Formel 1

Renault-Teamchef kontert Verstappen-Kritik: Fahr' einfach Auto

Formel-1-Youngster Max Verstappen hält Renaults Spec-3 in Mexiko für nicht funktionstüchtig. Die Franzosen widersprechen. Teamchef stichelt zurück.
von Jonas Fehling

Motorsport-Magazin.com - Das Wechselspiel der Motoren-Spezifikationen bei Red Bull Racing mutet in der zweiten Saisonhälfte der Formel 1 2018 kurios an. In Monza bekam der Renault-Kunde - anders als das Werksteam selbst - die dritte Ausbaustufe der Power Units aus Viry. Schon erstaunlich genug.

Doch in Russland kommt es nach Fahrbarkeitsproblemen in Singapur nun noch bunter: Wechsel zurück auf die B-Spec. Eine jeweils neue B-Spec für Daniel Ricciardo und Max Verstappen, sodass beide Bullen-Piloten Strafen kassieren, vom Ende der Startaufstellung losfahren müssen.

Renault: Wechsel waren mit Red Bull genauso vereinbart

"Die Einführung der vorherigen Motorenspezifikation war Teil des Plans. Die C-Spec ist ein guter Schritt, ein guter Schritt, den jeder gespürt hat, der aber mit eine gewissen Zahl von Einschränkungen kam. Es war Teil des Plans, später wieder die B-Spec zu bringen. Das ist etwas ungewöhnlich. Aber es war ein Muster und ein Plan der komplett, besonders auf Nachfrage von Red Bull, vereinbart war", kommentiert Renault-Teamchef Cyril Abiteboul am Freitag in Sotschi.

Max Verstappen zeigt sich davon schon am Donnerstag wenig überrascht. Doch kritisierte der Niederländer in Sotschi auch: "Die C-Spezifikation funktioniert in großer Höhe wie Mexiko oder Brasilien nicht." Dorthin führt es die Formel 1 in den kommenden Wochen noch.

Abiteboul: Max Verstappen der Anspruchsvolle …

Angesprochen auf diese Einschätzung reagiert Renault-Teamchef Abiteboul einen Tag später in der FIA-PK allergisch. "Ja, die Motorenwechsel, da wurden wieder viele Dinge gesagt und geschrieben", stöhnt der Franzose, sofort leicht genervt. "Die Realität sieht aber viel normaler aus. Es ist einfach die Ausführung eines zuvor mit allen Beteiligten vereinbarten Plans, insbesondere mit Red Bull."

Zumindest das hatte Verstappen auch alles andere als bestritten. Doch mit dem Punkt, mangelnder Funktionstüchtigkeit in der Höhe zeigt sich Abiteboul dann so gar nicht einverstanden. "Wir hatten ein Problem mit der Fahrbarkeit im ersten Training in Singapur, früh am Wochenende, und - deutlich weniger ausgeprägt - im Qualifying. Aber ich denke, dass wir mit der Person von Max einen sehr anspruchsvollen Nutzer haben, und einen auch nicht sehr ruhigen …"

Renault-Teamchef: Leistungsgewinn mit Spec-3 auch in Mexiko

Tatsächlich leistet grundsätzlich jeder Verbrennungsmotor in größerer Höhe weniger. Die Spec-3 sei da kein besonders schlimmer Fall, verteidigt Abiteboul das Produkt seiner Ingenieure. "Ich denke, dass wir den Zuwachs an Leistung, den wir gesehen haben, auch in ähnlicher Form auf einer Strecke wie Mexiko gesehen hätten, also stimme ich diesen Kommentaren nicht zu. Ich denke, dass Max sich auf das Auto konzentrieren sollte", poltert der Teamchef.

Noch dazu habe man alles Erdenkliche getan, um Verstappen in Singapur den Grand Prix nach den extremen Problemen im Training noch zu retten. "Ich denke, dass das Team einen großartigen Job gemacht hat, was anbelangt, Max mit etwas auszustatten, dass ihm ein gutes Wochenende in Singapur ermöglichte", so Abiteboul, auch deshalb enttäuscht von der neuen Kritik seines speziellen 'Freunds'.

Abiteboul: Ricciardo hat es geschafft, Probleme zu umfahren …

Dementsprechend ließ der Franzose gleich noch eine Spitze gegen den Niederländer folgen: "Tatsache ist, dass Daniel (Ricciardo, fährt 2019 für Abitebouls Team, Anm. d. Redaktion) es geschafft hat, einen Weg zu finden, um die Limitierungen herumzufahren." Das ändere allerdings nichts an dem Fakt, dass Renault einen besseren Job habe machen müssen, was die Fahrbarkeit in Singapur anbelangte, gesteht Abiteboul jedoch.

Den Rückwechsel auf Spec-3 ab Russland erklärt der Franzose anders als mit der Höhenluft bei den Folgerennen und damit anders als Verstappen so: "Wir haben Zuverlässigkeitsbedenken und deshalb war es sehr klar, dass der für Max eingeführte Motor nicht in der Lage sein würde, alle Rennen zu überstehen. Deshalb wurde entschieden, zu einer neuen Spezifikation zu gehen. Und das entspricht nur dem schon erwähnten Plan, den wir mit den Ingenieuren von Red Bull vereinbart haben. Und nicht mit der Fahrerabteilung."


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