuka im Wortlaut: "Jedes Mal, wenn wir nach Suzuka kommen, aber ganz besonders in den vergangenen Jahren, werden die Autos immer schneller - das ist einfach fantastisch. Solche Strecken gibt es nicht mehr - es gibt nur wenige Auslaufzonen, du kommst nur leicht aufs Gras und schon landest du in der Mauer."

"Suzuka gehört zu meinen absoluten Lieblingsstrecken, vielleicht ist es sogar meine Lieblingsstrecke. Sie ist einfach richtig cool. Das gilt besonders im ersten und zweiten Sektor, die der absolute Wahnsinn sind. Der erste Sektor ist die beste Achterbahnfahrt, die ich je in einem Formel 1-Auto erlebt habe. Die Balance war ziemlich gut und ich konnte es regelrecht genießen!"

"Hier zu fahren macht mir so viel Spaß wie noch nie. Wenn ich ins Auto steige, ist es einfach ein fantastisches Gefühl. Es ist so schnell und ich bin unheimlich dankbar, dass ich die Gelegenheit habe, das zu tun, was ich mache. Ich habe mich heute den ganzen Tag über bedankt, weil ich das hier schon immer machen wollte."

Teamkollege Valtteri Bottas stimmt zu, wenn auch deutlich komprimierter. "Es macht immer sehr viel Spaß, auf der Strecke in Suzuka zu fahren", sagt der Finne über Suzuka.

Hamilton in Suzuka auch sportlich hochzufrieden: Besser denn je

Aus sportlicher Sicht fällt das Fazit nach zwei Bestzeiten mit sattem Vorsprung seitens Lewis Hamilton ebenfalls auf ganzer Linie sehr gut aus. "Jedes Jahr gibt es Bereiche, in denen ich mich verbessern kann. Deshalb sagte ich mir: 'Es gibt zwei oder drei Kurven, in denen ich es in diesem Jahr bringen muss.' Und damit habe ich direkt angefangen. In diesen Kurven war ich sehr viel besser als je zuvor. Jetzt muss ich so weitermachen und daran arbeiten. Mein Team und ich arbeiten beim Feintuning des Autos sehr gut zusammen", berichtet der Brite.

Bottas kämpfte etwas mehr mit seinem Silberpfeil, das reichte jedoch noch immer leicht für zwei zweite Plätze in den Ergebnissen beider Trainings."Das Auto fühlte sich recht gut an, obwohl es für mich im ersten Training besser war als im zweiten. Es liegt eine lange Nacht vor uns, um alle Veränderungen, die wir vorgenommen haben, zu untersuchen und das richtige Setup zu finden", sagt Bottas. "Aber alles in allem fühlte sich das Auto in allen Sektoren gut an. Ich hatte nur ein paar Schwierigkeiten mit der Balance und hatte ein wenig mit Untersteuern zu kämpfen."

Bottas noch mit Balance-Problem

Insgesamt sei es somit ein relativ unkomplizierter Tag gewesen, so Mercedes' leitender Ingenieur an der Strecke, Andrew Shovlin. Mit Blick auf das Kräfteverhältnis jedoch müsse Mercedes noch Vorsicht walten lassen, dürfe sich nicht von den überlegenen Bestzeiten blenden lassen. "Die Spitzenzeiten von heute schmeicheln uns, aber wir können noch etwas Zeit finden, wenn wir an der Balance auf einer Runde sowie unseren Long Runs arbeiten", berichtet Shovlin.

Toto Wolff erklärt bei Sky Sports F1, was sein Ingenieur genau meint. "Sie haben etwas runtergedreht", so Wolff über Ferrari und deren Motorleistung im Training. "Es ist jedoch schwer, zu sagen, wo wir im Vergleich zu den anderen Teams stehen. Im Qualifying wird es immer enger", bestätigt Bottas.

Wolff warnt: Bestzeiten schmeicheln Mercedes, Ferrari im Schongang

Wolff weiter: "Wir verlieren tatsächlich etwas in den schnellen Kurven. Heute morgen waren sie in fast jeder Kurve schneller, aber sie hatten auch weicheren Gummi. Als wir auf den gleichen Reifen waren, haben wir etwas auf der Geraden gewonnen. Das lässt mich etwas zweifeln, ob sie wirklich ihre wahre Performance gezeigt haben. In den Esses waren sie etwas schneller. Die Rundenzeit schmeichelt uns ein wenig."


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